Bestürzung in Bergkamen – Bus überrollt Gänsemutter mit Küken

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Kanadagans mit Küken / Symbolfoto Pixabay
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Ein schlimmer Moment war das für die Zusehenden. Vor den Augen von Passanten, darunter Kinder, überfuhr ein Bus eine Gänsemutter mit mehreren Jungtieren.

Der tragische Vorfall passierte gestern Nachmittag (19. 6.) in Bergkamen. Die Kanadagans – die dort seit Jahren bekannt ist – befand sich nach Zeugenberichten mit ihren Küken an / auf der Erich-Ollenhauer-Straße, als der Linienbus der VKU herannahte.

Die Gänsemutter wurde von dem tonnenschweren Fahrzeug überrollt, ebenso drei ihrer Küken.

Die anderen Babys überlebten das Unglück.

Eine Mutter, deren Tochter Augenzeugin des tragischen Augenblicks wurde, berichtete darüber bestürzt in den sozialen Medien, da sie eine sichere Obhut für die überlebenden Gänseküken suchte. Der Post wurde allerdings nicht lange danach gelöscht, offenbar wegen der sehr emotionalen und auch sehr wütenden Reaktionen.

Ortkundige Leserschaft wusste in unserer Diskussion auf Facebook die Infomation beizusteuern, dass dieses Gänsepaar seit Jahren an dieser Stelle brütete. Die Stelle sei von beiden Seiten gut einsehbar, und in beiden Richtungen stünden dort Warnschilder, die auf kreuzende Gänse hinweisen.

VKU-Sprecherin Inga Fransson, die wir auf dem Weg in ihren Feierabend noch knapp erreichten, wusste am Spätnachmittag noch nichts von dem Tier-Unglück auf der Erich-Ollenhauer-Straße, sagte sie uns. Sie könne deshalb nur allgemein etwas zu solchen Situationen sagen, wenn einem Fahrer oder einer Fahrerin plötzlich ein Tier vor den Bus gerät.

„Es ist dann  immer sehr traurig und schlimm für alle, die es miterleben, wenn ein Tier überfahren wird“, bestätigte die Sprecherin. Ganz gewiss überfahre aber kein Busfahrer/keine Busfahrerin aus bösem Willen oder zum Spaß ein Lebewesen.

Die Sicherheit der Fahrgäste habe aber für alle Fahrer grundsätzlich oberste Priorität zu genießen, verdeutlicht die Sprecherin eindringlich: „Plötzliches Bremsen ist für die Fahrgäste im Bus mit großen Gefahren verbunden. Sie können sich ernsthaft verletzen. Dieser hohen Verantwortung müssen sich unsere Fahrerinnen und Fahrer in jedem Moment bewusst sein.“

  • UPDATE Freitagmorgen, 21. 6.:

Der stellv. VKU-Betriebsleiter, Hüsgen, bedauerte den Vorfall in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion sehr. Er könne den Hergang allerdings schwierig aufklären, da die Fahrer/innen (nachvollziehbarerweise) überfahrene Kleintiere nicht bei der Zentrale melden. Zur verlässlichen Rekonstruktion würde die exakte Uhrzeit benötigt, denn auf der Strecke setzt die VKU auch Subunternehmer ein. Hüsgen schließt sich ansonsten den Ausführungen der Pressesprecherin an – Sicherheit der Fahrergäste muss für die Fahrer ganz oben stehen.

 

Bremsen für Tiere im Straßenverkehr – so sieht es rechtlich aus (Quelle: anwalt.de):

Wer für Tiere bremst, muss mit Mithaftung rechnen. Der Fahrer muss sich in Sekundenschnelle entscheiden. Wann und ob ein Bremsen für diese Tiere im Straßenverkehr gerechtfertigt ist, hängt immer von der einzelnen Unfallsituation, der Umgebung, dem nachfolgenden Verkehr und nicht zuletzt von der Größe des Tieres ab.

Faustregel: Je größer das Tier, je eher mit dessen Auftauchen auf der Straße gerechnet werden muss, und je ungefährlicher die Situation für den nachfolgenden  Verkehrsteilnehmer, desto eher darf gebremst werden.

Gemäß § 4 Absatz 1 Satz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) muss der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug immer so groß sein, dass er auch gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Laut Satz 2 darf der Vorausfahrende nicht ohne zwingenden Grund bremsen. Ein „zwingender Grund“ im Sinne der Vorschrift ist dann gegeben, wenn Rechtsgüter wie Leib, Leben oder Gesundheit von Personen oder bedeutende Sachwerte gefährdet sind und nachfolgende Verkehrsteilnehmer durch das Bremsen nicht gefährdet werden.

Der Schutz des Tieres muss hinter dem Schutz von Gesundheit und Leben (von Menschen) zurücktreten. Der Fahrzeugführer hat somit in der betreffenden Situation immer abzuwägen, wie hoch der Schutz des Rechtsgutes wiegt, für das er bremst und wie stark er Menschen damit gefährdet.

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