Stadthalle Kamen als Restaurantbetreiber: Subventionierte Konkurrenz zur lokalen Gastronomie?

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Die Werbung unter der Hochstraße für das Stadthallen-Mittagsangebot. (Foto Copyright Brückel)
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„Lokaltermin“ heißt das Restaurant, das die Stadt Kamen seit Kurzem unter der Hochstraße bewirbt und mit „Mittagstisch ab 5,80 Euro“. 5,80 Euro ist sehr, sehr günstig. Für Diskussion sorgt das, weil das Lokal die Stadthallen-GmbH betreibt, eine 100-prozentige städtische Gesellschaft. Wird hier Konkurrenz für die heimische Gastronomie mit Steuergeldern aufgemacht?

Die Leiterin der „Familienbande“ und Ex-Bürgermeisterkandidatin Tanja Brückel griff diese Frage am Dienstag (12. 3.) in einem öffentlichen Facebookpost auf.  Denn viele Besucher der Familienbande hätten sie auf diese neue Werbung der Stadt angesprochen.

Die „Familienbande Kamen e.V.“ ist ein selbst organisiertes Netzwerk von Angeboten für Familien in Kamen, das kürzlich eine eigene Lokalität eröffnete, das Café Glück. Trotz starken Kostendrucks versuche man weiterhin, attraktive Angebote für Familien, Senioren und auch für Menschen mit schmalem Geldbeutel zu bieten, versicherte Tanja Brückel. „Dafür sind wir Mütterzentrum, MGH und Verein. Was die Stadt da macht, kann ich nicht sagen…“

Die Stadt Kamen selbst „macht“ nichts, wohl aber ihre 100%ge Gesellschafterin, die Stadthallen-GmbH. Diese betreibt das Lokal in der Stadthalle seit fünf Monaten selbst, nachdem 3 Jahre lang kein neuer Pächter für die Gastronomie gefunden wurde. Daran erinnert Stadtsprecher Peter Büttner in einer Stellungnahme auf eine Rundblick-Anfrage zum Thema.

Aus Tanja Brückels Sicht tritt diese städtische Restauration ganz offensichtlich in Konkurrenz zu anderen Gastronomen und Organisationen in Kamen. „Ob das der richtige Weg ist?“ zweifelt sie: Es hätten schließlich Anfangsinvestitionen getätigt werden müssen. Wer habe z. b. die aufwändige Renovierung und zum Teil Neueinrichtung gezahlt? Die Stadthallen-GmBH aus ihren erwirtschafteten Rücklagen?

„Die Küche dort ist so teuer wie ein ganzes Einfamilienhaus – 200.000 Euro“, kritisiert Tanja Brückel. „Und das Essen wird trotzdem täglich von der Firma Stolzenhoff aus Lünen geliefert.“

Ein Mittagessen schon ab 5,80 Euro – „das haben wir als gemeinnütziger Verein nicht geschafft! Obwohl wir den Menschen gerne ein so kostengünstiges Mittagessen angeboten hätten. Wenn man aber 19% MWST abzieht, dann bleiben lediglich 4,69 €, um Energiekosten, Mietkosten und den Wareneinkauf zu finanzieren“, rechnet Brückel vor. „Da man darüber hinaus auch noch jemanden haben muss, der Tische eindeckt, Getränke serviert und das Geschirr spült, müssen zusätzlich hiervon auch noch Gehälter gezahlt werden.“

Das Lokal „Lokaltermin“ als Kantine mit subventioniertem Mittagstisch für die städtischen Mitarbeiter – „finde ich super“, betont sie, „das hätte ich als Arbeitgeber auch gemacht. Alles Weitere scheint wenig durchdacht zu sein. Schade!“

Stellungnahme der Stadt Kamen (abgestimmt mit der Kamener Stadthallengesellschaft):

„Die Stadt Kamen hat zum Betrieb der Stadthalle vor 25 Jahren eine Gesellschaft mbH, die KBG, gegründet. Die KBG betreibt somit die Stadthalle und das sich in der Stadthalle befindliche Restaurant.

