„Causa WBU“: CDU-Fröhlichs „Brandmail“ zum Geschäftsführerinnengehalt wird in Gremien Thema werden

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Sicherheit im Internet (Symbolbild: Pixabay)
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141.000 Euro Jahresgehalt plus Dienstwagen: Die mit Beleidigungen und Drohungen gespickte Mail, mit der Unnas CDU-Fraktionsvorsitzender Rudolf Fröhlich dieses Gehalt für die  WBU-Geschäftsführerin durchsetzen will, wird ein Nachspiel haben.

Das ließen heute auf Nachfrage die beiden von Fröhlich angegriffenen SPD-Ratspolitiker durchklingen, Sebastian Laaser und Bernd Dreisbusch.

Wie berichtet, hatte Fröhlich die Mail am Donnerstag (27. Juni) an Bürgermeister Werner Kolter und in Kopie an etwas mehr als ein Dutzend weitere Adressaten geschickt. Unter diesen war nicht Bernd Dreisbusch: Dieser wusste bis zum Wochenende gar nichts von dem  Elobarat, das ausgedruckt mehrere Seiten umfasst.

„Am heutigen Morgen habe ich es im Wortlaut bei Rundblick gelesen“, sagte er uns in einem Telefongespräch am heutigen Mittag. Wobei er halb scherzend, halb ernst bemerkte: „Damit bin ich aus dem Kreis der Verdächtigen eindeutig raus!“

Gemeint ist der überschaubare Verdächtigenkreis, der für die Weiterleitung dieser „geheimen“ Mail in Frage kommt. Sie enthielt keinen Vermerk „vertraulich“. Dennoch hätte sie wegen der in ihr enthaltenen internen Informationen aus den Gremien der städtischen Wirtschaftsbetriebe strikt vertraulich hätte gehandhabt werden sollen/müssen. Wurde sie aber nicht, irgendjemand spielte sie unserer Redaktion am Wochenende anonym zu.

Bernd Dreisbusch, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der WBU. (Foto RB)

Bernd Dreisbusch, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der WBU, wird in Fröhlichs Schreiben namentlich attackiert, zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Frank-Holger Weber (CDU).

Fröhlich zweifelt beider Kompetenz an und stellt gegenüber dem Bürgermeister offen die Frage, ob man sie nicht besser ablösen solle, da sie offenbar nicht in der Lage seien, einen demokratisch gefassten Beschluss der Gesellschafterversammlung durchzusetzen: 141.000 Euro im Jahr plus Dienstwagen für die (neben Kämmerer Achim Thomae) zweite Geschäftsführerin, Frau X.

Der Passus, in dem sich Bernd Dreisbusch wiederfindet, ist der folgende:

Ich werde diese Verweigerungshaltung des Herrn Weber und seines Vertreters, Herrn Dreisbusch, nun nicht weiter hinnehmen! Es ist hier festzustellen, dass beide Herren damit eindeutig ihre Kompetenzen überschreiben, was nicht hinnehmbar ist! Um es deutlich zu sagen: Es sind NICHT die Herren Weber und Dreisbusch, die die Inhalte des Vertrages, insbesondere die Vergütung, in Selbstherrlichkeit bestimmen können! Dieses Recht kommt nach geltender Rechts- und Vorschriftenlage allein der Gesellschafterversammlung zu. Darüber kann überhaupt kein Zweifel bestehen und ich bin auch bereit, dies ggf. jetzt auch juristisch durchzufechten! Meine Geduld ist jetzt am Ende. Es kann nciht sein, dass der Aufsichtsratsvorsitzende (mit Unterstützung von Teilen der SPD-Fraktion?), die Mehrheit der Gesellschafterversammlung „am Nasenring“ durch die Manege zieht und damit gegen Recht und Gesetz sowie gegen demokratische Grundregeln verstößt!  Wer in diesem Rat/dieser Gesellschafterversammlung noch über ein Minimum an Anstand und Demokratiebewusstsein verfügt, der wird mir zustimmen müssen! Die Herren Weber und Dreisbusch besitzen beides offenbar nicht mehr… Beide Herren haben mit ihrem von offensichtlicher Inkompetenz geprägten Handeln bereits schweren Schaden angerichtet.“

