Kriminalität im Kreis sank laut PKS auf 10-Jahres-Tief, am geringsten in Unna – Anstieg in Fröndenberg – Neuer Schwerpunkt: Clankriminalität

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Zufriedene Gesichter bei Landrat und Polizeichef Micahel Makiolla und seinem Abteilungsleiter Polizei Peter Schwab bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik für 2018: Die Gesamtkriminalität ist im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna (ohne Lünen) auf ein 10-Jahres-Tief gesunken. (Alle Fotos im Bericht: Rundblick Unna)
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„Der Kreis Unna wird immer sicherer.“

So steht es zumindest als Fazit über der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) 2018 für die Kreispolizeibehörde Unna, die am Mittwochmittag (13. 2.) in Unna vorgestellt wurde.

Zusammen mit der landesweiten Kriminalitätsstatistik, die verkündet: So sicher wie heute sei NRW seit 30 Jahren nicht mehr gewesen.

Hier der Blick in den Kreis Unna (außer Lünen – zählt zur Direktion Dortmund):

18.174 Straftaten insgesamt (im Vorjahr 19.507, Hochstand 2015: 21.741) bedeutet den niedrigsten  Stand wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Ein Kommentarschreiber auf unserer Facebookseite rechnete das auf die Einwohner herunter: Ohne Lünen (87.610 Einwohner) lebten im Kreis Unna 306.324 Bürger. Bei 18.174 Straftaten komme damit eine Straftat auf 17 Einwohner.

Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr betraf alle Kommunen bis auf eine:

Ortsschild von Fröndenberg. (Archiv RBU)

In Fröndenberg gab es einen Anstieg um mehr als  8 Prozent (76 Fälle), meist Sachbeschädigungen/Diebstähle aus Fahrzeugen.

Unter den neun Städten und Gemeinden bleibt die Kreisstadt Unna insgesamt bei Kriminellen am beliebtesten, hier gingen die erfassten Straftaten nur um 2,5 Prozent zurück. Hingegen um fast 18 Prozent in Selm und Bönen.

Polizeiwache Unna am Nordring/Obere Husemannstraße. (Foto Rundblick)

Ebenfalls sank fast überall die Zahl der Wohnungseinbrüche, gleichzeitig allerdings auch die Aufklärungsquote (auf unter 16 %).

Explosionsartig angestiegen sind die Betrugsfälle an Senioren – falsche Enkel, falsche Polizeibeamte: mehr als doppelt so viele Fälle wie 2017 wurden angezeigt.

Auch die angezeigten Sexualdelikte sind stiegen an – gerade in diesem Bereich, sagt Makiolla, entschlössen sich aber eben deutlich mehr Betroffene als früher zur Anzeige.

Überhaupt entschlössen sich Bürger heutzutage deutlich häufiger zur Anzeige einer Straftat (egal welcher) als früher, weist Makiolla häufige gegenteilige Behauptungen zurück. Dazu gebe es einschlägige Studien.

Zum Thema Sexualdelikte: Was zuvor noch als „Beleidigung auf sexueller Basis“ als „Vergehen“ geführt wurde, das seien nunmehr aufgrund verschärfter Gesetzeslage Straftaten. Auch dies erkläre den Anstieg, so Makiolla und Kujau.

Der weit überwiegende Anteil der Sexualstraftaten spielte sich im privaten Umfeld ab. „Kein einziges Mal kam eine Vergewaltigung auf offener Straße vor“, betonte Kriminaldirektor Frank Kujau.

Kriminaldirektor Frank Kujau. (Foto RB)

Zum Thema Messerangriffe:

Diese sind bisher nicht gesondert in der Kriminalitätsstatistik erfasst, was der Massener Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke und Polizeigewerkschaftschef Wilhelm Kleimann erst am Vortag mit „Verwunderung“ kommentierten.

Unnas Kripo-Chef nimmt dazu einen klaren Standpunkt ein:

Symbolbild, Pixabay

„Mein rein gefühlter Eindruck ist: Die Anzahl derer, die meinen, sie müssten jederzeit ein Messer dabei haben, ist deutlich gestiegen. Und damit steigt auch die Bereitschaft, das Messer anzuwenden.“

Polizeichef Peter Schwab, Michael Makiolla, Kripo-Chef Frank Kujau (v.li.) – (Foto RB)

Zum Thema Migrantenkriminalität: Die Statistik schlüsselt auch diesmal wieder nach Täterherkünften auf.

Mehr als jeder vierte Tatverdächtige war 2018 „Ausländer“ (25,5 Prozent). „Ausländer“ bedeutet Tatverdächtiger ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Doppelpass-Inhaber werden unter „Deutsche“ registiert.  Der Gesamtausländeranteil liegt im Kreis Unna aktuell bei ca. 10 Prozent.

Unter den nichtdeutschen Tatverdächtigen waren 500 Asylbwerber.

