Zum Rücktritt Volker Königs: „Wir-Fraktionschef, Teamplayer“ – Rundblick-Interview zu Königs Antritt nach M. Hoffmanns Tod

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Volker König am 5. November 2014 vor dem Kreishaus Unna. Der Polizeibeamte, damals noch aktiv im Dienst, hatte wenige Tage zuvor ohne Gegenstimme die Nachfolge des verstorbenenen SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Hoffmann angetreten. (Archivbild Rundblick)
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Er trat an, um ein „Wir-Fraktionschef“ und „Teamplayer“ zu sein. Das war Volker Königs erklärter Vorsatz,  als er im November 2014 – nach dem unerwarteten Tod von Michael Hoffmann – diesem als Fraktionsvorsitzender nachfolgte.

Hoffmann war bekannt dafür gewesen, öfter mal auf eigene Faust politische Vorstöße zu unternehmen, die selbst seine Fraktionskollegen und Parteifreunde überraschten; Volker König, bis dato Hoffmanns Vize, sagte uns damals in einem Interview, er wolle die Fraktion anders führen er wolle „„Wir“-Fraktionschef, Teamplayer sein. 

Zur überraschenden Nachricht am Abend vor Fronleichnam (19. 6. 19), dass sich König kurzfristig schon zum 30. Juni 2019 von der Fraktionsspitze zurückziehen will, veröffentlichen wir hier noch einmal unser damaliges Interview mit ihm zu seinem Amsantritt im im November 2014.

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Herr König, die Frage, die gleich kommen muss – an Michael Hoffmanns Nachfolger…

Volker König: … ja klar, es ist die nach den großen Fußstapfen. Ich muss sagen: Ich sehe das nicht so. Ich will diese großen Fußstapfen gar nicht ersetzen. Sie sind riesig, Michael war  omnipräsent in der Politik. Ich werde definitiv nicht versuchen, einen Michael Hoffmann zu ersetzen.

Sie haben schon deutlich gemacht, dass Sie seinen Führungsstil nicht kopieren werden. Michael Hoffmann hat, was bekannt ist, häufig mal Alleinentscheidungen getroffen. Wie sieht ein Fraktionsvorsitzender Volker König seine Rolle?

Volker König: Ich sehe mich eher als Moderator und Teamplayer. Seit ich Stadtverbandsvorsitzender bin – es sind jetzt zwei Jahre – habe ich immer versucht, die Partei zu einen. Grabenkämpfe hinter den Kulissen gibt es immer mal… und dass kontrovers diskutiert, auch mal gestritten wird in einer Partei, macht demokratische Meinungsfindung aus und ist auch wichtig, um eine Partei lebendig zu halten. Bei alldem war und ist aber immer mein Ziel, dass sich die SPD als Einheit sieht. Man diskutiert, man zofft sich auch mal – und dan  man sich auf eine gemeinsame Position und trägt sie so auch nach außen.

Haben Sie sich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender auch mit Michael Hoffmann gestritten?

Volker König: Ja, natürlich. Wir haben häufig kontrovers diskutiert. Kontrovers – aber immer an der Sache orientiert. Michael war ein ganz anderer Typ, als ich es bin. Ich habe ihm immer gesagt: Michael, ich bin dir ein loyaler Vize. Beteilige mich. Nimm mich mit. Das hat funktioniert.

Wie werden Sie die Lücken, die Michael Hoffmanns Tod politisch gerissen hat, füllen? Springen Sie in alle selbst hinein?

Volker König: (mit Nachdruck den Kopf schüttelnd) Zwei Dutzend Arbeitskreise und Ausschüsse bzw. Ausschussvorsitze kann man nicht ersetzen. Das kann kein Mensch. Bei Michael Hoffmann ist das in 20 Jahren gewachsen. Mir geht es darum, diese Vielzahl an Aufgaben auf verschiedene Schultern zu verteilen.

Sind Sie eher ein „Wir“-Fraktionschef?

Volker König: Wenn man so will… ich werde eher auf Teamarbeit setzen. Natürlich werde ich mich sowieso immer eng mit meinen drei Stellvertreterinnen abstimmen, Anja Kolar, Gudrun Friese-Kracht und Ingrid Kroll. Ich werde aber auch nicht davor zurückschrecken, auch mal „Basta!“ zu sagen, wenn es notwendig wird. Ein Fraktionsvorsitzender vertritt die Fraktion nach innen und nach außen.

Die vermutlich größte Lücke hinterlässt Michael Hoffmann bei der Kultur. Sie war ihm Herzensangelegenheit. Fast ein Vierteljahrhundert leitete er den Kulturausschuss. Sehen Sie die Gefahr, dass das Kulturelle jetzt personell verwaist, wo er nicht mehr da ist und sich kümmert? Zumal es seit Axel Sedlack keinen eigenen Dezernenten mehr gibt und Uwe Kornatz, der die Kultur neben seinen Schulthemen mitbetreut, im Frühjahr auch noch geht?

Volker König: Die Gefahr, dass der Themenbereich verwaist, sehe ich nicht. Die Fraktion wird sich weiter ums Kulturelle kümmern. Ob das mehrere tun werden und wie der Kulturausschussvorsitz neu besetzt wird – das werden wir alles in ca. drei Wochen allen übrigen Posten- und Ämterfragen im Paket klären.

Behalten Sie den Stadtverbandsvorsitz?

Volker König: Ich bin der Meinung, dass es zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Fraktions- und Parteiführung sollten nicht in einer Personalie vereint sein.

Wann wird über Ihre Nachfolge im Parteivorsitz entschieden?

Volker König: Nicht vor Weihnachten und auch nicht mehr in diesem Jahr. Wir haben nach dem Neujahrsempfang unseren Parteitag, im Frühjahr, voraussichtlich im März. Da werden wir das ganze Paket umstrukturieren. Bis dahin schauen wir, wer es machen will und kann. Unser Stadtverband hat immerhin 850 Mitglieder.

Definieren Sie mal den Unterschied zwischen der Partei- und der Fraktionsführung.

Volker König: Die Partei hat es einfach: Sie kann Dinge fordern. Die Fraktion ist gehalten, das in ihren Augen Beste für den Bürger möglich zu machen. Dazu muss sie in den Ausschüssen mit immerhin sechs anderen Fraktionen einen Konsens finden. Die Partei darf wollen – die Fraktion muss möglich machen.


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