Ev. Pfarrer entfernt AfD-Plakat(e) und verhängt Kirchenverbot: Fragen und Antworten zu einem heftigen Streit

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Statue des Reformators Martin Luther, Symbolbild / Quelle Pixabay
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„Evangelischer Geistlicher reißt AfD-Plakate ab!“ Dieser Vorgang im Kirchenkreis Minden-Lübbeke schlägt seit drei Tagen immer höhere Wogen im Netz. Auch der Spiegel griff die Causa auf, der Evangelische Pressedienst (epd) reagierte ebenfalls.

  • Was war passiert?

Kurz gesagt beklagte die AfD im Landkreis Minden-Lübbeke ähnlich wie unlängst auch bei uns im Kreis oder in Hamm umfangreichen Plakatvandalismus. Im Verlauf des Montags (13.5.) seien binnen weniger Stunden Dutzende AfD-Wahlplakate gestohlen oder zerstört worden, beklagte die örtliche AfD. So weit leider nichts Besonderes – hätte nicht ein Wahlkampfteam der AfD noch am selben Abend einen Täter auf frischer Tat erwischt.

Der Mann war gerade dabei, ein hochhängendes Plakat von einer städtischen Laterne zu entfernen, mittels einer mitgebrachten Leiter. Der Mann ist Pfarrer einer evangelischen Gemeinde in Minden, das Plakat hing vor seiner Kirche.

Der Pfarrer mit seiner Leiter nach dem Abhängen des AfD-Plakates. (Fotorechte AfD NRW)

Wie viele Plakate der Geistliche entfernt hat, wo und warum, lässt sich schlussendlich für unsere Redaktion nicht verifizieren. Zu sehr driften die jeweiligen Aussagen auseinander.

  • Was sagt die AfD?

Der AfD-Sprecher von Minden-Lübbeke, selbst Zeuge der „Leiterszene“, unterstrich via Facebook (seit gestern auch per Video), dass der Pfarrer sich freimütig zu seiner Tat bekannt hätte: Man würde auch jedes weitere Wahlplakat der AfD entfernen und wolle beim Rat der Stadt Minden eine Bannmeile beantragen. Und – aus Sicht der Partei der eigentliche Skandal: Auf die Ankündigung des AfD-Teams, man werde Anzeige bei der Polizei erstatten, hätte der Geistliche dem Parteimitglied seiner Gemeinde Hausverbot in der Kirche angekündigt. Ihm und seiner gesamten Familie mitsamt Hund.

  • Was sagt der Pfarrer?

Der Geistliche betonte im Anschluss, er hätte ausschließlich Plakate im Bereich der Kirche abgehängt und auch keine zerstört oder gestohlen.  Ein Gespräch zwischen mit dem Superindenten und AfD-Vertretern hat ebenfalls stattgefunden, der Leiter des Kirchenkreises hätte darin betont, dass es gewiss nicht demokratische Auffassung der Kirche sei, Plakate zu zerstören/zu stehlen.

  • Wie wurde der Fall publik?

Durch AfD-Landessprecher Thomas Röckemann. Er brachte das Thema gleich am Dienstag landesweit in Umlauf: Man sei „von der Kirche und deren Würdenträgern bereits einiges gewohnt. Dass nun  kirchliche Würdenträger selbst Hand anlegen und in antidemokratischer, krimineller Antifa-Manier unsere Plakate abreißen, zeigt, dass die Hetzkampagne, die unter tatkräftiger Mitarbeit der Kirchen gegen die Alternative für Deutschland betrieben wird, auf fruchtbaren Boden gefallen ist“.

  • Was sagt der Kirchenkreis Unna zu einem solchen Fall, speziell zum angedrohten „Hausverbot?“

Unnas Kirchenkreissprecher Dietrich Schneider möchte den Fall Minden bewusst nicht kommentieren, gab uns aber folgende generellen Auskünfte:

„Letztlich ist die Kirchengemeinde Hausherr einer Kirche und kann, aus welchen Gründen auch immer, Menschen ein Hausverbot aussprechen. Somit auch der Vorsitzender des Presbyteriums.“ (Der Pfarrer, d. Red.)

Damit, fährt Schneider weiter aus, sei aber „keine Aussage getroffen über die Sinnhaftigkeit einer solchen Entscheidung“.

