Eisenpoller-Attacke bei Procar Unna, Steinwurf auf städtischen Pkw in Fröndenberg… – gewalttätiger Asylbewerber nun angeklagt

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Das Amtsgericht Unna. (Rundblick-Foto)
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Er stürzte sich mit einem Eisenpoller auf Mitarbeiter des BMW-Autohauses Procar in Unna, zerschmetterte mit einem gewaltigen Stein einen Dienstwagen der Stadt Fröndenberg direkt vor dem Rathaus. Für diese und zahlreiche weitere Straftaten, die er sich in den Monaten zuvor aufs Konto geladen hatte, wanderte ein intensiv auffälliger Asylbewerber aus Fröndenberg am 13. August 2018 in Untersuchungshaft.

Am 5. Februar 2019, knapp ein halbes Jahr später, erhob die Dortmunder Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen den Afrikaner, der bis zu seiner Verhaftung in einer Unterkunft in Fröndenberg untergebracht war und vom dortigen Flüchtlingspatenkreis betreut wurde. Dort nannte bzw. nennt man ihn „Adi“.

Angeklagt ist der abgelehnte Asylbewerber, dessen zwei Identitäten ihn wahlweise als Mitt- und Endzwanziger ausweisen, wegen des Angriffs bei Procar, der Dienstwagenattacke in Fröndenberg sowie weiterer vorgeworfener Straftaten vom 7. Mai bis 12. August 2018. Sein Strafregister ist ellenlang, weist noch zahlreiche weitere Taten in dem Monaten zuvor auf.

Diese büßt der Mann von der Elfenbeinküste aktuell in „Ersatzfreiheitstrafen“ ab, für die die Untersuchungshaft mehrfach unterbrochen wurde, erklärte uns am Freitag auf Nachfrage Staatsanwaltsprecher Henner Kruse.

Heißt also: Der Afrikaner ist zwar seit 7 Monaten faktisch eingesperrt, sitzt aber nicht seit 7 Monaten ununterbrochen in Untersuchungshaft – das ginge so einfach nicht, so der Staatsanwaltsprecher: „Binnen 6 Monaten nach Antritt der U-Haft muss die Hauptverhandlung beginnen, sonst müssen für eine Verlängerung plausible Gründe geltend gemacht werden.“

Durch die  Unterbrechung der U-Haft mittels Ersatzfreiheitstrafe konnte die Staatsanwaltschaft diese Klippe sozusagen umschiffen. Wie der Name sagt, dient die „Ersatz“-Freiheitstrafe als Ersatz für eine Geldstrafe, wenn der Verurteilte nicht zahlen kann.

Staatsanwaltssprecher Henner Kruse. (Foto RB)

Die Verhandlung gegen den Ivoren wird am Amtsgericht Unna geführt und muss aufgrund der Fristen vor dem 24. Juni 2019 erfolgen, sagt Kruse.

Thema Ausweisung:

Der Asylantrag des Afrikaners wurde abgelehnt. Für eine Ausweisung aufgrund seiner kriminellen Karrieret wäre – sofern die Identität denn schlussendlich geklärt ist –  eine Freiheitstrafe ohne Bewährung erforderlich, erläutert Kruse.

Die Hälfte dieser Strafe würde er in Deutschland verbüßen, anschließend erfolgte die Ausweisung in sein Heimatland. Zuständig ist für Ausweisungsverfügung die Ausländerbehörde des Kreises Unna, die für Ende des Jahres eigentlich eine Sammelanhörung mit den Botschaftern der Elfenbeinküste anberaumt hatte. Zu dieser kam es jedoch nicht.

Polizeiwache Unna am Nordring/Untere Husemannstraße. (Foto Rundblick)

Ansammlung von Straftaten ohne Handhabe der Polizei

Ute Hellmann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Unna, listete uns am Nachmittag der Inhaftierung des Asylbewerbers am 13. August 2018 die Ansammlung von Straftaten auf, die sich der junge Mann allein seit Frühsommer in der näheren und weiteren Fröndenberger Umgebung aufs Kerbholz geladen hatte.

Bei der Unnaer Polizei sattsam bekannt, wurde er dort zunächst als „23-jähriger Guineer“ geführt. Mit seinen Aliaspersonalien war bzw. ist er 28 Jahre und von der Elfenbeinküste, also Ivore.

Diese letztere Identität ist offenbar seine richtige, dies hatte/hat die Ausländerbehörde des Kreises schlussendlich zu prüfen.