Zum Inhalt des Vertrages, bat Dreisbusch uns um Verständnis, werde er sich nicht äußern. „Es gab einen Auftrag an Frank-Holger Weber und mich. Dieser Auftrag kam von der Gesellschafterversammlung. Ihr gegenüber werde ich mich erklären.“

Die ganze Geschichte sei fraglos äußerst ärgerlich „für alle Akteure“. Und er persönlich stelle sich auch sehr nachdenklich die Frage, „wie wir hier in der Unnaer Politik eigentlich  miteinander umgehen.“

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Sebastian Laaser. (Foto RB)

Auch SPD-Stadtverbandschef Sebastian Laaser sieht sich in Fröhliches Mail wenig schmeichelhaft verewigt. Ihm wirft der CDU-Fraktionschef vor,  „zusammen mit seinen Genossen alles getan“ zu haben, um die Geschäftsführerin (deren Vertrag noch nicht unterschrieben ist) zu „beschädigen“; Laasers Verhalten in dieser Angelegenheit sei „verlogen“ und „zynisch“.

Aus unsere Nachfrage erklärte Laaser heute, dass er sich natürlich zum Sachverhalt  nicht öffentlich äußern werde.

„Ich werde aber in den Gremien (Aufsichtsrat, Gesellschafterversammlung) dazu sicherlich meine Meinung sagen“, macht Laaser deutlich. „Wenn wir die gleiche Mail meinen, dann kann man sicherlich dem Verfasser die Frage nach dem richtigen (politischen) Stil ebenso stellen, wie er sie in einer aggressiven Art und Weise anderen stellt.“

Der Hauptadressat der Mail, Bürgermeister Werner Kolter, bat via Stadtsprecher Oliver Böer  um Verständnis darum, „dass ich hierzu keine Auskunft geben kann, da es sich um eine nicht öffentliche vertrauliche Personalangelegenheit handelt.“

Der WBU-Aufsichtsrat tagte zufällig direkt am heutigen Montag.

Rudolf Fröhlich unterstrich gegenüber unserer Redaktion, dass die WBU-Geschäftsführerin nicht dazu verpflichtet sei, ihr Gehalt offen zu legen.

Doch die Gehälter der Geschäftsführungen und  Vergütungen der Aufsichtsräte sind immer im jährlichen Beteiligungsbericht der Kreisstadt Unna aufgeführt: http://www.unna.de/cms/upload/pdf/FM/Beteiligungsbericht_2017.pdf

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5 KOMMENTARE

  1. Die Gesellschafter der WBU sollten besser nicht darauf bestehen dass ihr Beschluss umgesetzt wird scheint er doch offensichtlich in geistiger Umnachtung beschlossen worden zu sein und gegen jegliche juristische und moralische Grundsätze verstößt. Wer eine solche offensichtliche Sesselfurzelstelle, zudem in Doppelspitze, besetzt und die Position mit mehr als 140 T€ plus DW vergüteten will handelt grob fahrlässig. Oder geht es doch um mehr. Wer sich das Organigramm der WBU ansieht ist dann doch überrascht dass es nicht nur um 3 Parkhäuser geht sondern dass die Stadt als Mehrheitsgesellschafter der WBU offensichtlich mit dem Geld der Steuerzahler an unzähligen Unternehmen beteiligt ist. Inwieweit sich diese Beteiligungen als Fluch oder Unsegen herausstellen entzieht sich meiner Kenntnis, bedauerlich ist einzig und allein dass so etwas ebenfalls verschleiert wird.
    Absolut nicht nachvollziehbar ist das Statement von Fröhlich, der ja nun nicht mehr dabei ist ist dessen grinsendes Profilbild, was an sich schon die Verachtung eines jeden Bürgers darstellt, mir zukünftig hoffentlich erspart bleiben wird.,