Mit Axt auf Autos los, Lärm, Randale – dennoch auch hier: Keine Handhabe für Unnas Polizei

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Symbolbild Pixabay
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Unna hat es mit einem weiteren notorischen Randalierer zu tun, gegen den die Polizei bisher keine Handhabe hat.

Erinnerungen an den psychisch auffälligen, gewaltbereiten Königsborner aus dem Jahr 2017 werden wach.

Der aktuell auffällige Mann wohnt in einer Seitenstaße im Unnaer Süden und wird seit fast einem Jahr schleichend  zum Schrecken seiner Mitbürger. Auch er ist, wie der „Wiedergänger“ seinerzeit in Königsborn,  psychisch auffällig.

Im November vorigen Jahres wanderrte er abends mit einer Axt durch Massen und zertrümmerte die Scheiben an insgesamt 60 Fahrzeugen. Zuvor randalierte er auf der Unnaer Polizeiwache, zerkratzte Autos.

Aktuell an diesem Dienstag (25. 6.) zermürbte der Mann seine Nachbarn buchstäblich von morgens bis abends lärmend an seiner Wohnanschrift, bestätigte uns Polizeisprecherin Vera Howanietz.

„Seit dem Morgen soll die Ruhestörung angedauert haben. Die Kollegen waren am frühen Abend bei ihm und ermahnten ihn zur Ruhe. Diese hielt aber nicht lange an und die Kollegen waren gegen 21.45 Uhr erneut dort.“

Da der Wohnungsinhaber erheblich unter Alkohol stand, wurde er zur Verhinderung weiterer Ruhestörungen erst mal mit zur Polizeiwache nach Unna verfrachtet. Dort übernachtete er in der Ausnüchterungszelle. Zuvor hätte er sich schon vielzählige Sachbeschädigungen an Pkw geleistet, bestätigt die Polizeisprecherin. Von Angriffen auf Menschen, Raub etc. sei bisher nichts bekannt.

Polizeiwache Unna. (Archivbild RBU)

Auftritt 1 – Bei der Polizei gepöbelt, Autos zerkratzt

Das erste Mal machte er in einer Polizeimeldung Mitte August vorigen Jahres von sich reden. Der betrunkene 33-Jährige war nachmittags in der Polizeiwache an der Oberen Husemannstraße aufgekreuzt und hatte im Vorraum randaliert. „Nachdem er den diensthabenden Beamten beleidigte, wurde ihm ein Platzverweis erteilt, der mit etwas Nachdruck durch die Polizisten durchgesetzt wurde“, formuliert es die Pressestelle der Polizei.

Gegen 18.00 Uhr beobachtete ein Zeuge den Mann, wie er an der Holbeinstraße (im EK-Viertel) mit einem Messer ein Auto zerkratzte.   In Höhe des Getränkemarktes im Bereich der Falkstraße lieferte sich der 33-jährige ein Verbalgefecht mit einem Fahrradfahrer, bevor er in die Harkortstraße marschierte. Dort nahmen ihn die benachrichtigten Polizisten in Empfang.

„Das Verhalten des Mannes hatte sich seit dem frühen Nachmittag nicht geändert, hochaggressiv bedachte er die Beamten mit üblen Schimpfworten“, schildert die Polizeipressestelle weiter.  Da man ihn zuvor mit einem Messer beobachtet hatte, wurde er am Boden liegend gefesselt, was ihm gar nicht passte – er wehrte sich und brüllte herum, schilderte ein Zeuge.

Die Beamten verfrachteten den Pöbler ins Gewahrsam, wo er ausnüchtern konnte. Im Anschluss, schilderte uns Polizeisprecher Thomas Röwekamp, ist er wieder entlassen worden, Anzeige wurde gefertigt. Bei dem Messer handelte sich laut Röwekamp um ein Taschenmesser. „Kein verbotener Gegenstand. Es wurde trotzdem sichergestellt, damit er nicht noch mehr Blödsinn damit macht.“

Symbolbild Axt, Beil / Quelle: Pixabay

Auftritt 2 – Wie die Axt im Walde durch Massen

Bei diesem Ausraster in der Nacht vom 10. zum 11. November zog der schon polizeibekannte Randalierer buchstäblich eine Schneise der Verwüstung durch Massen – mit einem handelsüblichen Beil und brachialer Gewalt.

Dutzende Anwohner der Straßen Im Kamp, Siegfriedstraße, Nordstraße, Kletterstraße, Große Wiese und Bismarckstraße berichteten von einem Mann, der mit einem Beil bewaffnet durch die Straßenzüge lief und scheinbar wahllos auf die am Fahrbahnrand geparkten Autos einschlug.  Im Bereich der S-Bahn-Unterführung Bismarckstraße fing ihn die Polizei ein. Das Tatwerkzeug, ein handelsübliches Beil, hatte er bei sich.

