„türken, feuer“: Brandanschlag von Solingen als „Kanzelrede“ in Unnas Ev. Stadtkirche

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Autorin Özlem Özgül Dündar. (Foto Stadt Unna)
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Literatur auf der Kanzel im Sonntagsgottesdienst hat in Unna Tradition: „Kanzelreden“ nennt sich die Reihe. An diesem Sonntag steht die Kanzelrede unter dem Titel „türken, feuer“.

Kanzelrednerin ist die preisgekrönte Autorin Özlem Özgül Dündar, ihr Thema ist der rechtsextreme Brandanschlag von Solingen vom Mai 1993, bei dem fünf Menschen starben. Die Autorin lässt Mütter, die das niedergebrannte Haus bewohnten, und eine Tätermutter zu Wort kommen.

„Im Hinblick auf die vermehrten Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in der jüngsten Vergangenheit zeugt die Thematik von brisanter Aktualität“, finden Kirche und Stadt Unna als gemeinsame Veranstalter.

Hier die Ankündigung der Stadt Unna.

Seit vielen Jahren setzen die  „Kanzelreden“ von Vertretern der schreibenden Zunft oder Akteuren des öffentlichen Lebens Akzente in der Diskussion gesellschaftlich relevanter Themen. Mal zur Reformation, zur Toleranz, zum Krimifestival „Mord am Hellweg“ oder wie in diesem Jahr zum Thema Verbrechen und Wiederholung von Geschichte. Die Veranstaltungsreihe wird vom Kulturbereich der Kreisstadt Unna in Kooperation mit der ev. Stadtkirche Unna organisiert und durchgeführt.

Die 1983 in Solingen geborene Autorin und Übersetzerin Özlem Özgül Dündar liest am kommenden Sonntag, 1. September 2019, im Rahmen der Literarischen Predigt einen Auszug aus ihrem Romanmanuskript „türken, feuer“, in dem es um die sprachliche Verhandlung eines Brandanschlags geht. Das Verbrechen an einer türkischen Familie in Solingen aus dem Jahre 1993 diente als Vorlage für den Roman und ist gleichzeitig Ausgangspunkt der Erzählung.

Özlem Özgül Dündar schreibt Lyrik, Prosa und szenische Texte, die bereits in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden und durch eine gleichermaßen sinnliche als auch intellektuelle Ästhetik bestechen. Mit ihrem Text „und ich brenne“ wurde Dündar auf den 42. Tagen der deutschsprachigen Literatur 2018 bereits mit dem Kelag-Preis ausgezeichnet. Die Autorin studierte Literatur und Philosophie in Wuppertal und seit 2014 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Als Übersetzerin überträgt sie Lyrik aus dem Türkischen. Ihr erster eigener Lyrik-Band Gedanken Zerren. erschien 2018 im Elif Verlag. Zuletzt gab sie zusammen mit Ronya Othmann, Mia Göhring und Lea Sauer die Gedichte-Sammlung „FLEXEN. Flâneusen* schreiben Städte“ heraus.

Der Beginn des Gottesdienstes am Sonntag ist um 11 Uhr, der Eintritt ist frei.Im direkten Anschluss an den Gottesdienst wird Özlem Özgül Dündar der Alfred-Müller-Felsenburg-Preis im Nicolaihaus verliehen.

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