Die Polizeisprecherin beschrieb im Gespräch mit unserer Redaktion die mangelnde rechtliche Handhabe für die Polizei in solchen Fällen. Sie könne noch so oft gerufen werden und kann einen notorischen Wiederholungstäter noch so oft kurzzeitig in Gewahrsam nehmen: Über Haftgründe entscheidet allein der jeweils zuständige Haftrichter.

Daher entwickelt sich ein Fall wie dieser für die Polizei oft zur Sisyphusarbeit.

Was allein im Mai 2018 bei „Adi“ aktenkundig wurde:

  • Am 12. des Monats randaliert er in Unna, beschädigt einen Zug.
  • Für denselben Tag notiert: „Widerstand und Bedrohung in Menden“ – der Afrikaner rastet im Bordell an der Fröndenberger Straße aus und drohte mit einer abgebrochenen Glasflasche. 
  • Zwei Tage später wird er bei einem Diebstahl in Bönen erwischt, widersetzt sich aggressiv seiner Festnahme und leistet erheblichen Widerstand.
  • Mitte Mai randaliert er in seiner Unterkunft in der Fröndenberger Stadtmitte. Seine Aggressionen richten sich nicht nur gegen das Mobiliar, sondern auch gegen seine dortigen Mitbewohner: Er begeht Körperverletzung. Die Stadt Fröndenberg verlegt ihn daraufhin in eine Unterkunft außerhalb der Stadtmitte.
  • Das hindert den kräftigen Mann nicht an weiteren Gewalttaten in der Innenstadt: So kreuzt er am 20. Mai mit einem „schwertähnlichen Gegenstand“ am Fröndenberger Bahnhofscafé auf. Das „Schwert“ entpuppt sich als Gardinenstange, oben spitz zulaufend und durchaus gefährlich.

So lief es den Sommer über weiter, und keine Handhabe gab es für die Polizei, den gewalttätigen Dauerkunden zumindest mittelfristig aus dem Verkehr zu ziehen.

Bis die Situation Ende Juli eskalierte:

Das Fröndenberger Rathaus an der Bahnhofstraße. (Archivbild RB)
  • Am Abend des 31. Juli demoliert der Ivore einen Dienstwagen der Stadt Fröndenberg mit einem enormen Stein – von dieser Attacke wird ein privates Video gedreht und liegt auch der Polizei vor. Es verbreitet sich rasend schnell im Internet.
  • Und einen Tag später beginnt der – vermutlich – 28-Jährige dann mit seiner Belagerung des BMW-Autohauses Procar in Unna, wo er zum Höhepunkt am vorletzten Freitag vier Mitarbeiter mit einem schweren Eisenpoller angreift.
Das BMW-Autohaus Procar in Unna, Hansastraße. (Archivbild RBU)

Nach dieser Attacke nahm die Polizei Kontakt mit dem Ordnungsamt der Stadt Unna auf.

Das gemeinsame Ziel:  Einweisung nach PsychKG – eine sofortige Unterbringung in eine Fachklinik, die jedoch an strenge Voraussetzungen gebunden ist. In Absatz 2 des Gesetzes heißt es:

“ (2) Nimmt die örtliche Ordnungsbehörde eine sofortige Unterbringung vor, ist sie verpflichtet, unverzüglich beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Unterbringung zu stellen. In diesem Antrag ist darzulegen, warum andere Hilfsmaßnahmen nicht ausreichten und eine gerichtliche Entscheidung nicht möglich war. Ist die Unterbringung und deren sofortige Wirksamkeit nicht bis zum Ablauf des auf den Beginn der sofortigen Unterbringung folgenden Tages durch das Gericht angeordnet, so sind die Betroffenen von der ärztlichen Leitung des Krankenhauses, bei selbstständigen Abteilungen von der fachlich unabhängigen ärztlichen Leitung der Abteilung (ärztliche Leitung), zu entlassen.“

Die LWL-Klinik in Dortmund-Aplerbeck, in die der Afrikaner gebracht wurde, sah augenscheinlich (Auskünfte unterliegen dem Datenschutz) keine Grundlage, ihn länger dazubehalten. Im Übrigen gebärdete er sich laut Polizei auch in der Klinik bereits wieder hochaggressiv.

Im Ergebnis war er bereits wenige Tage später wieder draußen. 

Anzeigen lagen reichlich vor, auch ohne die dann vorerst letzte Aktion an der Alleestraße in Fröndenberg – Geschäftseinbruch mit einem Steinwurf am hellen Sonntagmittag, 12. August.

Zur Motivation für seine gewalttätigen Übergriffe sagte der Asylbewerber seinerzeit gegenüber der Polizei: Er wolle zurück nach Afrika. Und er wolle vorher sein Geld.

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