Kosten- und Umweltgründe: Unnas Polit-Jugend sagt und rät „Nein!“ zur Eishalle

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Die Eissporthalle Unna bei der Besichtigung am 16. 7. 2018. (Archivbild Rundblick)
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Nein zur Eissporthalle aus Kosten- und ökologischen Gründen: Das sagen die politischen Jugendorganisationen Unnas, und dazu raten sie allen stimmberechtigten Unnaern beim Bürgerentscheid am kommenden Sonntag.

„Wir befürchten, dass ein Ja für die Eissporthalle bedeuten wird, dass wir in den nächsten Jahren kaum Geld für andere Jugendmöglichkeiten haben werden. Andere Projekte müssten wortwörtlich auf Eis gelegt werden“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Junger Union (JU), Jusos, Jungliberalen (Julis) und Grüner Jugend, die unserer Redaktion am Dienstag Mittag (21. 5.) zuging.

Die Erklärung geben wir hier im Wortlaut wieder, ohne vertiefenden „Faktencheck“. Das ist uns aufgrund der Komplexität der Thematik nicht im Einzelnen möglich.

Seit Montagmittag, 20.5., Titellogo auf der Facebookseite der Jungen Union Unna: das Statement der Unnaer Nachwuchsparteien zum Eishallenerhalt. (Bildquelle JU)

„Durch das von dem Verein „UNNA.braucht.EIS“ initiierte Bürgerbegehren kommt es am 26.05. zum Bürgerentscheid darüber, ob Unna die Eishalle weiter aufrecht erhalten soll.

Dafür hat der Verein auch ein Betreiberkonzept entwickelt, in dem die Sanierungskosten, die Finanzierung dieser sowie mögliche Betriebsgewinne kalkuliert und hochgerechnet sind.

Engagement der Bürger ist wichtig! Hier sollten aber Zahlen und Fakten beachtet werden.

Als Jugendorganisationen schätzen wir starke Beteiligung von Bürgern in politischen Belangen! Es belebt das Stadtleben und zeigt, dass Demokratie mehr sein kann als alle paar Jahre einen Wahlzettel auszufüllen.

Zu einer Demokratie gehört aber eben auch der Streit durch unterschiedliche Ansichten: Wir als Jugendorganisationen sprechen uns gegen die Bürgerinitiative und somit gegen die Eishalle aus.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der offensichtlichste Grund ist das Haushaltsdefizit unserer Stadt, welches trotz einiger Sparmaßnahmen in den letzten Jahren nicht geschlossen werden konnte. Mittlerweile ist Unna durch das Land NRW verpflichtet, keine weiteren Schulden zu machen und die vorhandenen Schulden schnellstens abzubauen. Dies wird in der öffentlichen Debatte um die Eishalle kaum thematisiert.

Ein Erhalt hätte unter anderem eine erhebliche Erhöhung der Grundsteuer B zur Folge, welche jeden Bürger dieser Stadt erheblich trifft. Alle Bürger müssten mehr zahlen, obwohl nur wenige das Angebot nutzen. Allen muss bewusst werden, dass die Stadt Unna in Zukunft nicht darum kommt, schwarze Zahlen zu schreiben und auf soliden finanziellen Beinen zu stehen.

Trotzdem ist es uns gerade als Vertreter der Unnaer Jugend ebenso wichtig, dass Angebote für Jugendliche in der Stadt bestehen und ausgebaut werden.

Bei begrenztem Budget ist es wichtig, effektive Lösungen zu schaffen, die für eine große Gruppe an Jugendlichen attraktiv ist und gleichzeitig langfristig aufrecht erhaltbar ist. Unserer Ansicht nach erfüllt die Eissporthalle, in Anbetracht der hohen Kosten, diese Kriterien nicht.

Wir befürchten, dass ein Ja für die Eissporthalle bedeuten wird, dass wir in den nächsten Jahren kaum Geld für andere Jugendmöglichkeiten haben werden. Andere Projekte müssten wortwörtlich auf Eis gelegt werden!

Klima retten? Erst nach der Eishalle?!

