„Nerven verloren“: Kleinkind tot – Pflegevater ins Gefängnis

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Gefängnis / Symbolbild, Quelle Pixabay
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Er sei überfordert gewesen mit dem Kind, habe schließlich „die Nerven verloren“. Der kleine Junge ist tot, wurde nicht einmal zwei Jahre alt, der Pflegevater muss ins Gefängnis.

Am gestrigen Mittwoch (28.8.) sprach das Schwurgericht am Landgericht Hagen das Urteil im Prozess um den Tod eines 17 Monate alten Pflegekindes aus Plettenberg. Der 30 Jahre alte Pflegevater wird für 12 Jahre ins Gefängnis geschickt. Das Urteil folgte weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger.

„Vor dem Hintergrund des Stresses, der Wut und Frustration hat er die Nerven verloren und das alles ausradiert am Kind“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Der Angeklagte nahm den Tod des Kindes billigend in Kauf.“

Der Fall:

 

Es war eine Tragödie, die sich Anfang Januar in einer Wohnung im Märkischen Kreis abspielte. Ein gerade mal ein Jahre altes Kind starb an schweren körperlichen Misshandlungen – es war in Obhut einer Pflegefamilie, und unter Verdacht stand sofort der Pflegevater des Kindes.

Die in Plettenberg wohnenden Pflegeeltern des 1-Jährigen Kindes hatten es am Abend des 2. Januars ins  Klinikum Lüdenscheid gebracht. Aufgrund der Schwere der Verletzungen musste das Kind noch in der Nacht in die Uniklinik Essen ausgeflogen werden. Dort verstarb der Säugling in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages an schweren Hirnverletzungen.

Die Verletzungen und letztlich der Tod des Kindes waren auf Gewalteinwirkung zurückzuführen, ergab die Obduktion. Konkret soll der Kopf des Kindes massiv geschüttelt worden kein, von „zahlreichen Schlägen auf den Kopf“ war in der Anklage die Rede, von Schlägen mit einem Staubsaugerrohr.

Die Anklage gegen den Pflegevater erfolgte wegen Totschlags und Kindesmisshandlung. Am ersten Prozesstag wurde auch die Pflegemutter durch Zeugenaussagen belastet, sie sei mit der Situation überfordert gewesen. Denn der in seiner Entwicklung zurückgebliebene Junge war im August 2018 in die Familie gekommen. Kurz danach wurde die Pflegemutter schwanger und der Pflegevater bekam einen Herzinfarkt.

Ein Gerichtsreporter des WDR gab zum Prozessauftakt Aussagen von Freunden der Familie wieder, wonach das Paar meist „sehr liebevoll mit dem Jungen umgegangen“ sei. Auch den Nachbarn sei nichts aufgefallen, hätten zwar dann und wann blaue Flecken im Gesicht des Jungen registriert, ihnen jedoch keine größere Bedeutung beigemessen.  Auch dem Kinderarzt soll nichts aufgefallen sein.

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