Initiative schafft Sensation: Eishalle ist gerettet – Europawahl: In Unna nur noch 24 % für SPD

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Die Eishallenanhänger im Glückstaumel.
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Als die Sensation dann mit den letzten ausgezählten Stimmen perfekt war, brach ohrenbetäubender Jubel in der Bürgerhalle aus und flossen Tränen – Tränen der Freude: Unna braucht Eis.

Die Eishallenretter haben das unmöglich Scheinende möglich gemacht. Nach elf Monate währendem Kampf für die Eissporthalle, für die der Rat nahezu einstimmig bereits den Abriss beschlossen hatte, verkündete Bürgermeister Werner Kolter am Sonntagabend in der Bürgerhalle das Ergebnis des Bürgerentscheids.

Eine deutliche Mehrheit – 59 Prozent derer, die beim Bürgerentscheid mitgestimmt haben – hat auf dem Wahlzettel „Ja“ für die Eishalle angekreuzt. Damit ist der Ratsbeschluss zum Abriss einkassiert.

Die Mitglieder der Initiative „UNNA.braucht.EIS“ konnte ihren Triumph kaum fassen, den vor allem in dieser Deutlichkeit nur wenige erwartet hatten.

Exakt 59,35 Prozent (15.541 Stimmen) entfielen auf den Erhalt der Eishalle, 40,65 Prozent (10.645) sprachen sich dagegen aus. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 52,93 Prozent.

Bürgermeister Werner Kolter verkündet das überdeutliche Ergebnis des Bürgervotums.

„Es ist ein eindeutiges Votum zum Erhalt der Eissporthalle von den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ausgesprochen worden“, sagte Kolter in den überbordenden Jubel hinein.

Er gratulierte der Initative für ihren Einsatz in den letzten Wochen und Monaten und kündigte an, dass der Bürgerwille jetzt möglichst zeitnah umgesetzt werden solle. Dazu seien Stadtverwaltung und Politik gemeinsam mit der Initiative aufgefordert.

Die Wahlparty der Eishallen-BI und ihrer Unterstützer/innen hatte schon direkt nach Schließung der Wahllokale begonnen.
Die Initiative „UNNA.braucht.EIS“ schickte uns am späten Abend ein erstes offizielles Statement von ihrer Wahlparty im Sandro´s an der Morgenstraße:
„Wir sind überwältigt von der großen Resonanz am heutigen Wahltag und bedanken uns bei den Bürgerinnern und Bürgern für das Vertrauen, dass sie uns geschenkt haben. Es liegen ereignisreiche Wochen und Monate hinter uns.
Natürlich ist es uns bewusst, dass dies nur die erste Hälfte des Weges ist. Etwaigen Gesprächsangeboten aus Rat und Verwaltung stehen wir aufgeschlossen gegenüber. Nach wie vor stehen wir zu unserem Konzept und sind bereit, dieses – sofern die Rahmenbedingungen passen – gemeinsam mit der Stadt umzusetzen.
Unseren Sponsoren, Helfern und Unterstützern möchten wir sagen, dass dieser Erfolg ohne sie niemals möglich gewesen wäre. Vielen Dank! Ihr seid super!“

In der Bürgerhalle gab es zuvor die betretendsten Gesichter bei den anwesenden Sozialdemokraten. Sie hatten soeben nicht nur eine deutliche Niederlage in puncto Eishalle eingefahren, sondern gleichzeitig eine historische Klatsche bei der Europawahl kassiert: Nicht einmal mehr 25 Prozent der Unnaer Wähler gaben ihre Stimme der SPD, damit hat sich die die einstige Alleinmehrheitspartei in der Kreisstadt praktisch halbiert.

Fairer Verlierer: SPD-Parteichef Sebastian Laaser.

Zum Eishallenvotum sagte Stadtverbandsvorsitzender Sebastian Laaser in einer ersten Stellungnahme zu unserer Redaktion,  dass man „mit diesem Ergebnis jetzt umgehen müsse“. Laaser war im Anschluss im Übrigen der Einzige aus der Runde der unterlegenen Parteivertreter, die „UNNA.braucht.EIS“ zum Sieg gratulierte.

Rudolf Fröhlich blickte mit Freude auf das Europawahlergebnis für die CDU in Unna und sprach offen Überlegungen aus, künftig im Rat verstärkter die Zusammenarbeit mit den Grünen zu suchen. Über das Eishallenvotum war er logischerweise weniger glücklich.

Rudi Fröhlich, Fraktionschef der  CDU, freute sich über das Europawahlergebnis für die Christdemokraten in Unna, sie landeten nur knapp hinter der SPD und fast gleichauf mit den auch in Unna enorm erstarkten Grünen. Zum Eishallenentscheid sagte er sichtlich unfroh: „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das finanzieren.“

In puncto Eishalle wortkarg: Günther Schmidt (FDP).

