Turmarkaden-Investor: „Wohnkomplex war und wird nie Teil unserer Planungen“ – Abbruch im Zwielicht

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Turmarkaden an der Töddinghauser Straße Nr. 139. (Foto RB)
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Der Wohnkomplex mit 60 Eigentumswohnungen neben den Bergkamener Turmarkaden ist „kein Bestandteil der Planungen für das neue Einkaufzentrum“, unterstreicht der Investor. „Dies war er nicht und wird es auch künftig nicht sein.“

Zugleich stellen sich neue Fragen rund um die „Causa Töddinghauser Straße“ (hier unsere jüngste Zusammenfassung):  Jetzt gerät der Abbruch der Turmarkaden ins Zwielicht. Fragwürdigkeiten um das Abrissunternehmen tun sich auf.

Aus Unterlagen, die unserer Redaktion vorliegen, geht hervor, dass der Eigentümer und Investor – die Düsseldorfer Interra Immobilien – für den gesamten Abbruch der Arkaden offenbar nur eine einzige „Ein-Mann-Baggergesellschaft“ beauftragt hat.

Entsprechend ist der Abbruch denn auch auch versichert – mit einer Einlage von gerade einmal 500 Euro.

(Abbildungen oben Auszüge aus dem Handelsregister)

Für den Gutachter der Eigentümergemeinschaft, Thomas Albrecht, ist dies eine weitere Unfassbarkeit in dieser nun schon über ein Vierteljahr währenden Causa. Bei einem größeren Abbruchschaden (etwa wenn der direkt angrenzende Wohnkomplex Nr. 137 beschädigt würde) könnte dieser 1-Mann-Unternehmer Insolvenz anmelden, 500 Euro auf den Tisch legen und sich verabschieden, skizziert Albrecht das Szenario, wer haftete in einem solchen Fall für den Schaden an dem Gebäude?

Zusätzlich stellt sich für den Gutachter die Frage: Woher kommen die anderen Arbeiter auf der Baustelle? Wer beschäftigt sie, wer versichert sie?

Und dann war da noch dieser ominöse Vorfall  am vergangenen Mittwoch, 21. August, als ein Arbeiter im Streit von einem Unbekannten in einen vier Meter tiefen Aufzugsschacht im Keller unter Haus Nr. 137 gestoßen wurde – der Täter ist flüchtig, der Arbeiter wurde schwer verletzt ausgeflogen. War es purer Zufall, dass diese Tat im Turmarkadenkomplex passierte?

Zu den Fragwürdigkeiten um den Abbruch baten wir natürlich auch bei Interra selbst um eine Stellungnahme. Wir fragten zugleich danach, was der Investor der „Bergkamen Galerie“ zu dem immer stärker in der Öffentlichkeit geäußerten Verdacht sagt, die Interra plane die beiden Wohngebäude in die Neuentwicklungen der Turmarkaden mit ein – die Ausquartierung der Bewohner durch die Stadt sei nur vorgeschoben worden, in Wirklichkeit stehe eine „kalte Räumung dahinter“.

Alexander Dold vom Vorstand antwortete uns wie folgt:

„Das von uns beauftragte Abbruchunternehmen beschäftigt mehrere Mitarbeiter direkt. Darüber hinaus sind, wie bei solchen großen Projekten üblich, auch Subunternehmer beschäftigt. Die gesamten Abbrucharbeiten werden regelmäßig von der BauGB und dem Gewerbeaufsichtsamt überprüft.

Zum Thema Versicherungsschutz besteht sowohl auf Seiten unseres Abbruchunternehmers als auch auf Seiten der Subunternehmer ausreichend Versicherungsschutz (Ihre Information in Bezug auf die 500 EUR ist insofern nicht korrekt).

Unabhängig davon, ist auch die Projektgesellschaft, welche Eigentümerin des Objektes und Bauherrin ist, über eine Bauherrenhaftpflicht in ausreichender Höhe versichert. Wenn Sie eine genaue Auflistung des von Anfang an bestehenden Versicherungsschutzes möchten, können wir Ihnen diese gern durch unseren Versicherungsmakler erstellen lassen.

Zusätzlich zu dem bereits  bestehenden Versicherungsschutz – als Zeichen des guten Willens und zur Unterstreichung des Willens zur guten Nachbarschaft – hat die Bauherrin (ohne dass dies aus ihrer Sicht nötig ist – s.o.) ergänzenden Versicherungsschutz für den Fall eingeholt, dass das auf dem WEG-Grundstück aufstehende Gebäude zu Schaden kommen sollte.

In Bezug auf den Verdacht der Eigentümer der geräumten Wohnkomplexe ist uns nicht klar, wie ein solcher Verdacht überhaupt entstehen kann.

Zu keiner Zeit ist der Wohnkomplex Teil unserer Planungen gewesen. Dies ist er auch heute nicht und soll es auch zukünftig nicht werden.

Die Planungen für das neue Einkaufszentrum und die für das Projekt zu stellenden Bauanträge betreffen ausschließlich das der Bauherrin gehörende Grundstück.

Die Räumung durch die Stadt Bergkamen erfolgte allein aufgrund behördlicher Anweisung. Sie steht mit unserem Bauvorhaben in keinerlei Zusammenhang.“

Dies hatte auch Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer (SPD) mehrfach öffentlich unterstrichen. In einem Interview in der WDR-Lokalzeit nannte Schäfer gegenteilige Behauptungen „absurde Verschwörungstheorien“.

 

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