Unnas CDU-Fraktion auf 13 dezimiert: Vizebürgermeister Weber ist raus – „Grenze überschritten“

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CDU-Ratsherr Frank-Holger Weber am Freitagmittag auf dem Alten Markt in Unna. Eine halbe Stunde zuvor hatte er im Rathaus beim Bürgermeister seinen Fraktionsaustritt mitgeteilt. (Foto RB)
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Und da waren´s nur noch 13, ausgerechnet. Ausgerechnet auf die Unglückszahl hat   ausgerechnet der Vizebürgermeister Unnas zweitgrößte Ratsfraktion am Festa Italiena-Wochenende dezimiert.

Frank-Holger Weber teilte am Freitagmittag, 31. 5., dem Bürgermeister seinen Austritt aus der CDU-Fraktion mit.

Sein Mandat behält er, will Vizebürgermeister bleiben und bleibt auch in der CDU, weshalb er zunächst die Gruppe der Fraktionslosen weiter aufstockt:

Mit Expirat Christoph Tetzner, Pirat Christian Ross, Ex-Sozialdemokratin Bärbel Risadelli und Jörg Hißnauer sitzen nach diesem neuerlichen Austritt nun schon fünf fraktionslose Ratsleute in Unnas Kommunalparlament.

Für die CDU-Fraktion ist es bereits der dritte Austritt in der laufenden Ratsperiode, nachdem sich 2013 bereits die Freie Liste um Klaus Göldner abgespalten hatte: Göldner, der sich mit Parteichef Meyer überwarf, nahm damals fünf weitere CDU´ler mit.

Bereits vor Ablauf des ersten Jahres nach der Kommunalwahl 2014 warf Dachdecker Holger Wiese Knall auf Fall der CDU sein Mandat vor die Füße, begründete dies mit dem „Politikstil“ der Parteiführung sowie dem Verzicht auf einen eigenen Bürgermeisterkandidaten, was der zweitgrößten Ratspartei „unwürdig“ gewesen sei. HIER unser damaliger Bericht.

Während Wiese im September 2015 zugleich sein Mandat zurückgab, so dass Werner Kleinhans nachrücken konnte, behielt Oberstadt-Unionsvorsitzender Carsten Morgenthal im vergangenen Sommer seinen Ratssitz und wurde Grüner (Bericht HIER).

Auch Frank-Holger Weber will weiterhin Ratsarbeit machen, einen möglichen Wechsel in eine andere Fraktion hält er sich offen. Momentan habe er diesbezüglich keine konkreten Pläne, sagte er uns am heutigen Freitagmittag in einem kurzfristigen Interview auf dem Alten Markt. 

Nachdenklich wirkte der CDU-Politiker heute beim Gespräch mit unserer Redaktion unmittelbar nach seinem Austritt. „Aber die Grenze war überschritten.“ (Foto RB)

Herr Weber, die denkbar kürzeste und schlichteste Frage: Warum?

Frank-Holger Weber: Warum? Weil über mich Gerüchte in die Welt gesetzt wurden.  Ich freue mich übrigens nicht, dass wir hier heute so zusammensitzen, das möchte ich voranschieben.

Was sind das für Gerüchte?

Frank-Holger Weber: Es geht hauptsächlich um zwei Behauptungen, die über mich verbreitet werden: Erstens, ich wollte Geschäftsführer der WBU werden, zweitens, ich wollte in die SPD eintreten. Beides ist völliger Humbug.

Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender der WBU, wären Geschäftsführerambitionen da so abwegig?

Frank-Holger Weber: Ja, das ist vollkommen abwegig. Ich hege keinerlei derartige Ambitionen.

Dann klingt das ja so, als wollte sie da jemand als geldgierigen Wendehals diskreditieren….

Frank-Holger Weber: Als opportunistisch und geldgierig, Sie sagen es. So etwas aus der eigenen Fraktion mitzubekommen verletzt mich zutiefst. Ich sehe keinerlei Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich finde diese Entwicklung sehr traurig, aber für mich ist eine Grenze überschritten.

Wie erklären Sie sich denn diese Anfeindungen? Hat es mit ihrer Position als Aufsichtsratsvorsitzendem der Stadttochter WBU zu tun? Haben Sie vielleicht mit einer Entscheidung dort für Unmut gesorgt?

Frank-Holger Weber: Sie werden verstehen, dass ich zu Details nicht sagen darf und werde. Was ich sagen kann: Ich bin zu Dingen aufgefordert worden, die ich nicht vertreten kann, da ich mich in zuerst dem Wohl der Stadt verpflichtet fühle und nicht den Interessen der Partei.

Und das hat einigen – Sie werden keine Namen nennen, das sagten Sie mir vorab schon – dann nicht gepasst?

Frank-Holger Weber: Das sieht so aus.

Wieso geben Sie Ihr Ratsmandat, das Sie über die Parteiliste erworbenen haben, nicht zurück, wie es auch Holger Wiese bei seinem Austritt getan hat?

Frank-Holger Weber: Weil ich weiterhin Ratsarbeit machen möchte und auch weiterhin CDU-Politiker bleibe. Ich habe die Fraktion ausschließlich wegen dieser genannten Gerüchte verlassen, nicht wegen thematischer Streitpunkte und auch nicht wegen bundespolitischer Entwicklungen in der CDU – auch wenn ich da gerade mit manchem gar nicht einverstanden bin. Aber ich bleibe Christdemorat und werde als fraktionsloser Ratsvertreter bestimmt auch mal mit der CDU stimmen. Andere Male dann vielleicht nicht. Der Austritt verschafft mir diesbezüglich Freiheiten.

Die Freiheit, Vizebürgermeister zu bleiben, nehmen Sie sich auch?

Frank-Holger Weber:  Wer mich weghaben will, kann eine Abwahl beantragen. Für die Einleitung eines Abwahlverfahrens genügt einfache Mehrheit, einer Abwahl müssten zwei Drittel aller Ratsmitglieder zustimmen. Freiwillig trete ich als stellvertretender Bürgemeister nicht zurück. Nein.

„Abtrünnige“ lachend vereint: Weber mit FLU-Fraktionschef Klaus Göldner, ebenfalls ehemaliger CDU-Ratsherr und sogar Vorsitzender, bei der Eröffnung der Festa Italiana am Mittwochabend auf dem Alten Markt. (Foto: Privat)

Letzte Frage: Zur Eröffnung der Festa Italiana am Mittwochabend posteten Sie auf Facebook ein Foto, das Sie zusammen mit FLU-Fraktionschef Klaus Göldner zeigt – er ist ja ebenfalls ein „Abtrünniger“ der CDU-Fraktion, wenngleich die Abspaltung der Freien Liste schon in der vorletzten Ratsperiode erfolgte. Aber ist dieses Foto, auf dem Sie sich mit Klaus Göldner lachend zuprosten, schon dezent als Wink in die Zukunft zu verstehen?

Frank-Holger Weber: Ich sag´s mal so:Das bleibt jedem Betrachter selbst überlassen.

Mit dem CDU-Vizebürgermeister sprach Silvia Rinke.

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1 KOMMENTAR

  1. […] Sechs Wochen nach Vizebürgermeister Frank-Holger Weber verließ als Nächste die stellv. Oberstadt-Vorsitzende Jessica Tepe die – immer noch – zweitgrößte Ratsfraktion. Die 1985 geborene Bürokauffrau und junge Mutter war die einzige unter 40-Jährige in der CDU-Fraktion und zusammen mit Gabriele Meyer und Christa Gosing eine von drei Frauen). […]