Couragierte Zeugen fangen Taschendieb – doch Erfolg währt nur kurz

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Symbolbild Pixabay
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Tja, diese mangelnden Haftgründe.

Kaum unter Einsatz von Zivilcourage und Körpereinsatz eingefangen, durfte dieser Kriminelle schon wieder seiner Wege ziehen….

Gemeinsam mit einem weiteren Zeugen hat eine 54-jährige Lüdenscheiderin am Mittwochmittag (14. August) in der Dortmunder Innenstadt einen Taschendieb gestellt. Die Frau war gegen 13.30 Uhr an einem Infomobil auf dem Vorplatz der Reinoldikirche tätig, als sie plötzlich bemerkte, wie ein Mann aus dem Mobil sprang.

Weil sich ihre Handtasche in dem Wagen befand, schöpfte sie sofort Verdacht – stellte fest, dass ihr  Portemonnaie fehlte, und griff sich sofort den Fremden. Ein 45-jähriger Zeuge aus Lünen kam ihr dabei zur Hilfe, schildert die Dortmunder Polizei.

Bei dem 46-jährigen Dortmunder fanden sie tatsächlich auch die Geldbörse, und in seiner verzwickten Situation gab der Mann schließlich auch noch das Mobiltelefon der Frau heraus, dessen Fehlen sie noch gar nicht bemerkt hatte. Die eintreffenden Polizeibeamten nahmen sie den Mann fest, bei seiner Durchsuchung fanden sie zudem eine weitere Geldbörse, die ebenfalls aus einem Diebstahl stammen könnte.

„Die Polizisten brachten den 46-Jährigen ins Polizeigewahrsam. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde er von dort mangels Haftgründen entlassen“,

schließt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt wie leidsam häufig ab.

Die Ermittlungen – auch zur Herkunft der zweiten Geldbörse – dauern an.

Stichwort: Haftgründe

Einbrecher werden auf frischer Tat oder kurz nach der Tat erwischt, sind zum Teil bereits einschlägig polizeibekannt. Und doch lässt die Polizei – „muss“ die Polizei, wie es in vielen Polizeimitteilungen inzwischen formuliert ist – sie nach der Vernehmung gleich wieder laufen lassen: weil „keine ausreichenden Haftgründe“ vorliegen.

Um einen Tatverdächtigen oder sogar überführten Täter in die Zelle zu verfrachten, hat der Gesetzgeber in Deutschland in der Tat hohe Hürden errichtet. Gegenüber dem Beschuldigten muss zunächst dringender Tatverdacht vorliegen. Ein so dringender, dass eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ besteht, dass der Beschuldigte später verurteilt wird.

Zweite Voraussetzung ist ein Haftgrund. Der häufigste ist Fluchtgefahr:  Es ist nicht nötig, dass der Beschuldigte sich bereits versteckt hält oder auf der Flucht ist. Fluchtgefahr kann auch gegeben sein, wenn den Betreffenden nichts hält (keine familiären/persönlichen Bindungen).

Wenn der Verdächtige keinen festen Wohnsitz vorweisen kann, darf dies nicht als Fluchtgrund angeführt geben. Dies ist laut Gesetzgebung „unstatthaft, da es sich um eine formelhafte Wendung handelt“. Die Haftgründe sind statt dessen ausführlich darzulegen.

Auch Verdunkelungsgefahr ist ein häufiger Grund, den Betreffenden fürs Erste hinter Schloss und Riegel zu verfrachten. Der Beschuldigte soll durch das Wegsperren davon abgehalten werden, Beweismittel zu vernichten, zu verändern oder Zeugen zu beeinflussen.

Damit ausländische Kriminelle abgeschoben werden können, sind eine rechtskräftige Verurteilung sowie eine Mindestfreiheitsstrafe erforderlich (z. B. zwei Jahre Jugendhaft ohne Bewährung).

– Quellen: Rechtslexikon online, Wikipedia

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