Leserbrief zur Eishallen-Ratssitzung: „Was, bitte, war das denn jetzt?!“

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Ratssaal Unna. (Foto RBU)
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Zur Ratssitzung am Donnerstag (7.3.), in der die Parteien mit großer Mehrheit die Ablehnung des Bürgerbegehrens zum Eishallenerhalt beschlossen (Bericht HIER), erreichte uns am heutigen Sonntag (10.3.) folgender Leserbrief:

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Was, bitte, war das denn jetzt?!

Diese Frage wird sich so mancher Zuschauer gestellt haben, der in der Ratssitzung betreffend den Erhalt der Eissporthalle den Ausführungen der Parteien lauschen durfte bzw. musste.

Ein Umdenken der Ratsmitglieder war mit Rücksicht auf den Umstand, dass es ja bereits öffentliche Vorfestlegungen in den lokalen Medien gab, nicht zu erwarten. Trotzdem dürfte diese Ratssitzung für viele Zuhörerinnen und Zuhörer eine neue „Qualität“ gehabt haben.

Viele der Ratsleute, die sich zur Sache geäußert haben, gaben leider ein Bild des Jammers ab.

Nehmen wir nur einmal die SPD-Fraktion: Diese wurde im Rahmen der Sitzung mehrfach und ausdrücklich auf den Umstand angesprochen, dass in ihrem kommunalpolitischen Programm für die Jahre 2014 – 2020 wörtlich zu lesen ist „Eine unerlässliche Größe ist die Eissporthalle am Bergenkamp. Sie soll auch zukünftig für alle Eissporttreibende in Unna eine zuverlässige und vielseitige Sportstätte bleiben. Dafür stehen wir als SPD“. Leider hielt man es seitens der SPD nicht einmal für erforderlich, diesen offensichtlichen Gegensatz zwischen Sagen und Tun aufzuklären und die Gründe für diesen bemerkenswerten Sinneswandel zu erklären. Das war halt damals ein Versprechen und versprechen kann man sich ja mal…

Die FDP trug sodann weiter zur Verwirrung bei, indem sie ganz im Stile eines „Bäumchen-Wechsel-Dich“ erneut ihre Meinung änderte. Tagesaktuell war die Fraktion offenkundig der Ansicht, die Eishalle nun doch nicht zu wollen. Wir erinnern uns: Noch im November 2018 forderte die FDP-Fraktion vertreten durch ihren Vorsitzenden, Herrn Schmidt, den sofortigen Abriss der Eissporthalle ausdrücklich noch vor der Durchführung des Bürgerentscheids. Nach entsprechend deutlicher Kritik informierte dann der Ratsherr Hartlieb die Bürgerinitiative im Rahmen eines persönlichen Gesprächs darüber, dass man „voll hinter der Bürgerinitiative steht“ und „das Vorhaben unterstützt“. Scheinbar war die Halbwertzeit dieses Sinneswandels ausgesprochen kurz bemessen. Herr Schmidt ging im Rahmen der aktuellen Ratssitzung wieder zurück auf „Los“ und wärmte die Argumentationslinie aus November 2018 auf.

„Ja, was denn nun?!“, möchte man als Unnaer Bürger rufen.

Die CDU-Fraktion, Herr Fröhlich, stellte zunächst (und insoweit wenig einfallsreich) einmal mehr Steuererhöhungen in Aussicht, sollte es zu einem Erhalt der Halle kommen. Dann erstaunte er mit schlecht recherchierten und sachlich fragwürdigen Ausführungen zum baulichen Zustand der Halle. Insbesondere sein Vergleich der Eissporthalle Unna mit der Halle von Bad Reichenhall wirkte doch arg konstruiert und schien eher der Panikmache als der sachlichen Diskussion zu dienen. Hier werden eindeutig Äpfel mit Birnen verglichen. Sicher, Herr Fröhlich, beides ist Obst, aber das War’s dann auch schon.

Für komplette Verwirrung sorgten die in Teilen unzusammenhängenden Ausführungen des Ratsherrn Hißnauer, der erfolglos versuchte, das Konzept der Halle ins Lächerliche zu ziehen und dabei unfreiwillig einen bemerkenswerten Mangel an „Bodenhaftung“ unter Beweis stellte. So empfand er es insbesondere als äußerst erheiternd, dass der Geschäftsführer der geplanten gemeinnützigen Gesellschaft (Anm.: Also einer Gesellschaft, die ausdrücklich nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet ist!) , ein Gehalt von 3.500 € monatlich erhalten soll. Die Bürgerinitiative, so ätzte Hißnauer in Richtung der anwesenden Vertreter von UNNA.braucht.EIS, wird garantiert niemanden finden, der für dieses Geld arbeiten würde. Auch die anderen Gehälter der Angestellten seien so bemessen, dass dafür niemand arbeiten werde. Und wenn es ihr gelingen sollte, entsprechende Personen zu finden, so Hißnauer, dann solle sie diese Arbeitnehmer weiter verleihen und damit 500 € Gewinn machen.

Es ist betrüblich, dass Herr Hißnauer es ausgerechnet von mir und auf diesem Wege erfahren muss, aber Millionen Familien in Deutschland müssen Monat für Monat mit weniger als 3.500 € auskommen! Auch wenn Herr Hißnauer scheinbar deutlich mehr verdient bzw. bekommt: Häme und Spott sind hier komplett fehl am Platz. Besonders empörend: Das zustimmende Gelächter mehrerer anderer Ratsleute an dieser Stelle!

Leider konnten auch die eindringlichen Ausführungen der Ratsleute Risadelli und Tetzner die anderen Ratsmitglieder nicht umstimmen und es kam, wie zu erwarten war: Die Bürgerinnen und Bürger müssen die Sache selbst in die Hand nehmen. Am 26.05.2019 wird der Bürgerentscheid stattfinden. Dann hoffentlich mit einem klaren „Nein!“ zu diesem Rat und einem „Ja!“ zur Eishalle.

A. Peters, Unna

(Name und Kontaktdaten sind der Redaktion bekannt)

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