Entführt und wochenlang eingesperrt? Das seltsame Verschwinden von Kater Jacky aus Hemmerde

0
983
Wieder zu Hause: Kater Jacky (li.) mit seinem Kumpel.
Facebookrss

Dass Freigängerkatzen gern mal auf Wanderschaft gehen und Tage, zuweilen auch Wochen wie fortgehext verschwinden, ist im Sommer nichts Besonderes und macht Halterinnen udn Halter wahnsinnig. Häufig sitzt Katz und Kater dann ebenso urplötzlich wieder vor der Tür, verlangt Futter und tut mit aufreizender Gelassenheit so, als sei überhaupt nichts gewesen.

9 Tage spurlos verschwunden war Kater Sammy von der Burgstraße, am Montag saß er urplötzlich wieder vor der Tür und wollte Futter. (Foto Bergmann)

So erging es just Rosemarie Bergmann von der Burgstraße in Unna mit ihrem Kater Sammy, der 9 Tage wie vom Boden verschluckt war, bis er am Montag auf einmal wieder wie herbeigespukt vor der Tür saß. Und mit größter Selbstverständlichkeit Futter verlangte. Zur endlosen Erleichterung und Freude seiner Besitzerin natürlich, der die Sorge um Sammy den Schlaf geraubt hatte.

Auch Kater Jacky aus Hemmerde verschwand vor ca. 5 Wochen urplötzlich. Er ging raus wie eh und je, kam aber nicht mehr zurück.

Kater Jacky. (Foto Zerbe)

Und verschwunden blieb er erst einmal.

Vier zermürbende, nervenzerrende Wochen lang hörte und sah Uwe Zerbe nichts von seinem hübschen roten Kater, den er selbst als Fundtier aufgenommen hatte und an dem er deshalb besonders hängt.

Ganz krank vor Sorge und Ungewissheit, was mit Jacky passiert sein könnte, startete der Hemmerder Suchaufrufe in den sozialen Medien. Er hängte in Hemmerde und im Umkreis Suchtplakate auf. Nichts. Kein Hinweis, keine einzige Sichtung. Der Kater war buchstäblich wie vom Erdboden verschluckt.

Plötzlich bekam Uwe Zerbe eine Nachricht per WhatsApp einer ihm unbekannten Verfasserin.

„Sie erkundigte sich nach unserem Kater und schickte ein Bild mit. Darauf war eine Katze zu sehen, die auf einer Couch lag.“ Zerbe durchfuhr es eiskalt. Er war sich sofort sicher: „Das ist unser Jacky!“

Auf weitere Rückfragen reagierte die Verfasserin nicht mehr.

„Ich drohte ihr dann, dass ich die Polizei einschalten werden“, berichtet Zerbe. Am Pfingstdienstag, 11. Juni, kam plötzlich eine Nachricht aus dem Katholischen Kindergarten: Jacky wurde dort im Keller gefunden.

Total abgemagert und geschwächt war der vormals so kräftige Katermann, als Zerbe ihn nach vier bangen Wochen wieder vor sich sah und in die Arme schließen konnte.

Die Behandlung bei der Tierärztin war aufwändig und kostspielig, erzählt Uwe Zerbe, „das habe ich aber natürlich gern bezahlt. Es geht mir gar nicht um das Geld. Wichtig ist, dass Jacky wieder bei uns ist und dass er wieder ganz gesund und kräftig wird.“

Aber die Umstände von Jacky Verschwindens beschäftigen den Hemmerder intensiv weiter:

Wie der Kater in den Keller des Kindergartens geraten ist, st unklar. Wie lange er dort gesessen hat, ebenfalls. Kann alles ganz harmlos gewesen sein, ein ausgiebiger Ausflug mit anschließendem versehentlichen Hineinschlüpfen ins Kellerfenster?

„Ohne diese seltsamen WhatsApp-Nachrichten hätte ich das auch gedacht“, bestätigt Uwe Zerbe. „Naheliegend wäre gewesen: Er ist herumgestromert, in den Kindergartenkeller geklettert und nicht mehr herausgekommen.“

Doch aufgrund dieser eigenartigen Nachrichten mit dem Foto, das nach seiner Überzeugung eindeutig Jacky zeigt, ist er sich sicher: „Diese Frau hat Jacky entführt und ihn bei sich eingesperrt. Erst als ich ihr mit der Polizei drohte, bekam sie es offenbar mit der Angst zu tun und hat ihn freigelassen.“

Wie der Kater anschließend in den Keller des Kindergartens kam, ist unklar.  Uwe Zerbe hat jedenfalls die Polizei eingeschaltet.

Wie und wohin verschwinden Katzen?

Gerade im Frühling und Sommer füllen sich die Suchportale in den sozialen Medien und bei Tasso rasant mit Katzen und Katern, die urplötzlich auf rätselhafte Weise verschwinden.

Viele werden tot gefunden, werden überfahren, von Jägern erschossen, fressen Gift – das Los einer Freigängerkatze.

Manche Katzen kehren nach Tagen, Wochen, gar Monaten des Verschwindens auf einmal wieder nach Hause zurück und lassen ihre Besitzer ergebnislos rätseln, wo Miez und Miezemann so lange gesteckt hat. Tiere können ja (leider) nicht erzählen, wo sie sich herumgetrieben waren und was so spannend war, dass sie einfach mal eine Zeitlang keine Lust hatten, heimzukommen.

Unkastrierte Kater gehen zuweilen Monate auf Wanderschaft und legen auf der Suche nach paarungswilligen Katzen oft enorme Strecken zurück. Freigängerkatzen deshalb grundsätzlich kastrieren, außerdem chippen und bei Tasso registrieren! Damit selbst im Falle eines Totfundes Gewissheit herrscht. Denn schlimmer als alles andere ist die Ungewissheit.  ACHTUNG: Im Kreis Unna herrscht seit zwei Jahren Kastrations- und Registrierungspflicht!

Gar nicht selten kommt es vor, dass Katzen und Kater „abwandern“: Sie siedeln, oft nach und nach, in ein anderes Zuhause um, das ihnen mehr zusagt. Sei es, dass sie sich mit vorhandenen Mitkatzen in der Ursprungsfamilie nicht (mehr) verstehen, sei es, dass sich im Zuhause Änderungen ergeben, die der Katz unbehaglich sind und die sie buchstäblich aus dem Haus treiben. Merke: Katzen sind neophob, sie hassen alles Neue und Ungewohnte. Manche Menschen füttern Freigängerkatzen auch an, bewusst oder im guten Willen, weil sie denken, dass Miez Hunger leidet. Und der Besitzer wundert sich, dass Miez immer seltener nach Hause kommt und am Ende vielleicht ganz wegbleibt…

Bisher nicht belegt sind „Horrorgeschichten“ von Katzenfängern, die Freigängerkatzen anlocken, einfangen und sie an Fellhändler weiterverkaufen.

Facebookrss