3 € pro Bürger/Jahr – doch: „Stadt und Politik wollen Unnas Eishalle einfach nicht“: Eine Bilanz mit Bildern

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Demonstriernde Eissportfans vergangenes Jahr nach dem Schließungsbeschluss für die Eissporthalle Unna. (Archivbild RB)
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Trotz Zulässigkeit und 6000 Unterstützungsunterschriften hat der Unnaer Stadtrat am Donnerstagabend das Bürgerbegehren für den Erhalt der Eissporthalle mit großer Mehrheit abgelehnt. Lediglich 4 Ratsleute wollten das Begehren annehmen, 2 enthielten sich.

Acht Monate Kampf um die Eishalle in Bildern (Fotos RB)

Vor der erwarteten Niederlage wandte sich Wilhelm Ruck von der BI „UNNA.braucht.EIS“  noch mit einer eindringlichen Rede an die Ratsvertreter, die wir hier wörtlich wiedergeben.

Wilhelm Ruck von UNNA.braucht.EIS, hier bei der öffentlichen Eishallenbesichtigung am 16. Juli 2018. (Archivbild RB)

Sehr geehrte Ratsherrinnen und Ratsherren.

Kaum eine Einrichtung der Stadt – außer vielleicht das zwischenzeitlich geschlossene Freibad in Massen – weckt bei Unnaer Bürgerinnen und Bürgern so starke positive Gefühle wie die Eissporthalle in Königsborn. Als vor etwa einem dreiviertel Jahr der Rat der Stadt das Aus für die Eissporthalle Unna beschlossen hatte, saß der Schock bei vielen Bürgerinnen und Bürgern natürlich tief. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen standen vor einem Scherbenhaufen und ein Gefühl von Ohnmacht, Enttäuschung und Trauer bestimmte die Situation.

Schon wenige Tage, nachdem die schlechte Nachricht die Runde gemacht hatte, hat sich UNNA.braucht.EIS gebildet. Zunächst als Bürgerinitiative, dann später als eingetragener Verein. Unser Ziel: Erhalt, Sanierung und Weiterbetrieb der Eissporthalle.

Eissportler und Eishallenfans. (Archivbild RB)
Junge Eissportler vor der entscheidenden Ratssitzung am 28. 6. 2018, in der die Politik mehrheitlich den Abriss der Halle beschloss. (Archivbild RB)

Für uns waren es ereignisreiche Wochen und Monate. Wir haben zahllose Gespräche geführt, haben Freunde und Sponsoren gefunden, die unser Anliegen unterstützen. Wir haben die Staatssekretärin Frau Milz in der Eishalle begrüßen dürfen, den Eishockeyverband NRW und den Deutschen Eishockeybund für unsere Sache gewinnen können.

Abgesehen von einigen wenigen löblichen Ausnahmen standen die Ratsleute der Stadt Unna der Eishalle jedoch stets ablehnend gegenüber. Das hat sich – wie inzwischen klar zu Tage getreten ist – trotz unserer Bemühungen nicht verändert.

Junge Eisläuferin. (Archivbild RB)

Dabei war die Eishalle mit zuletzt etwa 80.000 Besuchern jährlich ein Publikumsmagnet und im Vergleich mit anderen Kultur- und Sportangeboten der Stadt Unna ein echtes „Schwergewicht“. Man könnte also sagen: Die Eishalle am Bergenkamp stellt eine unerlässliche Größe in Unna dar.

„Eine unerlässliche Größe“? Starke Worte. Ja, aber nicht von uns. Diese Einschätzung stammt aus dem aktuellen kommunalpolitischen Programm der SPD-Fraktion.

Und sie trifft zu. Die Eissporthalle IST eine unerlässliche Größe!

Wird die SPD also ihrem klaren Bekenntnis zur Halle auch Taten folgen lassen? Leider nein. Was wir gleich erleben werden, ist, wie eben diese Fraktion gegen den Erhalt der Eishalle stimmen wird. Und das – sehr geehrte Damen und Herren – ist genau das Problem.

Die Eissporthalle Unna bei der Besichtigung am 16. 7. 2018. (Archivbild Rundblick)

Über Jahre hinweg gab es immer wieder reichlich Lippenbekenntnisse zur Eissporthalle. Tatsächlich wurden aber nie die Voraussetzungen geschaffen, geschweige denn die erforderlichen Gelder bereitgestellt, um die Halle vernünftig instand zu halten und zu betreiben.

Heute nun soll uns das Thema „Kosten“ einmal mehr als Problem verkauft werden.

Über 8 Millionen Euro, so heißt es, werde die Sanierung kosten. Das ist natürlich Unsinn.

Zunächst einmal weißt die Studie – was allerdings gerne verschwiegen wird – objektiv Fehler auf, zum anderen beziehen sich die Summen auf eine absolute Luxussanierung, die für eine Eishalle weder erforderlich noch sinnvoll ist.

Niemand braucht die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne, die in der Studie vorgeschlagen werden. Es braucht beispielsweise kein neues Dach, da das alte problemlos saniert werden kann und es braucht keine High-End-Bodenbeläge.

