Stadt Bergkamen reagiert auf Schockvideo: „Evakuierungen hatten nichts mit geplantem Einkaufscenter zu tun“

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Bildquelle Youtube / https://www.youtube.com/watch?v=VnsLCPJ7u-U&feature=youtu.be&fbclid=IwAR28B-yATsSoh_8TO0xEBGOwNdzP0_vM50nQnvX_mpx4_UrEz2WepfQKTmw
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Die Zwangsräumung der beiden Wohnkomplexe an der Töddinghauser Straße in Bergkamen am 15. Mai steht laut Stadtverwaltung in keinerlei Zusammenhang mit der Neuentwicklung der Turmarkaden zum Einkaufscenter.

„Das hat absolut nichts miteinander zu tun“, betonte Bergkamenes Sozialdezernentin Christine Busch am Montagnachmittag (24. 6.) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Stadtspitze reagierte damit auf das  Youtube-Video „Hilferuf aus NRW“, das ein betroffener Eigentümer mit viel Aufwand gedreht und am Wochenende ins Netz gestellt hatte.

Auch Rundblick berichtete über dieses Video (HIER).

Seither überschlugen sich die Reaktionen in den sozialen Medien, zum ganz überwiegenden Teil fassungslos, entsetzt und wütend auf die Stadt Bergkamen. Denn ihr wird in diesem Video indirekt vorgeworfen, mit dem Turmarkaden-Investor gemeinsame Sache gemacht und die Wohngebäude mit insgesamt 60 Eigentumswohnungen unter einem Vorwand geräumt zu haben – weil sie der geplanten Neuentwicklung „im Wege stünden“.

Diesen Verdacht weist Christine Busch für die Stadt mit Nachdruck zurück.

Sie könne verstehen, sagte sie uns, dass die Eigentümer in einer solch schwierigen Situation emotional reagierten. Das Video, das seit Freitag auf Youtube verfügbar war, habe sie sich am Samstag intensiv zweimal hintereinander angesehen; beeindruckt sei sie von dem Aufwand, den der der Ersteller betrieben habe.

„Das Video hat Fragen aufgeworfen, die wir seit Mai beantworten. Wir bräuchten dieses Video nicht, um grundsätzlich hinzuschauen“, macht Christine Busch deutlich, dass die Stadtverwaltung nicht willens ist, nun in Demutshaltung das Büßergewand überzuwerfen.

Man werde dieses umfangreiche Video jedoch zum Anlass nehmen, noch einmal genau hinzuschauen, ob es Dinge gebe, die man verbessern könne oder die man bisher unzureichend bedacht habe.

Offen sagt die Dezernentin aber auch:

„Ich will keine falschen Hoffnungen wecken. Es wird für ganz viele ein finanzieller Schaden bleiben.“

Wie geht es jetzt für die Eigentümer und Mieter weiter?

Verantwortlich für die Brandsanierung der beiden Wohnhäuser ist die Immobiliengesellschaft Beckschulte in Abstimmung mit den Eigentümern, erinnert Busch. Die nächste Eigentümerversammlung werde voraussichtlich am 11. Juli stattfinden. Der Brandgutachter stehe mit der Bauordnung der Stadt in engem Austausch, erst heute Morgen habe es ein weiteres Abstimmungsgespräch gegeben.

Wie lange wird es dauern, bis die Wohnungen wieder bezogen werden können?

Auf Basis der Einschätzung des zuständigen Ingenieurs geht de Stadt von folgender Zeitschiene aus: zwei bis drei Monate dauere die Ausschreibung, ca. ein halbes Jahr die Sanierung. „Wir reden also von 9 bis 12 Monaten.“ Eine positivere Nachricht könne die Stadt den Eigentümern leder nicht geben. „Es ist Eigentum, für das man verantwortlich ist. Auch finanziell.“

Wie sieht es mit finanzieller Kulanz für die Bewohner aus, die derzeit in städtischen Notunterkünften untergebracht sind und dafür ein Nutzungsentgelt bezahlen müssen?

Dazu wiederholt Christine Busch das Angebot, das die Stadt den  Bewohnern schon direkt nach der Evakuierung am 16. Mai gemacht hatte: Dass der Fachbereich Soziales jederzeit für die Betroffenen ansprechbar sei.

„Für individuelle Notlagen finden wir auf jeden Fall Lösungen. Doch wer nicht oder nicht mehr in einer Notunterkunft lebt, sondern eine Wohnung gefunden hat, muss dafür auch Miete zahlen; diese Doppelbelastung können wir allen Betroffenen leider nicht abnehmen.“

Emotional, betont die Dezernentin nochmals, sei die Aufgewühltheit, Ratlosigkeit und auch Verzweiflung der Wohnungsbesitzer völlig nachzuvollziehen. „Ich möchte jedoch betonen, dass wir als Stadt selbst doch nicht das geringste Interesse daran haben, dass diese Gebäude länger leerstehen. Im Gegenteil.“ Und ein Investor, der ein Einkaufszentrum bauen wolle, habe originär ganz gewiss kein Interesse an einem vorsätzlichen Schaden an einem Gebäude mit 60 Wohnungen: „Die Bewohner sind ja alle potenzielle Kunden.“

 

 

 

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