Aus der Tatsache, dass hier eine eigenständig wirkende Gesellschaft tätig ist, wird offenkundig, dass keine Aussagen zu Kalkulationen der Gesellschaft möglich sind. Kalkulationsgrundlagen zu analysieren und zu definieren obliegt ausschließlich der Geschäftsführung, die sich hinsichtlich dieser Kalkulationen ausschließlich der Gesellschafterversammlung gegenüber zu erklären hat.

Bei der Stadthalle handelt es sich um ein Gebäude der Stadt Kamen, das an die KBG verpachtet wurde. Da die Stadt Kamen Eigentümerin des Gebäudes ist, ist sie auch für den ordnungsgemäßen Zustand des Pachtgegenstandes zuständig, dazu gehört auch eine Küche.

Ohne diese Küche ist ein normaler Betrieb der Stadthalle nicht möglich. Abendveranstaltungen und Feiern mit Gastronomie könnten so nicht angeboten und durchgeführt werden. Insofern war es unabdingbarer Vertragsbestandteil, die nach 25-jährigem Betrieb sanierungsbedürftige Küche wieder in einen nutzbaren Zustand zu bringen.

Ein Restaurant wird im Gebäude der Stadthalle seit Eröffnung im Jahr 1993 betrieben. Es ist als Teil der Stadthalle aufgrund der erheblichen Synergieeffekte als Nebenbetrieb eng verbunden. Für die Speisewirtschaft mit Vollküche und Alkoholausschank  liegt auch die erforderliche Konzessionierung vor.

Jahrelang war ein Dritter Pächter des Restaurants. Vor etwa drei Jahren mussten Restaurant und die Küche geschlossen werden.

Trotz erheblicher Sanierung konnte nach dreijährigem Leerstand kein neuer Pächter gefunden werden. Daher betreibt die KBG nunmehr auch aus Gründen der Akquise das Restaurant, um mit dieser Werbung Interessenten für den Restaurantbetrieb zu finden. Falls es Konkurrenz gegeben haben sollte, hat es diese Konkurrenz seit 25 Jahren gegeben.

Konkurrenz in der unmittelbaren Nachbarschaft liegt allerdings nicht vor, da in der Nachbarschaft ansässige Betriebe eine abweichende Geschäftsidee und -grundlage haben. Die Küche wird auch nicht primär für den Mittagstisch vorgehalten, sondern wird für den Betrieb der Stadthalle bzw. der dort stattfindenden Veranstaltungen wie Tagungen, Familienfeiern, Messen etc. dringend benötigt.

Heißt, die Küche musste auf jeden Fall saniert werden.

Dies alles ist nicht unbekannt und neu und wurde in der Vergangenheit sowohl im Rat als auch in der Öffentlichkeit breit diskutiert.

Auch bei der Errichtung und Einrichtung des Gebäudes, welches der Familienbande pachtfrei zur Verfügung gestellt wird, ist die Stadt Kamen entsprechend vorgegangen. Allerdings wurde für die Familienbande kein Restaurantbetrieb, sondern ein Café eingerichtet.

Zu Preisen, Kalkulationen, die die Familienbande für ihre Preisfindung ansetzt, fehlen mir die unbedingt notwendigen Hintergrundinformationen, ohne die man Preise Dritter nicht seriös analysieren kann. Festzustellen war in den vergangenen Jahren allerdings, dass das Preisniveau zwischen dem Mittagstisch im Café der Familienbande und dem Restaurant in der Stadthalle, auch unter den vormaligen Pächtern, nah beieinander lag.

Zwischenzeitlich wird das Restaurant, wie in der Vergangenheit auch, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umliegender Behörden und Betriebe besucht. Ein subventionierter Mittagstisch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses kann bei diesen Hintergründen nicht vorliegen.“

  • Wörtliche Stellungnahme von Stadtsprecher Peter Büttner.
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