Günther Schmidt von der FDP wollte eigentlich nur über das Europawahlergebnis reden und gar nicht über die Eishalle. Die Liberalen haben bei der Unnaer Wählerschaft bei der Europawahl leicht hinzugewonnen, landeten allerdings fast 3 Prozentpunkte hinter der AfD, die in Unna knapp 9 Prozent erzielte.

Petra Weber (Linke) mit Michael Michelius von UbE und Jessica Mense vom Bornekampbadverein.

Strahlende Gesichter gab es hingegen bei Petra Weber von der Linkspartei („Ich bin so glücklich, dass die Eishalle doch noch für unsere Jugendlichen erhalten wird“) und bei der  Freien Liste Unna (FLU), die sich zusammen mit der Linken und den beiden fraktionslosen Ratsvertretern Bärbel Risadelli und Christoph Tetzner als einzige pro Eishallenerhalt positioniert hatte.“

Überglücklich über das Ergebnis: Klaus und Sarah Göldner (mit Katharina Suttrop, re., vom Rundblick Unna).

Das ist einfach ein großartiger Abend“, freute sich FLU-Fraktionsvorsitzender Klaus Göldner. „Die Bürger haben praktisch dem kompletten Rat sowie der Stadtverwaltung deutlich gemacht: Ihr beschließt nicht das, was wir wollen. Wir folgen euch nicht.“

Jetzt müsse völlig neu geplant werden, forderte Göldner. „Alle Finanzierungen müssen auf den Prüfstand. Auch bereits beschlossene Großprojekte.“

Europawahl: Knapper Vorsprung für die SPD vor den Grünen in Unna – Wahlbeteiligung 63,09 Prozent

Um 20.27 Uhr verkündete Unnas Bürgermeister Werner Kolter als Wahlleiter das vorläufige amtliche Endergebnis der Europawahl im Unnaer Stadtgebiet.

Dabei errang die SPD 24,20 Prozent der abgegebenen Stimmen, Bündnis 90/Die Grünen n 23,86 Prozent und die CDU 23,36 Prozent. Für die AfD stimmten 8,62 Prozent, für die FDP 6,10 Prozent und für die Linke 4,48 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 63,09 Prozent, vor fünf Jahren noch bei 54,1 Prozent.

Alle Ergebnisse im Detail finden Sie im Internet-Portal der Kreisstadt Unna direkt auf www.unna.de. (PM Stadt Unna)

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3 KOMMENTARE

  1. Eine gute Entscheidung der Bürger die der Meinung sind Sport, ein Treffpunkt zum Meinungsaustausch und zu Gemeinsamkeiten ist wichtiger als allein zu Hause vor dem PC abzuhängen. Eine SCHLAPPE für die die jahrelang zugesehen haben wie die Infrastruktur dieser Halle zusehends den Bach runter geht. Wie fast alles was die Stadt Unna in Verantwortung hat und fahrlässig verkommen lässt. Nun hört man schon die ersten Befürchtungen „der Kulturetat wird gekürzt“ Ja und wenn? Ich erinnere mich noch an Zeiten wo der Kunstverein mit Gründer und Vorsitzenden D. Lohl um jeden Pfennig kämpfen musste. Insofern bin ich sicher kein Gegner dieser Kulturausgaben, aber oft beschämend bei dem heutigen Etat der zu Lasten der Allgemeinheit für „Blödsinn“ausgegeben wird von dem kein Unna er Bürger jemals einen Nutzen hat. Es wird endlich Zeit dass die Seilschaften die den Unnaer Etat in den Nothaushalt führten endlich aufgelöst werden. Der Bürgerentscheid öffnet hoffentlich diesen Politikern die von den Wählern einen Vertrauensvorschuss erhalten haben die Augen um auch in deren Sinne zu Entscheiden. Insofern ist das Wahlergebnis für die SPD auch endlich das richtige Zeichen.

  2. Die Aussage: „Alle Finanzierungen müssen auf den Prüfstand. Auch bereits beschlossene Großprojekte.“ finde ich ausgesprochen wichtig. Dann wird ja wohl auch endlich mal jemand etwas zu dem vermutlich sittenwidrigen Pachtvertrag sagen:
    https://www.rundblick-unna.de/2019/02/07/bis-zum-jahr-2081-noch-16-mio-pacht-fuer-freibadbrache-massen-statement-der-stadt/
    Ich dachte schon, das hier mal eben ein Milliönchen Steuergelder einem Parteigenossen zugeschustert werden sollen und niemand mehr darüber reden darf.
    Hoffen wir mal, dass dieser mutmaßlich sittenwidrige Vertrag rückwirkend für ungültig erklärt wird. Dann wäre ja schlagartig ziemlich viel Kohle für die Eishalle da…..