Maroder Zustand von Schulen: Streit um Filmdreh an PWG Unna – Stadt kontert FDP-Kritik

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Peter Weiss Gesamtschule Unna (PWG). (Foto: Rundblick Unna)
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„Unna verweigert WDR Drehgenehmigung an Peter-Weiss-Gesamtschule!“, schimpft die Unnaer FDP in einem Posting vom Dienstagmittag (9. 7.) auf ihrer Facebookseite. Hintergrund war ein geplanter Beitrag über den schlechten Zustand an den Schulen in NRW – und exemplarisch wollte der WDR an Unnas Innenstadtgesamtschule drehen.

Die Stadtverwaltung sieht sich zu Unrecht am Pranger: Der Sender habe gar keine Anfrage nach einer Drehgenehmigung gestellt.

  • UPDATE 18 Uhr: In einer Mail an unserer Redaktion schreibt der FDP-Fraktionsvorsitzende Günter Schmidt: „Die Geschichte ist leider unzureichend recherchiert und wir möchten nicht, daß Falschmeldungen in Umlauf gebracht werden. Die haben wir nicht sorgfältig genug gearbeitet.“

Die FDP – die bekanntlich im Land, dem die Schulen unterstellt sind, in der Regierungsverantwortung ist –  wirft der Verwaltung in dem Facebookpost Versäumnis vor.

„Obwohl die Schulleitung einverstanden war, hieß es aus dem Rathaus: Nein. Wir finden es schade, denn es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, den Bund stärker in die Pflicht zu nehmen.“

Aus Sicht der Liberalen wurde durch diese Verweigerungshaltung der Stadt „die Chance vertan, auf den Sanierungsstau an den Schulen in NRW aufmerksam zu machen. Das Problem betrifft nicht nur Unna“, wird der Fraktionsvorsitzende Günter Schmidt zitiert.

Rathaussprecher Oliver Böer, den wir am Mittag auf den Vorwurf ansprachen, schickte am Nachmittag eine umfassende Replik der Stadt. Darin heißt es:

  1. „Eine Anfrage seitens des WDR an die Stadt Unna, an der städtischen Peter-Weiss-Gesamtschule (PWG) Filmaufnahmen zu machen, hat es zu keiner Zeit gegeben. Auch weitere Anfragen des WDR zum Thema Peter-Weiss-Gesamtschule an die Stadt Unna gab es in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht.
  2. Nach unseren bisherigen Recherchen hat sich der WDR unmittelbar an eine uns nicht namentlich bekannte Lehrerin zum Thema Sanierungsstau an Schulen gewandt. Genannte Lehrkraft hat die Anfrage an die Schulleitung der PWG weitergegeben, die sich mit diesem Thema an den Schulträger wandte.
  3. Die Schulverwaltung hat nach Rücksprache mit der Beigeordneten Frau Heidler die Schulleitung der PWG beraten. Dabei wurde empfohlen, dass es im Interesse der Schule sei, den WDR insbesondere über bereits durchgeführte Sanierungsmaßnahmen zu informieren. Bei weiteren Fragen stünde die Pressestelle in Absprache mit den Fachstellen der Verwaltung gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung. Diese Auskunft hat die Schulleitung der PWG wohl an die Lehrerin weitergegeben. Was diese Kollegin wiederum gegenüber dem WDR geäußert hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Von Filmaufnahmen war bei dieser Anfrage keine Rede – insofern ist eine solche Anfrage auch nicht abschlägig beschieden worden.
  4. Im Übrigen sind explizit an der PWG seit 2008 rd. 7,2 Millionen in Sanierungsmaßnahmen investiert worden.“

Exemplarisch nennt Böer folgende Maßnahmen:

Haus 3 Aula

1961

2008-2009

KfW/Energetische Gebäude-Sanierung

Dach, Fassade und Fenster, Heizung

Erneuerung Boden Verwaltung

Haus 1,2+4

1961

2009-2010

KfW/Energetische Gebäude-Sanierung

Komplett Sanierung Haus 1, ohne

Heiz- und Wasserleitungen

Haus 2+4

Dach, Fassade und Fenster

Haus 8

1987

2010-2011

komplett Sanierung Küche/Mensa

3-fach SpH

1983

2010-2011

Dach und abgehängte Decken erneuert,

Prallschutz neu

Haus 4

1961

2011

KPII/ 1 NW-Raum erneuert

Einschließlich Möblierung

3-fach SpH

1983

2012

Neue Trennvorhänge montiert

Haus 7

1971

2012-2013

Brandschutz Haus 7, Abtrennung

2013

Sanierung Fenster + Fassade

Erneuerung Boden Verwaltung

Haus 1

1961

2015/17

WC-Anlage komplett Sanierung, einschl.

neuer K-Wasserleitung vom Hausanschluss

Haus 7

1971

2016-2020

KPIII Energetische Sanierung Fassade, Dach,

Fenster und Sonnenschutz (läuft noch)

„Hinzu kommen Aufwendungen für Reparaturmaßnahmen und technische Wartungen, die sich seit 2010 auf rd. 1,1 Mio. Euro belaufen“, heißt es weiter in der Stellungnahme der Stadt.

„Aktuell besteht ein Sanierungsbedarf in Bereichen einer der Turnhallen („Alte Turnhalle“) sowie der Unterrichtsräume im ehemaligen Sportheim.
In Zukunft (geplant 2022) stehen weitere Maßnahmen wie die energetische Sanierung am Haus 6 (Baujahr 1929) an.“

Die FDP hatte das Thema bereits im Juni für sich entdeckt.

„Am Montag (24.06.) waren Lehrerinnen aus Unna in der Fraktion zu Gast und berichteten über die Missstände an ihrer weiterführenden Schule“, schildert sie in einem Facebookpost vom 26. Juni. „Noch immer haben einige Grundschulen Toilettenanlagen, die unser Bürgermeister als Grundschüler schon benutzt haben könnte. So geht es nicht weiter! Welche Wertschätzung bringen wir unseren Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, Hausmeistern, Sozialarbeitern, Integrationskräften, Referendaren und den Eltern damit eigentlich entgegen?


Ja, Unna tut was, Unna investiert in die Schulen. Und vielleicht mehr als andere Kommunen das tun. Aber unserer Meinung nach zu spät und nicht genug.

Eine Schule muss so sauber sein wie die Flure im Rathaus und Toiletten haben, die auch ein Bürgermeister gern benutzt.“

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