Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt? Linke kritisiert „Schönfärberei“ – „Reale Arbeitslosigkeit stagniert!“

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Agentur für Arbeit / Symbolbild Pixabay
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Auch im Monat April wieder Schönfärberei vom Feinsten, schimpft die Linke. Sie meint die Arbeitslosenstatistik. Auch die Arbeitsagentur Unna vermeldet „Frühjahrsbelebung“ und kreisweit über 900 weniger Arbeitslose als im Vormonat.

Augenwischerei, kritisiert die Linkspartei, hier der Landesverband NRW.

„Während die offizielle Arbeitsmarktpolitik nach wie vor die tatsächliche Arbeitslosigkeit mit geschönten Zahlen kleinrechnet, stagniert die reale Arbeitslosenzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Denn mit 879.355 arbeitslosen Menschen liegen die realen Arbeitslosenzahlen um 252.025 Personen und damit um 40% (!) über den offiziellen Zahlen von 627.330 Arbeitslosen.

Diese monatliche Schönfärberei gelingt dadurch, indem alle Arbeitslosen, die kurzfristigen Trainingsmaßnahmen oder untauglichen sog. Arbeitsgelegenheiten zugewiesen werden, die als Alleinerziehende keinen passenden Arbeitsplatz finden oder aber als über 58-jährige bereits aus der Arbeitsvermittlung herausgenommen werden, von der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht mehr erfasst werden.

Diese Schönfärberei findet ihre Fortsetzung in der Behauptung, die Arbeítsagenturen würden bereits seit längerer Zeit durch ‚gezielte Weiterbildung‘ in diejenigen Menschen investieren, ‚denen es schwerer falle, aus der Arbeitslosigkeit wieder zurück in Arbeit zu finden.‘ Bei offiziell registrierten 246.994 Langzeitarbeitslosen (die realen Zahlen liegen über 300.000 ) werden von dem als ‚Meilenstein“ von NRW-Arbeitsministerin Laumann hochgelobten Programm ‚Teilhabe am Arbeitsmarkt‘ gerade einmal ca. 3.550 erfasst, was nicht viel mehr ist, als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

In der harten Alltagswirklichkeit leben in NRW 1.138.208 erwerbsfähige Leistungsberechtigte (Stand April 2019) von Hartz IV, während ca. 40% bereits länger als vier Jahre im Leistungsbezug sind. Diese Menschen sind von der herrschenden Politik weitestgehend abgeschrieben.

Wenn Arbeitsmarktpolitik tatsächlich das Krebsgeschwür der Langzeitarbeitslosigkeit wirksam bekämpfen will, dann muss sie in ganz anderen Dimensionen in Weiterbildung und Beschäftigung investieren, als es Bundes- und Landesregierung aktuell tun. Deshalb ist ein politischer Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik nach wie vor überfällig.“

PM: DIE LINKE NRW

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3 KOMMENTARE

  1. Wieso wundert es mich nicht, dass die Linke mal wieder mit Weltuntergangsstimmung hausieren geht und danach ruft, das Staat und Gesellschaft die Vollversorgung übernehmen. Wie wäre es mal mit einem bisschen Eigeninitiative.
    Bei der jetzigen Arbeitsmarktlage sollte es doch auch für weniger Qualifizierte eine Möglichkeit geben selbst etwas zu finden und sich nicht nur auf die Angebote des Jobcenters zu verlassen. Mein Arbeitgeber findet für manche Stelle keinen passenden Bewerber und wenn doch, dann muss man sich innerhalb der Probezeit wieder von dem Arbeitnehmer verabschieden, weil gewisse Grundvoraussetzungen (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit) gar nicht oder nur rudimentär vorhanden sind.
    Was die Weiterbildungsfähigkeit bei so manchen angeht, habe ich auch so meine Zweifel. Man sollte nicht alle über einen Kamm scheren, aber bei einigen Zeitgenossen habe ich den Eindruck gewonnen, man hat sich mit dem Hartz IV-System angefreundet und seine Nische gefunden.

    • Auf diesen Kommentar antwortet ein Leser auf Facebook:

      Jörg Hoell:

      das ist neoliberales Geschwätz. Seit 2011 lebt jeder Hartz-IV-Bezieher rund 150 Euro unterhalb des damals errechneten Existenzminimums. Der Bundesrechnungshof hat schon die Berechnung der Arbeitslosen-Zahlen kritisiert. In diesem Monat gibt es einen Unterschied von über 900.000 Arbeitslosen. Apropos Qualifikation- Jobcenter haben im letzten Jahr 1Milliarde Euro aus dem Topf für Fortbildung von Langzeit-Arbeitslosen für die Verwaltung der Jobcenter entnommen, in diesem Jahr werden es 1,7 Milliarden Euro sein.

      • Mein Kommentar hat nichts mit „neoliberalem Geschwätz“ zu tun, sondern mit der täglich erlebten betrieblichen Wirklichkeit. Möglicherweise werden Sie mich jetzt als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennen, aber ich habe den Eindruck es hat in den letzten Jahrzehnten einen Mentalitätswechsel stattgefunden. So eine Art der Berieselungsmentalität mit Vollversorgung, bloß keine Eigeninitiative. John F. Kennedys Satz: „Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern frage was du für dein Land tun kannst.“ sollte sich der eine oder andere zu eigen machen.
        Was die Zweckentfremdung von Geldern innerhalb der Jobcenter Verwaltung angeht, da kann ich nichts zu sagen, das wäre aber ein Fall für die zuständigen Aufsichtsbehörden wie zum Beispiel den Bundesrechnungshof.
        Viel Geld in eine Maßnahme reinzustecken, sagt noch lange nichts zu deren Qualität.