Man baut keine überteuerten Dämmelemente aus Aluminium ein, wo es auch eine Mineralwoll-Dämmung tut. Diese Liste ließe sich sicher noch fortführen, aber das wäre vergebene Mühe. Es ist mehr als deutlich geworden, dass Sachargumente in der Diskussion mit der Stadt nicht weiterhelfen.

BI-Vertreter bei Bürgermeister Werner Kolter. (Archivbild RB)

Wir haben gegenüber Politik und Verwaltung nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, dass Sanierung und Betrieb der Halle für etwa 150.000 € pro Jahr zu haben sind.

150.000 € pro Jahr! Das sind nicht einmal 3 € pro Einwohner pro Jahr. Oder anders formuliert: Der Erhalt der Halle würden jede Einwohnerin und jeden Einwohner pro Monat gerade einmal soviel kosten wie eine Rolle Toilettenpapier.

(Foto: Rundblick)

Und trotzdem wird seitens der Politik der Teufel an die Wand gemalt. Es ist die Rede von Steuererhöhungen, die zwingend notwendig würden, wenn man die Halle erhalten wolle. Was ist hier das Problem? Hält man den Bürger für leichtgläubig oder einfach nur für dumm?

Wir werden heute jede Menge Ausflüchte, Halbwahrheiten und Bedenken hören. Tatsache ist aber: Es liegt nicht am Geld. Es liegt auch nicht an etwaigen technischen Herausforderungen, die sich bei der Sanierung der Halle stellen könnten.

Verwaltung und weite Teile der Kommunalpolitik wollen die Halle einfach nicht.

Besichtigung der Eishalle Unna am 16. 7. 18. (Archivbild RBU)

Wie komme ich darauf? Wir haben zahlreiche Gespräche mit Verwaltung und den Fraktionen geführt, haben unser Konzept vorgestellt und für eine kostengünstige Lösung geworben, die den Interessen aller Beteiligten gerecht werden würde. Wir haben tausende Euro an privaten und Spendengeldern aufgewendet, um Anwälte und Sachverständige zu beauftragen und einen praktikablen Ansatz für Sanierung und Betrieb der Halle erarbeitet.

Kurz gesagt, wir haben den Job der Stadt erledigt. Und wir haben ihn gut erledigt.

Trotzdem ist keine Bewegung und kein Umdenken erkennbar. Warum ist das so? Warum entwickelt außer uns niemand eine Idee dazu, wie es gehen könnte? Oder bringt sich zumindest mit eigenen Ideen ein?

Insgesamt haben wir eine Politik erlebt, die ideen- und mutlos ist und die jeden konstruktiven Gestaltungswillen vermissen lässt. Also ein deutliches „Wir wollen halt nicht.“

Anstatt eines positiven „Yes, we can!“.

Sportausschusssitzung zur Eissporthalle im Sommer 2018. (Archivbild RB)

Aber ich glaube, die Bürgerinnen und Bürger haben es satt, sich immer nur erzählen zu lassen, was alles nicht geht. Haben es satt, mit anzusehen, wie wertvolle Infrastruktur – wie zuletzt das Freibad Unna-Massen – abgerissen und aufgegeben wird, bloß um dadurch eine Brache zu schaffen, auf der über Jahre hinweg gar nichts passiert.

Und sie haben es satt, dass öffentliche Gelder für überflüssige und sinnlose Maßnahmen verschleudert werden, die selbst so manchen Schildbürger erblassen lassen würden. Man denke nur an den Vollpfosten, die Rathaustreppe oder den Kreisverkehr am Kreishaus.

Der „Vollpfosten“ am Königsborner Tor, inkl. Markierungsarbeiten 20.000 Euro teuer. (Archivbild RB)
Ampelhinweis am Kreishauskreisel. (Foto RB)

Weil ich die Hoffnung aufgegeben habe, den Rat noch zu einem Einlenken bewegen zu können – die Chance bestand scheinbar von Anfang an nicht – wende ich mich abschließend an all diejenigen, die in der Halle ihre Freizeit verbracht haben, alle, die hier das Eislaufen gelernt haben und an alle, die die Eishalle für ihre Kinder und Enkelkinder erhalten wollen: Kämpft mit uns für den Erhalt der Halle. Wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen. Steht auf für das, was euch wichtig ist!!

Geht zur Wahl! Stimmt für unsere Eishalle Unna!

Vielen Dank!

Mitglieder und Anhänger der BI warteten mit einem schweren Paket in der Bürgerhalle auf Bürgermeister Kolter. Doppelt so viele Unterschriften wie für das Bürgerbegehren benötigt sind zusammengekommen. (Foto Rundblick)

 

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2 KOMMENTARE

  1. Der Rede von Herrn Wilhelm Ruck an die Ratsvertreter ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Es ist schon erstaunlich mit welcher Akribie die Ratsvertreter, die Verwaltung und deren Oberhaupt (der m.E nicht die Amtsbezeichnung zu Recht führt) in den letzten 15 Jahren keinerlei Anstalten machten um die sämtliche Infrastruktur einschließlich der Freizeitstätten zu erhalten und offensichtlich mit „Freude am Bedauern“ deren Schließung umzusetzen. Dies alles bei gleichzeitiger Verschwendung von Steuergeldern in Millionenhöhe für die Belustigung und dem Wohlergehen einzelner und unfähigen Entscheidungen zu Verkehrsproblemen.