Insgesamt wurden an rund 60 Fahrzeugen mehrere Scheiben eingeschlagen. Der angerichtete Sachschaden belief sich nach vorsichtigen Schätzungen auf mindestens 50.000 Euro.

Warum der Wüterich marodierend durch die Straßen gezogen war, ließ sich nicht vollends aufklären: „Sein eigener Pkw war mit einem Motorschaden am Abend liegen geblieben. Möglicherweise hatte er aus Frust darüber offensichtlich wahllos auf sämtliche Autos eingeschlagen, die am Straßenrand geparkt waren.“

Im Anschluss wurde der 33-Jährige, laut Röwekamp ein Deutscher mit polnischen Wurzeln, szunächst in der LWL-Klinik Dortmund-Aplerbeck gebracht. Aber nicht auf Dauer.

Gleich drei ähnliche Fälle seit Sommer 2017:

Unsere Redaktion berichtete seit vorletztem Sommer über drei vergleichbare Fälle, in denen gewalttätige Männer, obwohl sie immer wieder einschlägig auffielen und immer wieder von der Polizei mitgenommen wurden, nicht längerfristig aus dem Verkehr gezogen werden konnten.

Zwei waren Asylbewerber (aus Fröndenberg und Bergkamen), einer ein deutscher Obdachloser (er sorgte in Königsborn monatelang für Unruhe). Die Fälle sind hier nochmals separat verlinkt.

In allen genannten Fällen ergab sich das gleiche Problem: Für zwangsweise Unterbringung in einem Fachkrankenhaus wie der LWL-Klinik gelten strikte gesetzliche Bestimmungen.

So verhält es sich auch in diesem aktuellen Fall: Sofern die Ärzte in der Klinik keine so gravierenden psychischen Auffälligkeiten feststellen, dass langfristige Unterbringung  erfolgen muss, darf sich der 33-Jährige wieder selbst entlassen.

Anzeigen wegen Sachbeschädigung hat er sich natürlich eingehandelt, doch angesichts der schwindelerregenden Gesamtschadenshöhe ist es für ie betroffenen Autohalter unrealistisch, auf Entschädigung zu hoffen.

Zum Motiv für seine Zerstörungstour mit geschwungenem Beil sagte Thomas Röwekamp: „Der Mann hat sich uns gegenüber nicht zu seinen Gründen eingelassen. Ob sein defektes Auto, dass auf dem Gehweg Massener Straße/ Büddenberg entdeckt wurde ausschlaggebend war, war eine Vermutung unsererseits.“

SERVICE – Wer zahlt für den Schaden?

„Wer Leidtragender ist und eine Kfz-Vollkasko abgeschlossen hat, ist auf der sicheren Seite“, informiert Bodo Temme, Bezirk DO/UN im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Die Versicherung übernimmt die Kosten für neue Scheiben. Auch bei einigen Teilkasko-Tarifen können Glasbruchschäden durch Vandalismus mitversichert sein. Ein Blick in die Versicherungsbedingungen oder ein Gespräch mit dem Versicherungskaufmann bringt Klarheit. Doch standardmäßig müssen Kunden mit Teilkasko-Policen den Schaden aus der eigenen Tasche bezahlen.“

Das Geld dafür könnten sie sich zwar von dem Täter zurückholen, allerdings nur über einen gerichtlichen Klageweg. „Fein raus sind da diejenigen, die die ganze Angelegenheit über ihre Rechtsschutzversicherung abwickeln können“, sagt Temme.

Falls Aufwendungen fürs Abschleppen anfallen, ist ein zusätzlicher Kfz-Schutzbrief nötig. Der Versicherungsvermittler hat außerdem einen Tipp an alle, die betroffen sind: Sie sollten Fotos von den Schäden machen. Bis zu einer Schadensmeldung von etwa 1000 Euro reicht den meisten Versicherungen ein Foto aus. Bei höheren Schäden kann die Versicherung zur Beurteilung einen Beauftragten schicken. Dieser ist meistens der Versicherungsvermittler selbst.

Quelle: BVK

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1 KOMMENTAR

  1. Warum sollte die Polizei auch aktiver werden ist sie doch abhängig von der Staatsanwaltschaft die letztendlich entscheidet und ihre “Qualifikation” ja kürzlich demonstrativ zur Schau gestellt hat. Und warum sollte die Staatsanwaltschaft weitere Maßnahmen erlassen und einen Haftbefehl und Anklage erheben die dann letztlich vor einem Provinzgericht von einem Richter abgeschmettert wird. Die ganze Arbeit und den Schriftkram kann man sich doch ersparen. Was juckt es wenn man dabei gegen das Grundgesetz verstößt ist doch neuerdings Täterschutz über den Schutz der Bürger zu stellen.