Ob Derartiges auch im Kirchenkreis Unna möglich wäre?

Dies sei sehr spekulativ, meint Dietrich Schneider.

„Hausverbote aussprechen ist möglich. Ich hoffe, dass die Gemeinden und Geistlichen hier wie überall mit so einem Schritt sehr verantwortungsvoll umgehen würden. Ich weiß von keinem Hausverbot in unseren Kirchen. Mögliche Szenarien für Hausverbote wären: Diebstahl, Vandalismus, Gewalt gegen Gebäude oder Mitarbeitende…. Aber uns ist ja bewusst, dass es eben nicht ein Gemeindehaus, sondern eine Kirche ist, die wir Gotteshaus nennen.

Kann ich da jemanden ausschließen? Und gleichzeitig von Vergebung dort reden? Oder muss ich die Menschen, die sich dort treffen, evtl. sogar schützen, weil jemand ein Verhalten hat, dass andere in der Ausübung ihrer Andacht etc. stört, verstört etc?

Eine ganz schwierige Angelegenheit, die sich nicht mit: Ja, das ist denkbar, oder Nein, undenkbar, beantworten lässt.“

  • Wie stellte sich die Westfälische Landeskirche zur Plakat-Causa?

Die Westfälische Landeskirche betonte in einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd) vom 15. Mai, dass „Wahlwerbung eine angemessene Entfernung zu kirchlichen Gebäuden haben solle“.  Das gelte für alle Parteien, auch für die AfD. Die Behauptung, der betreffende Pfarrer und seine Ehefrau hätten Plakate zerstört, weist der Mindener Superintendent in dem epd-Bericht „entschieden zurück“. Der Kirchenkreis suche das Gespräch mit dem AfD-Ortsverband. Die Polizei in Minden bestätigte Anzeige wegen Sachbeschädigung, bestätigte auch, dass Kabelbinder entfernt worden seien, doch beschädigt oder gestohlen worden sei das Plakat nicht. Das Pfarrerspaar erklärte der epd, „dass sie das Schild lediglich so drehen wollten, dass es nicht mehr auf ihr Grundstück rage“.

Weitere zerstörte Wahlplakate seien weder zu bestätigen noch auszuschließen, so die Polizei.

„Wir rufen zur Europawahl auf, sind aber parteipolitisch neutral„, erklärte Landeskirchenrat Heinrich. Ziel sei, dass jede Partei bei ihrer Wahlwerbung eine angemessene Distanz zu kirchlichen Gebäuden und Grundstücken wahre. „Wir hoffen, dass wir unser Ziel im Einvernehmen und auf der Grundlage von Vernunft und menschlichen Umgangsformen erreichen. Anzeigen und Rechtsstreitigkeiten gehören nicht dazu.“ Mit Parteien, die das anders handhabten, werde das Gespräch gesucht.

Die Behauptungen von Bundestags-Fraktionschefin Alice Weidel und des AfD-Landessprechers Thomas Röckemann in sozialen Medien, dass die Pfarrer AfD-Plakate zerstört und gestohlen hätten, bezeichnete Tiemann als „unsachlich, verletzend, wenn nicht sogar verleumdend“, weil sie nicht den Tatsachen entsprächen.

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1 KOMMENTAR

  1. Er hat also die Kabelbinder durchgeschnitten, um ein Schild zu drehen, das an einem Pfahl hängt??? Da bin ich mal gespannt, ob ein Richter diese wirre Geschichte glaubt. Vielleicht wirkt der Pfarrer etwas glaubwürdiger, wenn er sich vor der Gerichtsverhandlung die Haare schneidet und den Zausel-Bart rasiert. Duschen würde vermutlich auch nicht schaden.

    Zum Glück bin ich aus der Kirche ausgetreten….

  2. […] #Minden: Pfarrer entfernt mittels mitgebrachter Leiter AfD-Plakat von städtischer Laterne vor der Kirche, er beharrt aber darauf, er habe keine Plakate zerstört oder gestohlen – AfDler gibt an, Pfarrer habe ihm auch kirchliches Hausverbot angekündigt https://www.rundblick-unna.de/2019/05/17/ev-pfarrer-entfernt-afd-plakate-und-verhaengt-kirchenverbot… […]