Ausblick auf 2019:

Zu ihren Schwerpunkten Jugendkriminalität und Wohnungseinbrüche nimmt sich die Kreispolizeibehörde als weiteren Schwerpunkt Clankriminalität hinzu. Mitglieder krimineller Clans, begründet Makiolla diese neue Gewichtung, „wohnen hier im Kreis und traten auch schon in Erscheinung.

Insgesamt aber, zieht Makiolla als Fazit:

„Wir können festhalten, dass der Kreis Unna eine Region bleibt, in der die Menschen sicher leben können.“

v. li. Pressechef Thomas Röwekamp, Abteilungsleiter Polizei Peter Schwab, Landrat und KPB-Chef Michael Makiolla, Kriminaldirektor Frank Kujau beim Blick auf die Großleinwand, auf der die Statistik präsentiert wurde. (Foto RB)

Die Statistik in Stichpunkten (Quelle: KPB Unna):

Gesamtfazit der Kriminalitätsstatistik 2018.

 

Gewaltkriminaltität (Grafiken oben und unten): gering ausgeprägt in den kleinen, ländlichen Kommunen, vergleichsweise hoch in Unna und in Bergkamen.

Deutlich überrepräsentiert ist auch bei der Straßenkriminalität wieder Unna. Das liegt laut Makiolla daran, dass die Kreisstadt das einzige richtige Mittelzentrum des Kreises sei, zahlreiche Besucher anziehe und damit eben auch überdurchschnittlich viele Kriminelle, die hier weitaus mehr Gelegenheiten fänden als z. B. in Bönen oder Werne.

Diese Statistik umfasst die explosionsartig gestiegenen Betrügereien an meist älteren Opfern – von falschen Polizisten bis zum Enkeltrick. Die Opfer, betonte Kripo-Chef Kujau, sind „keineswegs dement – nur in seltenen Fällen.“
Mehr als halbiert hat sich die Wohnungseinbruchszhahl in Bönen, hingegen stagnierte Fröndenberg und verzeichnet Unna auch in diesem Bereich den geringsten Rückgang.
Deutlich angestiegen: die Zahl sehr junger Krimineller. Aber gerade hier, verdeutlichten Michael Makiolla und Kripochef Frank Kujau erneut, wurden 2018 besonders viele Fälle aufgeklärt und konnten demnach eindeutig dieser Altersgruppe zugeordnet werden.
Zur Erklärung dieser Grafik: Der Ausländeranteil liegt im Kreis Unna bei ca. 10 Prozent. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen macht über ein Viertel aus. Unter „Ausländer“ wird jeder Tatverdächtige gefasst, der keinen deutschen Pass besitzt. Doppelstaatler fallen unter „Deutsche“.
Erklärung zu dieser Grafik: rund 8 Prozent aller Tatverdächtigen waren Asylbewerber (rund 500). 1,1 Prozent von ihnen mit Duldungsstatus (sprich: abgelehnt).

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Wie aussagekräftig ist diese polizeiliche Statistik für die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung?

Aus dem „faktenfinder“ der Tagesschau: „Nach wie vor dominieren Eigentums- und Vermögensdelikte wie Diebstahl, Betrug, aber auch der Wohnungseinbruch die PKS. Dies liegt aber nicht zuletzt daran, dass diese Taten aus versicherungstechnischen Gründen fast immer (Autodiebstahl, Einbruch) oder doch weit überwiegend zur Anzeige gebracht werden.

Laut einer niedersächsischen Befragung zu Sicherheit und Kriminalität werden 95 Prozent der Autodiebstähle und 81 Prozent der Wohnungseinbrüche angezeigt. Dagegen sind es bei Körperverletzungen nur 36 Prozent und bei Sexualstraftaten sogar nur sechs Prozent.

… die Kriminalstatistik der Polizei sei „eigentlich …. eine Aufzeichnung der polizeilichen Tätigkeit im Bereich der Strafverfolgung“. Die meisten Angaben hingen von Strafanzeigen ab, deren Häufigkeit keineswegs mit der tatsächlichen Kriminalität einhergehe.“

 

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7 KOMMENTARE

  1. Im Gegensatz zu dem gequälten Lächeln des Landrates habe ich dann doch herzlich gelacht. Aber ich mache meine Hose ja auch mit der Kneifzange zu. Die Passage, der Bürger würde heute eher zu einer Anzeige neigen, hat dann leider fast zu einem Lach-Erstickungstod geführt. Zum Glück fiel mir noch rechtzeitig ein, dass es nachweisbare Statistiken gibt, die genau das Gegenteil aufzeigen, so dass nur ein geringer Teil der Übergriffe überhaupt zu Anzeige kommt und „Geringdelikte“ überhaupt nicht mehr erfasst werden. Aber so ist der blöde Michel doch erst einmal wieder ruhig gestellt.