„Als Kind wollte ich ein Nachthemd…“ Katholischer Pfarrer aus Hamm bekennt sich offen zu seiner Homosexualität

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Priester, Symbolbild. /Quelle Pixabay
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Als Kind faszinierte ihn der Lippenstift seiner Mutter, er wollte ich ein Nachthemd. „Reden konnte ich darüber nicht. Es gehörte sich nicht. Also schämte ich mich.“ Nun, über 50 Jahre später: „Weil vieles nicht einfach auszuradieren ist: ENDLICH!“

So beginnt ein katholischer Geistlicher aus Hamm ein öffentliches Posting auf seiner Facebookseite ein, mit dem er Aufsehen erregte.  Pfarrer Bernd Mönkebüscher bekennt sich einem langen, sehr persönlichen Statement zu seiner Homosexualität.

In Unna stieß seinerzeit der evangelische Stadtkirchenpfarrer Jörg-Uwe Pehle Diskussionen über offen gelebte Homosexualiät bei Geistlichen an. Er heiratete in der Stadtkirche seinen langjährigen Lebenspartner, und die damalige Superintendentin Annette Muhr-Nelson gab dem Männerpaar den Segen.

Nun vertritt die evangelische Kirche generell eine liberalere Haltung zur Sexualität. Pfarrer müssen nicht zölibatär leben, sondern dürfen heiraten, eine Familie gründen, und 2016 bekannte sich die erste Landeskirche (Baden) in einer Synode zur „Gleichwertigkeit gleichgeschlechtlicher Liebe, Sexualität und Partnerschaft“ .

In der katholischen Kirche hingegen sieht es mit der Sicht auf Sexualität grundlegend anders aus, immer noch.  Pfarrer Bernd Mönkebüscher schreibt deshalb mit einem Stoßseufzer „Endlich“, wenn er Bischof Overbeck zitiert, der es als einer der ersten Bischöfe als „abwegig“ bezeichnet, homosexuelle Männer von der Priesterweihe auszuschließen.

„In diesem Zusammenhang spricht er von immensen Leidensgeschichten in der Vergangenheit und Gegenwart bis zu Diskriminierungen hin, die schwule Männer (und lesbische Frauen) generell erfahren haben, auch in der Kirche“, schreibt der 53-jährige Hammer Seelsorger. Auch er selbst habe eine solche Leidensgeschichte hinter sich.

„Man hat nicht nur eine Sexualität. Homosexuell sein bedeutet genauso eine Variante des Mannseins wie heterosexuell sein“, unterstreicht Mönkebuscher seine Überzeugung.

„Was wären Musik und Kunst und viele soziale Einrichtungen ohne Schwule oder Lesben?“, stellt er kritisch die Frage. „Ich glaube, es ist nicht zu viel behauptet, dass genau diese Weise zu denken und zu fühlen die Kirche gern angenommen hat in ästhetischer Hinsicht, in sozialer Hinsicht und auch unter dem Gesichtspunkt des Gehorsams.“

Zumindest zu seiner Zeit (in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, aber auch danach) sei es für einen homosexuellen katholischen Geistlichen nicht möglich gewesen, offen zu seiner Veranlagung zu stehen, „weil man sofort mit einem Rauswurf rechnen musste“. Dieses „von der Kirche irgendwie als Makel abgestempelte Schwulsein muss auf andere Weise wieder gut gemacht werden.“

Deswegen äußerten homosexuelle Pfarrer selten öffentlich Kritik an der Kirche.  „Niemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen, auf sich aufmerksam machen. Im Gegenteil: es entwickelt sich nicht selten eine große Kirchentreue.“

Stillschweigen also und bloß nicht auffallen. Dabei sei der Anteil schwuler Männer unter den Priestern „in jedem Fall signifikant höher als im Durchschnitt der Bevölkerung“.

Für ein offenes Bekenntnis öffne Bischof Overbeck, „längst überfällig, eine Tür, indem etwas sagbar wird und nicht länger unsäglich bleibt“, schreibt Bernd Mönkebusch:

„Ich gehe durch diese Tür. Mit 53. Nicht stolz, eher hinkend. Ja, und es ist eine Leidensgeschichte. ….Als Kind wollte ich ein Nachthemd, mich faszinierte der Lippenstift unserer Mutter …. Aber reden konnte ich darüber nicht. Es gehörte sich nicht. Also schämte ich mich… Ich konnte vieles damals nicht ausdrücken, also wurde es unterdrückt.
Das entstehende Gefühl von Einsamkeit und nicht richtig sein ist unbeschreiblich.“

Vier Jahre Psychotherapie hätten dazu beigetragen, die nun offene Tür zu durchschreiten.

Und schmerzlich offen bekennt der 53-Jährige in seinem langen, persönlichen Posting: „Dies zu schreiben fällt mir nicht leicht. Mir wird schlecht dabei. Ich muss eine Pause einlegen.“

Hier ist das umfangreiche Posting nachzulesen.

Weil vieles nicht einfach auszuradieren ist:ENDLICHEndlich: einer der deutschen Bischöfe (Overbeck) bezeichnet es als…

Gepostet von Bernd Mönkebüscher am Mittwoch, 30. Januar 2019

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1 KOMMENTAR

  1. Warum sollte ein Pfarrer nicht schwul sein dürfen? Leider haben sehr, sehr viele „Geistliche“ ein Verlangen nach kleinen Kindern, was ich deutlich schlimmer finde. Die evangelische Kirche und die katholische Konkurrenz haben jahrzehntelang Kinderschänder in den eigenen Reihen gedeckt und sind immer noch nicht bereit zur Aufarbeitung. Ich verstehe nicht, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die diese Organisationen mit Kirchensteuer unterstützen.