Auch sehen wir aus ökologischen Gründen keine Zukunft für die Eishalle. Die Halle ist trotz aller energetischer Maßnahmen ökologisch nicht haltbar. Das ganzjährige Herunterkühlen der Halle ist aufwendig und definitiv nicht gut für das Klima. Die Eishalle in Unna ist auch in ihrer Größe und Höhe unangemessen. Die Deckenhöhe und Bauweise sind absolut veraltet und unwirtschaftlich.

Europaweit gehen Jugendliche Freitags für das Klima auf die Straße – auch in den Kommunen müssen wir unser Handeln nach ökologischen Gesichtspunkten bewerten. Der Erhalt der Eissporthalle entspricht diesen Maßstäben nicht. Insbesondere kein ganzjähriger Betrieb.

Selbst die Stadt Münster, die finanziell wesentlich besser aufgestellt ist und auch größer ist, musste den Schritt der Schließung ihrer Eishalle schon gehen. Gelder wurden frei und viele Investitionen wie zum Beispiel für sozialen Wohnbau konnten getätigt werden.

Die Fehler, die nun letztendlich zur Schließung führen, sind hausgemacht. Bereits vor 5 Jahren wurde vereinbart, die Halle zu schließen. Damals gab es keinen vergleichbaren Protest. Dort wäre allerdings die Chance gewesen, mit weniger Aufwand die Halle längerfristig zu erhalten.

Die Fehler, die gemacht wurden, liegen weiter zurück. Wir als politische Jugendorganisationen sehen den Umgang des Rates mit der Bürger Initiative kritisch. Während des Prozesses hätte der Rat enger mit allen Beteiligten zusammenarbeiten müssen. Es wurden nicht alle Akteure mitgenommen.

Schlussendlich kann man die Fehler und die Verantwortung überall suchen. Nun liegt es aber an uns eine Entscheidung zu treffen, die zum einen die Problematik der Verschuldung der Stadt aufgreift, zum anderen neue Wege aufzeigt, um Jugendlichen in Unna Räume zu bieten.

Ein Ja zur Eishalle ist ein Nein zu Schulen und zu vielfältigen anderen Projekten. Bei begrenztem Geld wollen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir am effektivsten Räume für Kinder und Jugendliche schaffen können. Eine stärkere Investition in die Schulen Unnas, damit Schüler dort nicht nur einen Ort zum Lernen, sondern nachmittags auch einen Ort zum Leben finden können, halten wir für sehr sinnvoll.

Sollte der Bürgerentscheid zu Gunsten der Halle ausgehen, so können wir bereits heute festhalten, dass Schulen, Kindergärten und weitere Freizeitangebote für Jugendliche nicht realisiert werden können, weil das Geld dafür nicht da sein wird.

Wir sehen die dringende Notwendigkeit für Orte, an denen Jugendliche Zeit verbringen können, auch ohne feste Zeiten und Vereinsmitgliedschaft, deswegen ist es zwingend notwendig, Alternativen zu finden. Dazu braucht es die Beteiligung der Unnaer Jugend!

Daher wollen wir in naher Zukunft den Jugendrat wieder aufleben lassen!

Anders als zuvor soll dort jeder teilnehmen können und ein Rederecht bekommen. So wollen wir herausfinden, was wirklich gewollt ist. Gemeinsam wollen wir diese Forderungen durchsetzen und dafür kämpfen, dass Alternativen geschaffen werden.

Am 26.05.2019 empfehlen wir daher, mit NEIN zu stimmen – und gemeinsam, auch mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020, zusammen zu arbeiten, um diese Stadt für Jugendliche lebenswert zu machen! Dabei möchten wir mit gutem Beispiel voran gehen und uns weiter für unsere Stadt engagieren!“

  • JU, Jusos, Julis und Grüne Jugend Unna
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3 KOMMENTARE

