Erstmals Tuchfühlung auf Unnas Markt: „Seltsame Begegnungen“ zwischen CDU und AfD

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Höfliches, kurzes Gespräch, an dessen Ende man sich ausdrücklich keinen gegenseitigen Wahlerfolg wünschte: CDU-Fraktionschef Rudolf Fröhlich und AfD Kreisverbandssprecher Michael Schild.
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„Seltsame Begegnungen mit der CDU“ notierte der AfD-Kreisverbandssprecher, während Unnas  CDU-Chef seinerseits in herzlicher Abneigung das Fazit zog: „Geht gar nicht. Rotzfreches Auftreten von denen!“ Man war sich nicht wirklich grün beim ersten Zusammentreffen am Wahlkampfsamstag auf dem Alten Markt.

Neben die orange-weißen Schirmchen der CDU hatte am Samstag vor Muttertag (11. Mai) erstmals die „Alternative“ ihren blauen Infostand gepflanzt. Beide Parteien warben um des Wählers Gunst bei der nahenden Europawahl, die CDU briet dazu Würstchen und verschenkte  Muttertagsrosen.

Die Polizei, die am Markt Präsenz zeigte, sei nicht von der CDU gerufen worden, betonte Parteichef Gerhard Meyer gegenüber unserer Redaktion. „Ich denke mal, die waren vorsorglich da, damit nichts passiert.“ Bei Auftritten der AfD sei es ja schon häufiger zu Unruhen durch Gegner der Partei gekommen. Polizeisprecherin Vera Howanietz schrieb uns, die Kollegen hätten sich im Rahmen des regulären Streifendienstes dort aufgehalten.

Die einige Stunden währende Zwangsvergesellschaftung selbst nahmen die Parteien ziemlich unterschiedlich wahr, dieser Eindruck bleibt jedenfalls in den jeweiligen Resumees zurück:

AfD-Kreissprecher Michael Schild hält fest:

„Seltsame Begegnungen… Eine alte CDU-Dame ‚informierte‘ sogar die Polizei, weil wir angeblich ‚ihre‘ Wähler auf unzulässige Weise angesprochen hätten. Ulkig! Eine andere alte CDU-Dame wollte einem JUler verbieten, mit uns zu sprechen. Nicht mehr ulkig!
Mit dem bekannten CDU-Politiker aus Unna, Rudolf Fröhlich, konnte ich ein paar Worte wechseln. Wir haben uns zwar gegenseitig ausdrücklich KEINEN Erfolg gewünscht, aber einen angenehmen Tag.
Mit einem freundlichen JUler haben wir intensiv diskutiert, auch wenn wir nur am Rande Übereinstimmung fanden. Er fand den Mut, sich über der ‚Maulkorberlass‘ der alten CDU-Dame hinwegzusetzen. Respekt!
Höflichkeit und Diskussionsfreude unter Parteien sollten das Selbstverständlichkeiten sein, oder?“

CDU-Parteichef Gerhard Meyer

Na! Gerade an Letzerem, an Höflichkeit und Respekt, hätte es ja wohl die AfD als Allererste selbst fehlen lassen, kontert CDU-Chef Meyer.

„Deren Vertreter waren von Anfang an auf Provokation aus. Die Muttertagsrosenaktion wurde hämisch laut kommentiert mit: ,Ach, die alten CDU-Frauen verteilen Rosen.´Eine Unverschämtheit.“ Gekontert wurde von der CDU mit „Wir HABEN jedenfalls Frauen!“ Damit ergab ein Wort das andere bzw. gar keins mehr, zumindest Meyer war nach diesem Auftritt gänzlich die Lust an Gesprächen mit den blauen Mitbewerbern vergangen.

„Gleich ein so provokanter und unverschämter Einstieg, wenn man sich das erste Mal öffentlich in Unna präsentiert. Nein, besten Dank. Das war und wird nie unser Stil in Unna!“ Nüchtern progonostizierte Meyer: „Man bekommt einen Vorgeschmack von dem Gesprächsstil, der nach der Kommunalwahl vermutlich auch im Unnaer Rat Einzug hält. Sehr unangenehm.“

Gesprächs“Verbote“ aber, gar ein Maulkorberlass? Unsinn, wischt der CDU-Vorsitzende diese Behauptung vom Tisch, „das gab es nicht und gibt es nicht. Ein Mitglied der Jungen Union hat sich ja auch längere Zeit mit Herrn Schild unterhalten.“ Worüber, das wisse er nicht. Das habe ihn auch nichts anzugehen.

Die Junge Union bekannte am Samstag in Unna offensiv Farbe für Europa. (Foto JU Unna)
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