Tempo 30-„Umgebungslärmrichtlinie“ gilt auch für Fluglärm – EU prüft Umsetzung nicht nach

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Flugzeug über Tempo 30-Zone / Foto/Bearbeitung: Rundblick Unna
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„Richtlinie 2002/49/EG1 des europäischen Parlaments (Umgebungslärmrichtlinie)“ – auf diesem Statut beruht die hochumstrittene Tempo 30-Anordnung der Stadt Unna auf bislang vier Unnaer Hauptstraßen:

auf Teilen der Iserlohner Straße, der Kleistraße und des Massener Hellwegs und der kompletten Friedrich-Ebert-Straße.

Die Kleistraße in Massen liegt mitten in der Einflugschneise des Dortmunder Flughafens – weshalb hier das „Lärm mindernde“ Tempolimit direkt unterhalb dröhnender Flieger auf besonderen Hohn stößt. Ob denn die Flugzeuge auch nur noch 30 km/h fliegen dürften?

Tatsächlich gilt die „Umgebungsrichtlinie“, Kuriosum am Rande, auch für Fluglärm.

Üppig ist die Kleistraße in Massen seit dem 20. März mit Tempo 30-Schildern gesäumt. (Foto: Sabine Neuhaus)

Mit der „Richtlinie 2002/49/EG1“ habe die Europäische Gemeinschaft „ein gemeinsames Konzept zur Bewertung und Bekämpfung des Umgebungslärms erarbeitet“, schreibt die Stadt Unna selbst zu dieser EU-Norm.

„Als Ziel ist dort Verhinderung, Minderung und Lärmvorbeugung des Umgebungslärms festgeschrieben. …. Unter Umgebungslärm sind unerwünschte oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien zu verstehen, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden. Dazu gehört der Lärm, der von Verkehrsmitteln, Straßenverkehr, Eisenbahnverkehr, Flugverkehr sowie Geländen für industrielle Tätigkeiten ausgeht….“

Wesentliche Aufgabe der Kommunen gemäß Umgebungslärmrichtlinie sei die „Ermittlung der Belastungen durch strategische Lärmkarten und die Verminderung und Vermeidung von Lärm durch Lärmaktionspläne„.

Den von einem Gutachter erstellte Lärmaktionsplan wurde der Unnaer Politik im Februar 2017 als Vorschlag zur Umsetzung der Richtlinie vorgestellt. Unter anderem sah er  Tempo 30 vor (wo überall und welche Maßnahmen anderswo, ist HIER nachzulesen).

Überprüfung, ob die Richtlinie umgesetzt wird: findet nicht statt .

Auf die Frage des sachkundigen Bürgers der FDP Sven Albert, wie die EU die Umsetzung der Richtlinie nachprüfe, erwiderte der Bereichsleiter Bauleitplanung, von Hofen: nach seiner Kenntnis gar nicht.

Die Verwaltung habe lediglich einen Bericht über die Lärmaktionsplanung und die vorgeschlagenen Lärmminderungsmaßnahmen abzugeben. Dies erfolge in einem formalisierten Verfahren über das Internet. 

Ebenso wenig wird nachgeprüft, ob durch die Tempo 30-Beschilderung der Verkehrslärm zurückgegangen ist. Es werde lediglich „berechnet“, teilte die Stadt Unna auf unsere Nachfrage hin mit.

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5 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank an die Redaktion und den Link zur der Ratsinformation der offensichtlich zu der bescheuerten Maßnahme der Tempo 30 Reduzierung geführt hat. Ich möchte nicht missverstanden werden, selbst halte ich Tempo 30 in den Dörfern oder Schrittgeschwindigkeit wie in Fußgängerpassagen, an Schulen und Altenheimen für angebracht. Persönlich treffen mich diese Bereiche auch nicht. Mit dem PKW fahre ich sie selten, mit dem Rad ist es nervig aber auch lustig an den PKW vorbei zu radeln. Aber allein dass der Rat auf Grund eines einzigen Gutachters eine Entscheidung trifft zeigt doch einmal mehr die Unfähigkeit und Inkompetenz dieses Rates. Dass es andere Gutachten gibt die eine Entscheidungsfindung zu einer Lärmreduzierung und für den Bürger tragbaren Entscheidung beiträgt werden ignoriert.
    In diesem Zusammenhang kopiere ich nochmals Teile meines damaligen Kommentars “ Ein weiterer Beweis unfähiger Sozenpolitik mit Unterstützung der Grünen. Lärmreduzierung durch Geschwindigkeitsabsenkung kann eine Möglichkeit sein. Studien belegen aber dass das erst ab Geschwindigkeiten oberhalb von 50km/h möglich und wirklich mess- und hörbar sind. Alles andere ist Makulatur und erfüllt somit nicht die geforderte Lärmreduzierung.
    Nach einer Studie der M+P Consulting Engineers6 für das niederländische Umweltministerium ergibt sich demnach keine substanzielle Lärmreduktion bei Tempo 30 gegenüber Tempo 50 .Zitat Ende.

    Es ist schon erstaunlich dass alle sich momentan auf das Auto einschießen und andere Lärmquellen wie der Flugverkehr außer Acht gelassen wird, da man ihn ja offensichtlich selbst gern zum persönlichen Wohlergehen in Anspruch nimmt. Andere Lärmquellen wie der Bahnverkehr, der ohne Weiteres ebenfalls deutlich reduziert werden könnte durch Moderne Züge oder zumindest Schleifkorrekturen an den Rädern finden ebenfalls keine Beachtung, die Bahn ist eh pleite. Aber für die Grünen ist es eben im Moment das Auto, über den Tellerrand hinwegsehen haben sie noch nie gelernt und noch nie gekonnt.. Schade nur dass mittlerweile fast ein fünftel der Wähler diesen Irrsinn mittragen.

  2. Das ist eine lächerliche Richtlinie und schön blöd von der Stadt Unna diese auch noch umzusetzen.

    „Unter Umgebungslärm sind unerwünschte oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien zu verstehen, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden“
    Jetzt kann ich endlich dem rasenmähenden Nachbarn eins auswischen, sofern ich das Rasen mähen vor landenen Flugzeugen, hupenden KFZ und kreischenden Kindern sowie den bohrenden und sägenden neuen Mieter und dem beim Sex schreienden Paar über mir, noch höre;)))

  3. Ich frage mich auch, warum nur ein Teil der Unnaer Bürger gegen Lärm
    geschützt werden sollen? Warum nicht alle Bürger?
    Warum nicht ein komplettes Tempo 30 Gebot in GANZ Unna?
    Nicht das ich ein Befürworter der Tempo 30 Gängelung wäre,
    aber das alles scheint doch wohl nicht richtig bedacht zu sein,
    vor allem angesichts des Fluglärmes in Massen.