„Frau vom Westfriedhof“ ist vom Friedhof verschwunden

1
2550
Archivbild, aufgenommen vor vier Wochen: Hier am Eingang des Westfriedhofs, gegenüber von Aldi am Beethovenring, hatte die wohnungslose Frau monatelang gelebt. (Foto RB Unna)
Facebookrss

Das Zeltquartier am Eingang des Westfriedhofs ist verschwunden. Der leere Platz fällt ins Auge.

Denn monatelang „wohnte“ hier am Friedhofstor direkt am Beethovenring gegenüber Aldi die Obdachlose Silvia L..

„Die Frau vom Westfriedhof“, wie sie in Unna genannt wurde, lehnte Hilfsangebote von Polizei und Ordnungsbehörde kategorisch ab, wollte auch bei Minustemperaturen draußen in ihrem provisorischen Zelt wohnen bleiben.

Hilfsbereite Unnaerinnen und Unnaer versorgten Silvia L. regelmäßig mit warmer Suppe und/oder schauten nach,  ob es ihr gut ging. Sie betonte immer vehement: „Ja, es geht mir wunderbar!“ Dies auch bei einem Besuch unserer Redaktion vor knapp vier Wochen (wir berichteten HIER).

Handhabe, einem Menschen „zwangsweise“ zu helfen, haben Polizei und Ordnungsbehörden nur unter strikten Auflagen,  hatten uns die Unnaer Polizei und die Stadt damals zum „Fall Silvia L.“ erklärt: und zwar dann, wenn die Person sich selbst und/oder andere gefährdet. Ein solcher Fall liegt jetzt offenbar vor, denn das „Zeltlager“ ist verschwunden.

Gestern Abend hatten Leser es noch am Friedhofseingang erblickt und auch die Bewohnerin dort gesehen.

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld bestätigte unserer Redaktion die Beobachtung der Leser: „Ja, die wohnungslose Frau ist nicht mehr am Friedhof. Die Stadt hat eine Anordnung des Amtsgerichts durchgesetzt.“

Diese Anordnung sei  NICHT von der Stadt Unna beantragt worden, unterstreicht Ueberfeld. Weitere Auskünfte dürfe die Stadt aus Datenschutzgründen nicht geben –  weder, wieso die Wohnungslose fortgebracht wurde, noch, wo sie sich jetzt befindet und wie es ihr geht.

Die Direktorin des Unnaer Amtsgerichts,  Annette Rodehüser, musste auf unsere Nachfrage am frühen Nachmittag passen: Ihr sage dieser Vorfall zunächst einmal nichts, sie kenne daher die Gründe nicht, weshalb es zu dieser Anordnung gekommen sei. Möglicherweise hätten Eigen- oder Fremdgefährdung vorgelegen, bestätigen könne sie aber weder das eine noch das andere. Auch die Gerichtsdirektorin verwies prinzipiell auf die sensible Datenschutzthematik und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen: Sofern kein öffentliches strafrechtliches Verfahren betrieben wird, dürfen keine Auskünfte an Dritte herausgegeben werden.

Die Frau soll sich im Krankenhaus befinden.

  • Anmerkung unserer Redaktion: Wir informieren über das Verschwinden der Frau, damit sich niemand Sorgen macht, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte. Selbstverständlich dürfen Stadt und Amtsgericht ohne Einwilligung der Betreffenden keine weiteren Auskünfte geben, da sich hier keine Straftat ereignet hat und die Persönlichkeitsrechte der Frau zu wahren sind.
Facebookrss

1 KOMMENTAR

  1. Die gute Frau wird sich nach dieser richterlichen Räumung ihre nächste „Wohnung“ wohl dort „bauen“ wo sie ungesehen ist und niemanden stört und selber auch in Ruhe gelassen wird. Sie wird sich nun noch mehr aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und sich niemanden mehr anvertrauen. Aber damit ist sie dann auch leider nicht mehr „sichtbar“ für andere und keiner wird merken, wenn es der Frau schlecht geht. Alles Gute der Frau vom Westfriedhof;)