  1. Schade auch. Hätte erwartet dass die Jugend vielleicht doch etwas weiter denkt. Statt Visionen und langfristige Zukunftspolitik im Auge zu haben die gleichen Argumente wie bei den Altparteien. Statt Problemlösungen nach dem Motto „geht nicht gibt’s „ nicht zu finden dann doch agieren wie Betonköpfe „geht nicht, wie denn“. Gerade zur Zeit zeigt doch die EU wie und wo Lösungen zu finden sind. Ein Beispiel dafür ging ja kürzlich durch die Presse: Wahlsdorf, ein Ort mit 350 Einwohnern in strukturschwacher Region aber einem Feuerwehrneubau, neuen öffentlichen Toiletten, schnelles DSL, eine zentrale Trink- und Abwasserversorgung, eine Fernwärmeversorgung des gesamten Ortes ,ein beheizbares Freibad und, und, und. Das ganze überwiegend finanziert durch Fördergelder der EU die findige Köpfe generiert haben. Unna verzichtet dann doch lieber darauf. Wasserspielplätze in Unna, zu 90% bezuschusst sind natürlich nicht interessant vor allen vor dem Hintergrund dass die Fußgängerzone sowieso vor Renovierung steht und somit ein Großteil der Kosten anderweitig gelandet wären. Darüber hinaus gibt es ja auch hochoffizielle Empfehlungen wo in Unna Sparpotentiale anzusetzen sind wenn man nur will. Aber da sind Seilschaften natürlich wichtiger als Bürgerinteresse.

    • Hallo Gremling, auf diesen Kommentar kam reichlich Feedback via Facebook – mit Einverständnis hierher kopiert:

      Klusenwirth Stefan:

      Da müßte man ja arbeiten und sich Gedanken machen

      Lars Gaebel:

      Genau das zeigt schließlich, dass weder die Altparteien noch die Jungen, das was sie predigen über die EU nicht verstanden haben. Keine Ahnung, davon reichlich, aber die EU regieren wollen.
      Das kann man ändern:
      stellen wir uns einfach mal vor, Kindergärten würden im selben atemberaubenden Tempo wie Asylheime aus dem Boden schießen. Neugeborene erhalten 2500 Euro Willkommensgeld.
      Der Staat zahlt für jedes Kind 33 Euro/Tag für dessen Unterbringung. Das Kindergeld wird auf das Hartz IV-Niveau erhöht samt Wohnkosten.

      Hunderte Gutmenschen stehen mit Blumensträußen vor der Entbindungsklinik. Öffentliche Verkehrsmittel sind für Kinder kostenlos. Genau wie Tageseinrichtungen, Sportvereine und Universitäten. Kinderfeindlichkeit wird als Volksverhetzung geahndet. Die Versorgung mit Mittagessen wird übernommen.

      Gutherzige Bürger spendieren das erste Fahrrad und Arbeitslose reparieren diese. Bei Lernschwachen erfolgt kostenlose Nachhilfe. Wenn Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen, stehen die Linken und Grünen mit Fressbeuteln bereits im Schulhof. Arme, hyperintelligente Kinder müssen nicht mehr als Fabrikarbeiter malochen, weil der „Staat“ ihr Potential erkennt und die vollen Kosten ihrer Ausbildung übernimmt!

      Dumme müssten nicht mehr in die Politik, weil auch für sie ein menschenwürdiges Dasein gesichert ist, eine solidarische Gesellschaft!“

      Sibylle Weber:

      Lars Gaebel , vielleicht wäre es sinnvoll sich mal zu erkunden, wo und wie „der Staat“ Kinder und Familien fördert. Sie würden sich womöglich wundern.

      Lars Gaebel:

      Sibylle Weber ich lasse mich gerne von ihnen beraten. Ich bin selber alleinerziehend und bekomme vom Staat nur Steine in den Weg gelegt, trotz das ich arbeiten gehe!

      Klusenwirth Stefan:

      Sibylle Weber das stimmt wohl!
      Aber wie denn?
      Indem es Elterngeld gibt was erst steuerfrei ist und im drauf vom Ehepartner nachversteuert werden muss?
      Die Politik, Industrie ist immer noch negativ gegenüber Kinder und Familie eingestellt!
      Man sollte sich ein Vorbild am Schweden Norwegen Finnland nehmen!
      Die Politik macht sich alles selber kaputt!
      Es wird nur noch verarscht😩