Bürgermeisterkandidat der Unnaer CDU: MIT-Chef Murmann unternimmt überraschenden Vorstoß

0
598
Frank Murmann, Vorsitzender der MIT Kreis Unna. (Bild: Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung im Kreis Unna)
Facebookrss

In die K-Frage von Unnas C-Partei kommt ein halbes Jahr vor der (vom Vorsitzenden  avisierten) Bewerberkür Bewegung. Frank Murmann, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), warb bei der jüngsten Mitgliederversammlung in einem eindringlichen Appell um eine ergebnisoffene Bewerbersuche ohne Vorab-Festlegung – und brachte sich indirekt selbst ins Spiel.

Als offenes Geheimnis gilt spätestens seit der Wahl des Bürgermeister-Vertreters am 8. April im Rat, dass der Parteivorstand sich bereits auf seinen Wunschbewerber festgelegt hat: auf den neuen städtischen Beigeordneten Dirk Wigant.

Der frühere Kreisdezernent und CDU-Mann wechselte im März auf den Beigeordnetenposten im Rathaus und wurde von der CDU als erster ständiger Vertreter des Bürgermeisters durchgesetzt.

Denn Werner Kolter hatte für dieses Amt eigentlich Kerstin Heidler (SPD) vorgesehen. In der von der CDU beantragten geheimen Abstimmung fiel der Verwaltungsvorschlag jedoch überraschend klar durch.

Die zweite Abstimmung mit Wigant als Erstem Vertreter fand hingegen deutliche Mehrheiten auch über die CDU hinaus.

Daran erinnerte gegenüber unserer Redaktion auch Parteichef Gerhard Meyer, ohne zur möglichen Personalie Wigant konkret Stellung zu nehmen.

CDU-Parteichef Gerhard Meyer

Meyer sagte uns jedoch in einem Telefonat am Freitag, dass es nach diesem Bürgermeistervertreter-Coup der CDU wohl „nachvollziehbar“ sei, wenn seither der durchgesetzte CDU-Mann auch als Wunschkandidat fürs höchste Verwaltungsamt gehandelt werde.

„Das werden wir aber im Herbst entscheiden“, legt Meyer die Marschroute fest. Sie soll so aussehen wie bei der letzten Bürgermeisterwahl, wo es darum ging, ob die CDU einen Bewerber nominiert oder nicht (sie tat es am Ende nicht, Werner Kolter trat außer Konkurrenz zu seiner dritten Amtszeit an):

  • Ein Bewerberfindungsgremium aus Ortsunionsvorsitzenden, Partei- und Fraktionschef werde sich auf Suche begeben, skizziert Gerhard Meyer das Vorgehen.
  • Im Herbst werde diese Kommission dann den Mitgliedern einen aus ihrer Sicht geeigneten Kandidaten/Kandidatin vorschlagen, der/die sich danach der Abstimmung stellen werde.
  • Ausdrücklich sagte uns Meyer, dass die Auswahlkommission nur einen Vorschlag machen wird.
  • Es stehe gleichwohl jedem Mitglied frei, alternative Kandidaten vorzuschlagen oder sich auch selbst zu nominieren: „Wer möchte, kann auch noch in der Mitgliederversammlung selbst noch aufstehen und seinen Hut in den Ring werfen“, unterstreicht Meyer.

Er selbst wurde auf der letzten Mitgliederversammlung Mitte April mit überzeugenden 94 Prozent als Stadtverbandsvorsitzender bestätigt. Ganz am Ende dieses Wahlmarathons meldete sich unter „Verschiedenes“ der Vorsitzende der Kreis-Mittelstandsvereinigung (MIT), Frank Murmann aus Königsborn: Er wollte einen nachhaltigen Appell zur Bürgermeisterkandidatenfrage loswerden und ließ die Versammlung mit seinem Statement aufhorchen.

Auf seinen Überraschungsvorstoß von unserer Redaktion angesprochen, sagte uns Murmann am Freitag, dass es ihm an einer offenen Bewerbersuche gelegen sei.

„Ich habe in der Mitgliederversammlung kundgetan, welche Voraussetzungen ein Kandidat aus meiner Sicht mitbringen müsste. Er oder sie sollte gut vernetzt sein, politikerfahren, verortet in der Gesellschaft, wählbar auch für Nichtmitglieder der CDU…“

Ob das nach seiner Meinung auf ihn selbst zutreffe, ließ der 59-Jährige offen. Sich selbst vorschlagen werde er sowieso nicht, es sei Usus, dann Kandidaten von anderen Mitgliedern vorgeschlagen würden.

Frank Murmann unterstrich letztlich, woran es ihm gelegen sei:

„Die Frage ist: Focussiere ich mich auf einen Kandidaten, der vermutlich aufgrund seiner Ausbildung das Bürgermeisteramt gut ausfüllen wird? Oder gebe ich mir als Partei den Spielraum einer ergebnisoffenen Bewerbersuche?“

Gewählt werden die Kommunalparlamente und Bürgermeister in NRW im Herbst 2020.

 

 

Facebookrss