Flüchtlingskinder mit blauen Luftballons – AfD traf auf Fröndenbergs Patenschaftskreis

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AfD wirbt um Wählerstimmen unmittelbar neben Flüchtlingshelfern und ihren Schützlingen - in Fröndenberg verlief der Vormittag mit dieser nicht alltäglichen Kombination absolut friedich und störungsfrei. (Foto Rundblick)
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Kindern ist völlig egal, was auf so einem Luftballon draufsteht. Hauptsache, er ist schön prall aufgepustet und leuchtend bunt!

Kinder lieben nun mal Luftballons, egal ob sie rot, gelb, grüngestreift oder rosakariert sind… oder ob sie eben blau sind, so blau wie das Partei-Blau der AfD. Diese hatte am Samstag neben dem Fröndenberger Aldi auf dem Bruayplatz ihren finalen Wahlkampfstand vor der Europawahl aufgebaut – in direkter Nachbarschaft zum Flüchtlingspatenkreis, der seinerseits wie gestern angekündigt friedlich und fröhlich unter rotem Sonnenschirm für Vielfalt Flagge zeigte; also bewusst auch farblich einen Kontrapunkt bildete.

Ein „Gegengewicht“ zur AfD wollten die „Fröndenberger Bürger gegen Rechts und für Demokratie“ an diesem Samstag vor der Europawahl bilden, hatten sie vorab erklärt. Und wie vorgesehen klappte es. Helferkreis, Flüchtlinge und viele Besucher verweilten mehrere Stunden lang in friedlicher Koexistenz mit den drei Vertetern der AfD an ihrem Wahlkampfstand.

Um diesen Wahlkampfauftritt hatte es wie berichtet in den beiden Tagen zuvor noch kurzzeitigen Wirbel gegeben. Denn AfD-Kreissprecher Michael Schild hatte zunächst auf Wahlwerbung auf dem Markt beharrt: Diesen Standort hatte die Stadt ihm schon im März genehmigt, doch das blaue Wählerwerben traf auf den zeitgleich stattfindenden kreisweiten Leistungsnachweis der Feuerwehren.

Da dieses Event der überparteilichen Freiwilligen Feuerwehr nachweislich den Markt sowie die Winschotener Straße komplett für sich benötigte, willigte die AfD am Freitag in den angebotenen Ersatzstandort neben dem Aldi ein. Dort hatte sich denn auch kürzest entschlossen der Flüchtlingspatenkreis seinen Platz gesichert. Am Samstagmorgen stellten sich  für ca. zwei Stunden auch noch CDU, SPD und Grüne wählerwerbend dazu.

Der Patenschaftskreis fasste die enge Nachbarschaft mit der AfD im Anschluss als „nicht freundlich, aber friedlich“ zusammen. „Wir wollen deutlich machen, dass das Zusammenleben hier bei uns durch die gemeinsame Arbeit gelingt. Die Flüchtlingshilfe funktioniert in Fröndenberg. Wir haben im Übrigens gerade im Moment viele politisch Verfolgte.“

Mit Pauschalisierungen gegen „die Flüchtlinge“, mit mangelnder Differenzierung und statt dessen lautstarken Stammtischparolen werde man weder der komplexen Problematik noch den individuell betroffenen Menschen gerecht. „Wer sich nicht benimmt, muss gehen! Wer sich aber bemüht, der verdient es, dass ihm geholfen wird, und dem wird geholfen.“ So die Leitlinie des Helferkreises, der in der Spitze bis zu 400 Geflüchtete betreute. Inzwischen sind es nicht kaum noch halb so viele.

Eine eher seltnene Kombination: Geflüchtete mit ihren Patinnen und Paten und im Hintergrund der blaue Wahlwerbestand der AfD. (Foto Rundblick Unna)
AfD-Kreisverbandssprecher Michael Schild. (Foto RB)

Die AfD-Vertreter ihrerseits suchten das Gespräch mit Passanten und fanden es immer wieder auch, verteilten ihre blauen Luftballons auch an die Flüchtlingskinder – „wir haben dazu bewusst Ballons ohne Parteilogo genommen“, versicherte Michael Schild. Mit diesem Logo verbanden die Kinder aber sowieso nichts, einige ältere Flüchtlinge schon, doch deren Reaktion beschränkte sich zumeist auf Schulterzucken.

So ganz ohne Provokationen gegen die Flüchtlingshilfe kam die „Alternative“ allerdings denn doch nicht aus:  Sie steckte dem Patenschaftskreis im Bürgerzentrum auf dem Mühlenberg zum finalen Wahlkampfwochenende eigens einen AfD-blauen Wahlwerbeflyer in den Briefkasten mit der Aufforderung: „Wählen gehen!“ Als so kleine Partei, begründete Schild diese ständigen Provokationen und generell das „laute“ Auftreten der AfD, müsse man laut sein, „sonst nimmt uns niemand wahr.“

Fazit gleichwohl am frühen Nachmittag: Alle waren zufrieden, alle waren dutzendweise  ihre Luftballons losgeworden, und von diesen hüpfte anschließend noch eine ganze Menge als leuchtend rote und blaue Farbtupfer durchs Feuerwehr-Event auf dem Marktplatz.

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