„Ist das noch ein Kurpark, Herr Ahlers?“ Ein Spaziergang mit Königsborns Ortsvorsteher

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Ortsvorsteher Wolfgang Ahlers, hier beim Kurpark-Interview mit unserer Redaktion im Sommer vor dem Café Bistro. (Foto RB)
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Unser Interview des Monats Juli führten wir mit dem Ortsvorsteher von Unna-Königsborn, SPD-Ratsherr Wolfgang Ahlers. Wir machten dazu mit ihm einen Spaziergang durch den Kurpark.

Herr Ahlers, wir stehen hier mitten im Kurpark, irgendwo auf halber Entfernung zwischen Friedrichsborn und Travados-Circus. Wenn Sie sich so umschauen: Was geht Ihnen durch den Sinn?

Wolfgang Ahlers: Ich habe eine andere Vorstellung von Kurpark.

Welche?

Wolfgang Ahlers: Es wirkt hier an manchen Stellen inzwischen doch ziemlich verwahrlost. Natürlich lassen sich die früheren Zeiten des Kurbades Königsborn nicht wiederholen. Aber ein Kurpark oder auch ganz einfach ein Park sollte in meiner Vorstellung ein freundlicheres, gepflegteres Bild abgeben. So wie im Moment wirkt er nicht wirklich einladend. Das ist schade! Denn (er blickt sich um, zeigt auf die Wiesen) der Park wird ja von den Bürgern sehr gut angenommen, sie gehen spazieren, liegen bei schönem Wetter wie heute auf den Wiesen…

Und doch gibt es zusehens immer mehr Vermüllung, Farbschmierereien oder Spazierwege, die einfach zuwuchern…

Beschmiertes Schild. (Foto RB)
Von Brennesseln und Wildkraut eingewucherter Weg. (Foto RB)
Auch Farbschmiererei zieht im Park immer größere Kreise. (Foto RB)

Wolfgang Ahlers: Zu dem Problem mit dem Müll und dem Vandalismus: Wir haben einige, die keinen Gemeinsinn haben. Wenn man ihrer habhaft wird, ist die Härte des Gesetzes erforderlich.

Mit anderen Worten, Sie sehen die Polizei gefordert? Diese spielt den Ball aber zurück: Die Polizeisprecherin sagte uns zu diesem Thema bedauernd, man habe insbesondere den Bereich am Bistro und an der JKS nach der Brandstiftung Anfang April natürlich intensiver im Blick, aber für ständige Präsenz fehlen die Personalressourcen. Leser regten an, statt dessen den Ordnungsdienst stärker im Park einzusetzen, wie sehen Sie das denn?

Wolfgang Ahlers: Das halte ich für durchaus sinnvoll und wünschenswert. Die Langzeitarbeitslosen, die für dieses Ordnungsdienstprojekt eingesetzt werden, haben zwar keine rechtlichen Befugnisse, aber allein die Präsenz dieser Ordnungsstreifen zeigt aus meinem Empfinden durchaus Wirkung.

Bleibt festzustellen?

Ortsvorsteher Wolfgang Ahlers vor der abgesperrten Pumpstation, dem Friedrichsborn: Die Sanierung des historischen Bauwerks ist nicht mehr für dieses Jahr zu erwarten. Eine von vielen Baustellen im Park des einigen Kurbades. (Foto RB)

Wolfgang Ahlers: Wir haben kein Geld. Ich sage es klar, wie es ist, es ist ja auch kein Geheimnis. Die Stadt ist pleite. Die Stadtbetriebe tun hier im Park das Nötigste, mehr ist aber nicht zu erwarten. Es ist viel Arbeit. Sehr viel.

Was hielten Sie davon, den Kurparkverein wieder aufleben zu lassen, vielleicht mit dem Ortsvorsteher als Vorsitzendem?

Wolfgang Ahlers: Ich war damals Mitglied im Kurparkverein. Es hatte ja Gründe, dass er 2015 aufgegeben hat. Man ist Bittsteller. Natürlich würde ich es begrüßen, wenn sich engagierte Ehrenamtliche für einen neuen Kurparkverein fänden. Ich würde nicht selbst dazu aufrufen. Denn dann sähe ich mich auch in der Pflicht, etwas zu bewegen. Und das kann ich nicht versprechen. Man sitzt als Ortsvorsteher da zwischen den Stühlen. Die Bürger haben gewisse Erwartungen, gewisse Hoffnungen. Geht man damit an die Verwaltung, muss man sich einreihen hinter zahlreiche andere Erwartungen, die aus der jeweiligen Sicht ebenso berechtigt sind. Ich verspreche grundsätzlich nichts.

Absperrung der Jugendkunstschule nach dem Brand Anfang April 2019. (Foto RB)
Vermülltes Amphitheater an einem Sonntagmorgen, Foto einer Leserin.

Das klingt alles ziemlich ernüchtert, um nicht zu sagen resigniert. Haben Sie hinsichtlich des Kurparks das Handtuch geworfen?

Wolfgang Ahlers: Ich würde nicht von Resignation sprechen, sondern von Realismus. Es ist ja nicht so, dass sich im Park gar nichts tut. Die Wege wurden in den letzten Jahren nach und nach hergerichtet, die große Eiche am Bistro wird jetzt dauerhaft beleuchtet: Darum hat sich ein Verein gekümmert, und diese Illumination sieht wirklich sehr schön aus.

Womit wir auch im Kurpark wieder bei der Lichtkunst wären, bei Unna, der Stadt des Lichts…?

Völlig kaputt: die kupferne Infosäule an der Jugendkunstschule. (Foto RB)

Wolfgang Ahlers: Es darf natürlich nicht nur bei schöner Beleuchtung bleiben. Daran arbeiten wir ja jetzt.

Nach der wiederholten massiven Vermüllung und dem Vandalismus an Jugendkunstschule und Circus Travados im Mai gingen Sie mit dem SPD-Ortsverein Königsborn-Alte Heide sogar sehr deutlich in die Offensive. Sie listeten die Probleme im Kurpark ungeschönt auf und formulierten daraus einen Antrag an den Rat. Könnten Sie für unsere Leser kurz zusammenfassen, was Sie nun von der Stadt erwarten, trotz der bekannt knappen Finanzmittel?

Müllcontainer vor dem Café Bistro. (Foto RB)

Wolfgang Ahlers: Ein Konzept fehlt! Dazu listen wir in dem Antrag ja mehrere konkrete Punkte auf:

1. Welche Maßnahmen plant die Verwaltung, um den Kurpark in einen ordnungsgemäßen Pflegezustand zu versetzen? 2. Existieren Pläne für die Entwicklung des Geländes der Jugendkunstschule sowie des Bistro im Kurpark? Wann kann mit einem Gesamtkonzept für den Bereich gerechnet werden und welche Meilensteine sieht die Verwaltung hierfür vor? 3. Bis wann gedenkt die Stadt das Bistro wieder in einen vermietbaren verpachtbaren Zustand zu versetzen? Und 4. Gibt es einen verbindlichen Zeitplan für die Instandsetzung des Pumpwerks Friedrichsborn? Wir brauchen jetzt ein vernünftiges Konzept – und das muss Punkt für Punkt abgearbeitet werden.

Mit Ortsvorsteher Wolfgang Ahlers sprach Silvia Rinke. Sie finden es auch in unserem kostenlosen Monatsmagazin Rundblick Unna (hier auf der Website unter Magazine eingestellt), Ausgabe Juli 2019.

 

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