Bratkartoffeln bis Linsengericht: Jugendliche blicken über fremden Tellerrand

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Die internationale Teilnehmerrunde hatte viel Spaß dabei, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu schlemmen. (Foto Werkstatt Kreis Unna)
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Abdi Hassan und Abdi Adan schmoren Hühnchenschenkel mit reichlich Zwiebeln und Kartoffeln, Jean-Lucas und Louis brutzeln Schnitzel und Bratkartoffeln, Paticka schmeckt das Linsengericht aus seiner Heimat Indien ab…. hmmmh, lecker!

Internationale Gerichte und Düfte aus vielen Ländern füllen die Lehrküche des Qualifizierungszentrums der Werkstatt im Kreis.

Die gemeinsame Kochaktion ist ein Höhepunkt eines ungewöhnlichen Kunstprojektes, in dem Jugendliche aus vielen Ländern, aus Maßnahmen der Berufsvorbereitung wie aus der Jugendhilfe der Werkstatt „über den Tellerrand“ von persönlichen Erfahrungen, von Kulturen wie Ländern blicken.

Begleitet wird das Projekt von der Künstlerin Tania Mairitsch-Korte, der Sozialpädagogin Galina Hilla und dem Anleiter Gerold Thiele. Sich verständigen, mit Bildern, mit Speisen und Rezepten, war das Ziel.

Typische Gerichte ihres Heimatlandes haben die 17- bis 18jährigen aufgeschrieben, und dann mit Linolschnitten ins Bild gesetzt. Warum wird eine indische Linsensuppe anders zubereitet als eine deutsche? Welche Zutaten gehören dazu?

Lecker schmurgelt und brutzelt es. (Foto Werkstatt)

 

Jetzt werden die Rezepte nachgekocht: Deutsche, griechische, türkische Leckereien neben anderen aus Somalia oder Guinea. Rezepte, Skizzen und Fotos fügen die zwölf Jugendlichen abschließend mit ihren Unterstützer zu einem großformatigen Rezeptbuch zusammen.

Die internationale Ausstellung wird unter anderem die Wohnräume im neuen Jugendhilfehaus der Werkstatt in Unna schmücken, wo Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren einen Schutz- und Schonraum sowie individuelle Betreuung finden.

Junge Geflüchtete leben da zusammen mit deutschen Jugendlichen, die bei der schulischen und beruflichen Integration Begleitung sowie Hilfen zur Erziehung benötigen.

Gemeinsam gekocht und jetzt wird zusammeng gegessen: Guten Appetit! (Foto Werkstatt)

Tania Mairitsch-Korte erklärt das Projekt:

„Die Teilnehmer lernen sich so auf unterschiedliche Weise kennen: Beim Arbeiten in der Werkstatt und beim Kochen und anschließendem Essen am gemeinsam gedeckten Tisch.

Essen hält nicht nur Leib und Seele zusammen, sondern soll das Miteinander fördern. Eine künstlerisch-kulturelle und kulinarische Annäherung.“

Sind die Teilnehmer auch beruflich auf den Geschmack gekommen? Paticka auf jeden Fall: „Im August beginne ich meine Lehre als Koch im Dortmunder Hotel l’Arriveé“, freut sich der 18jährige.

Geholfen haben die Betreuer der Werkstatt. Auf die setzt ebenso Louis (17) aus der BvB-Pro: „Ich mache gerade meinen Schulabschluss nach. Dann will ich ins Metallhandwerk – Schlosser oder Zerspanungsmechaniker.“

Die BvB-Pro wird durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Unna und Bergkamen sowie über den Europäischen Sozialfonds und dem Land NRW finanziert. Die Angebote der Jugendhilfe werden in Kooperation mit dem kommunalen und den Kreisjugendämtern durchgeführt. Die Gesamtaktion begann im Rahmen der Aktionswochen gegen Rassismus des Runden Tisches gegen Gewalt und Rassismus der Kreisstadt Unna.

(PM: Werkstatt im Kreis Unna)

Hintergrund:

In der Berufsvorbereitung-Pro/Werkstattjahr bietet die Werkstatt im Kreis Unna die Chance zum Lernen im Prozess der Arbeit. An drei Tagen arbeiten sie unter fachlicher Anleitung an realen Aufträgen in Werkstätten, auf Baustellen oder im Dienstleistungsbereich.

Die Arbeiten für öffentliche und gemeinnützige Auftraggeber umfassen alle Schritte von der Auftragsakquise, über die Produktentwicklung, Planung, Produktion bis zur Auslieferung, Abnahme und Abrechnung. An zwei Tagen besuchen die Teilnehmer  das Werkstatt-Berufskolleg. Information: www.werkstatt-im-kreis-unna.de, Tel. 02303 2805-0, Mail: zentral@werkstatt-unna.de

  • Die Jugendhilfe der Werkstatt im Kreis Unna richtet sich an junge Menschen ab 12 Jahren. Im Jugendhilfehaus im Unnaer Zentrum sowie in Jugendwohngruppen und WG finden Jungen und Mädchen Schutz- und Schonräume, individuelle Hilfen zur Aufarbeitung der eigenen Lebenssituation und zur Entwicklung einer Lebensperspektive. Die Angebote der Erziehungshilfen im Stammhaus der Jugendhilfe-Einrichtung richten sich insbesondere auch an junge schulmüde Jugendliche, die zur Aufarbeitung ihrer Schulprobleme Ersatzmaßnahmen in Anspruch nehmen können. Die Bewohner und ambulant betreuten jungen Menschen erhalten sowohl Unterstützung zur Verselbständigung sowie schulischen und beruflichen Integration.

 

 

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