„Nicht füttern!“ Werbering Unna warnt vor „Tauben-Plage“ – Tierschützer halten dagegen

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Tauben vor einem Geschäft auf der Massener Straße. (Foto RB)
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„Nicht füttern, Nistplätze verschießen! Bitte helfen Sie in Unna, eine Stadttauben-Plage zu verhindern!“

Ungeachtet des energischen Widerspruchs des Tierschutzvereins Unna (TSV) beharrt der City-Werbering darauf, dass Unna ein Taubenproblem hat bzw. bekommen könnte.

Ein von Händlern, Stadtmarketing und Ordnungsamt gemeinsam gestalteter Flyer wurde den CWU-Newsletter angefügt, der am Freitag (9. 8.) an die Mitglieder verschickt wurde.

Die in dem Flyer empfohlenen Maßnahmen gegen die „Plage“, so ein „Aushungern“ der Stadttauben oder das Verschließen möglicher Nistplätze, brachte vor einigen Wochen bereits die Unnaer Tierschützer auf die Palme. Den Vögeln Nahrung zu entziehen sei schiere Tierquälerei und bewirke das Gegenteil, schimpfte der TSV in einer umfassenden Stellungnahme.

Taube in der Unnaer Innenstadt. (Foto RB)

In dem vom Werbering unterstützten Flyer wird auf gesundheitliche Gefahren und Schmutz durch Stadttauben abgehoben und Folgendes geraten:

  • Füttern Sie keine Tauben. Sie verhindern damit eine völlig unnatürliche Vermehrung.
  • Werfen Sie keine Nahrungsabfälle und Speisereste auf unsere Straßen und Plätze, lassen Sie nichts liegen. Selbst die kleinsten Brotkrumen sind ein Beitrag zu einer möglichen Stadttauben-Plage.
  • Sprechen Sie Menschen an, die Tauben füttern, weisen Sie auf die Folgen der Überfütterung hin. Was die Stadttauben nicht fressen, holen sich Nager, Ratten und Mäuse.
  • Verschließen Sie mögliche Nistplätze an und in Gebäuden. Fachfirmen, die professionelle Abwehrmaßnahmen bieten, finden Sie im Internet oder Telefonbuch unter dem Stichwort „Schädlingsbekämpfung“ oder „Taubenabwehr“.
  • Vermeiden Sie einen längeren Aufenthalt an Nistplätzen und einen direkten Kontakt mit Taubenkot.
  • Verzichten Sie auf Abwehrmaßnahmen, die den Tauben Schmerzen zufügen oder sie töten: Gifteinsatz oder Abschuss sind strafbar.

„Geldbuße bei Missachtung – Stadttauben-Plage verhindern!“

Demgegenüber vertritt der Deutsche Tierschutzbund eine völlig andere Meinung. Er schreibt:

Stadttauben sind Nachkommen entflogener Haustauben, für deren Wohlbefinden der Mensch die Verantwortung trägt. Leider sind viele Menschen diesen anpassungsfähigen und intelligenten Vogel gegenüber eher negativ eingestellt. Durch große Stadttaubenschwärmen in den Innenstädten fühlen sich viele Menschen belästigt oder befürchten die Übertragung von Krankheiten. Dabei ist letzteres unbegründet: Die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere (mehr dazu in unserem Positionspapier).

Menschen versuchen die Tauben mit Netzen, Spikes – Spitzen auf Simsen und Dächern – oder das Aufstellen von Attrappen von Gebäuden zu vertreiben. Immer wieder werden die Vögel gezwungen, sich neue Nistplätze zu suchen.

Weiterhin wurden und werden vereinzelt Tötungsaktionen durchgeführt. So streut man zum Beispiel mit Blausäure vergiftete Körner aus oder fängt die Tauben im Morgengrauen in Netzen und bricht ihnen das Genick. Weil aber jede Stadt den Tauben reichlich – allerdings inadequates – Futter bietet, regenerieren sich die Bestände innerhalb weniger Wochen. Die tierquälerischen Tötungen führen zu nichts und können von keinem Tierschützer toleriert werden. Wir lehnen die Tötung von Tauben strikt ab.

Tiergerechte Bestandsregulierung

Die einzige tiergerechte Lösung ist ein integriertes Konzept zum Zusammenleben von Tauben und Menschen in den Städten. Zu der wichtigsten Maßnahme bei einer tiergerechten Bestandesregulierung gehört unter anderem die Einrichtung von geeigneten Nistmöglichkeiten, die für die Tauben attraktiv sind und in denen durch ein Austausch der Gelege der Bestand der Tauben reguliert werden kann. Deshalb sollten für die Tiere Taubenhäuser/-türme errichtet werden.

Die Standortwahl ist dabei entscheidend: Die Häuser werden nur von den Tauben akzeptiert, wenn sie dort aufgestellt werden, wo sich bereits seit längerer Zeit Tauben in größerer Zahl aufhalten. Sie sollten ca. 10-20 m hoch sein, nicht in unmittelbarer Nähe von hohen Bäumen errichtet und nicht in Senken aufgestellt werden. Ein festes Taubenhaus anzufliegen, entspricht den Bedürfnissen der Tauben und entlastet zudem die Hausbesitzer, da der Taubenkot in den Taubenhäusern gesammelt werden kann.

Werden die Brutmöglichkeiten von den Tauben akzeptiert, kann dort ein Eiaustausch erfolgen. Dazu werden frisch gelegte Eier in den Nestern gegen Plastikeier ausgetauscht.

Zur langfristigen und tierschutzgerechten Regulierung von Stadttaubenschwärmen ist eine mehrgleisige Strategie nötig – sowohl zur beschriebenen Einrichtung von Taubenhäusern als auch der Versorgung der Tauben mit artgerechtem Futter in den Einrichtungen. Weiterhin muss die Bevölkerung Anlaufstellen haben, an die sie sich bei Fragen und Problemen wenden kann.

Tauben richtig füttern

Einzelne, in das Projekt eingebundene Personen sollten die Tauben in den Taubhäusern mit artgerechtem Futter und – wenn nötig – an anderen festgelegten Stellen der Stadt füttern. Tauben sollten nicht unkontrolliert gefüttert werden. Im Stadtzentrum ernähren sich die Tauben hauptsächlich von Abfällen und von vom Menschen ausgestreutem Weizen, Reis, Vogelfutter und Mais. Dem ausgebrachten Futter fehlen jedoch oft wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiße. Mit diesem Mangelfutter können Stadttauben ihre Jungen weniger erfolgreich aufziehen als Tauben in den städtischen Randgebieten. Die schlechte Ernährung schwächt die Nestlinge, so dass sie gegen Krankheitserreger nur wenig Widerstandskraft haben.

Auch die Fütterung zu unregelmäßigen Zeiten ist problematisch: Häufig halten sich dann beide Taubeneltern gleichzeitig am Futterplatz auf und warten unter Umständen recht lange auf Futter. Die Jungen im Nest werden dann vernachlässigt. Gibt es Nahrung konzentriert an einer Stelle, verdrängen aggressive und große Tiere (meist Männchen), die weniger kräftigen Weibchen und Jungtiere. Diese können so oft nicht genug Futter aufnehmen. Tauben im Stadtzentrum wiegen durchschnittlich weniger und sind schlechter ernährt als die weniger vom Menschen abhängigen Tiere in der Stadtperipherie.

Quelle: https://www.tierschutzbund.de

 

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