Töddinghauser Str.: Bürgermeister Schäfer gibt Eigentümern die Schuld an der Hängepartie

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Protestplakat am Bauzaun. (Foto RB)
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In der inzwischen über drei Monate währenden Hängepartie um den ekuierten Wohnkomplex Töddingerhauser Straße 135/137 sieht Bergkamens Bürgermeister die Schuld bei den Eigentümern. Sie selbst – und nicht die Stadt –  ließen die Bewohner der 60 Wohnungen hängen, geht Roland Schäfer die Eigentümerseite auf seiner Facebookseite öffentlich an.

Während sich seine Partei, die SPD, wie alle anderen Ratsfraktionen bisher gar nicht zu dem Streit geäußert hat (für Montag wurde uns auf Nachfrage eine Stellungnahme angekündigt), ging der sozialdemokratische Bürgermeister am Wochenende auf offene Konfrontation zu den Eigentümern. Mitlesende auf Schäfers Facebookseite irritierte dieser öffentliche Gegenkurs des Stadtoberhaupts zu seinen Bürgern erheblich. Einige waren entsetzt.

Die Debatte entwickelte sich unter einem Foto, das den Abbruch der Turmarkaden zeigt.  Roland Schäfer schrieb dazu: „Es geht voran!“

Während sich daraufhin zuerst eine Diskussion über Für und Wider des geplanten Einkaufszentrums entspann (Interra Immobilien will die Arkaden zur „Bergkamen Galerie“ entwickeln), stellte Leserin Bianca Beez (die wir hier  mit ihrer Erlaubnis namentlich nennen dürfen) nachdenklich dazu fest:

Wenn das mit den Bewohnern der Gebäude nebenan auch mal so zügig voran gehen würde 🤔..“

Es werde dort „ein böses Spiel getrieben“, mutmaßte ein anderer Leser. „Der Investor will die Häuser und die Stadt wäre froh, wenn die abgerissen werden.“

So sehe sie das auch, pflichtete Bianca Beez ihm bei, „traurig, dass bei uns sowas möglich ist.“

An dieser Stelle schaltet sich Bürgermeister Schäfer ein.

„Wieso sollte die Stadt froh sein, wenn Wohnungen vernichtet werden???“, fragt er. „Und der Investor hat mehrfach öffentlich erklärt und mit Plänen belegt, dass er keinerlei Interesse an den Flächen der Wohnhäuser hat. Verschwörungstheorien werden nicht richtiger, auch wenn sie ständig wiederholt werden.“

Bianca Beez widerspricht ihm: „Herr Schäfer, leider hört sich das alles aber doch sehr nach Verschwörung an. Dass das nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen ist, ist doch wohl jedem klar, der dies alles verfolgt hat… und leider müssen Sie sich den Schuh anziehen, dass Sie sich in keiner Weise für die Bewohner der Wohnungen eingesetzt haben.“

„Dass auf Seiten der  Eigentümer einiges sehr deutlich mit sehr rechten Dingen läuft, ist tatsächlich klar“, antwortet darauf Schäfer.

Hintergrund dieser Anspielung dürfte zum einen der Umstand sein, dass sich die Alternative für Deutschland (AfD) inzwischen mit Postings und einem Video offensiv auf die Seite der Eigentümer geschlagen hat; zum anderen spielt Schäfer mit der Bemerkung „rechts“ vermutlich auf seinen Namensvetter Klaus Schäfer an, den die Eigentümerseite als Brandschutzsachverständigen beauftragt hatte und der den Begründungen, mit denen die Stadt Bergkamen die Evakuierungen am 15. 5. rechtfertigte, ein vernichtendes Zeugnis ausstellte. Das dort gemalte Gefahrenszenario sei unhaltbar.

Der ehemalige Dortmunder Feuerwehrchef war im November 2018 zu 9 Monaten Haft auf Bewährung wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Es ging um Äußerungen, die Schäfer im Netz getätigt hatte:

„Diejenigen, die uns das Lumpenpack auf den Hals gehetzt, die uns Mord, Totschlag und Vergewaltigung gebracht haben, sollten sich langsam warm anziehen. Es zieht ein gewaltiger Sturm auf. Das Volk sollte gegen das Lumpenpack vorgehen und die Verursacher nicht vergessen. Sie sollten Schleyer, Herrhausen, Buback und von Drenkmann mal googlen“, heißt es in einer von Schäfers Veröffentlichungen.

Nach einem online ausgefochtenen Streit mit einem Mitglied der Antifa, dessen Namen er auch nannte, veröffentlichte er folgenden Text: „Aber was würde ich (…) für eine klammheimliche ,mescalorische’ Freude empfinden, wenn bestimmte Kreaturen geschmuddelt, gedrenkmannt oder geherrhaust würden.“ Eigentlich ein klarer Hinweis auf die Tötungen und Morde an dem Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz, dem Juristen Günther von Drenkmann und dem Bankier Alfred Herrhausen und indirekter Aufruf zur Gewalt bzw. Tötung von Personen hinzu, befanden Kritiker.  –  (Quelle: Nordstadtblogger)

Dies sei eine „sehr politische Antwort“, erwidert Bianca Beez unbeirrt auf diese Bemerkung des Bürgermeisters und wiederholt ihren Vorwurf: Sie „finde es für einen Bürgermeister sehr schlecht, Familien dermaßen hängen zu lassen und immer nur ausweichende Antworten zu geben. Habe leider kein besseres Gefühl,  sondern Sie festigen meine Meinung zu der  ,Verschwörungstheorie´ noch.“

Sie hoffe nur, fügt sie hinzu, „dass die einzelnen Wohnparteien nicht aufgeben und sie so schnell wie möglich wieder in ihre Wohnungen dürfen und hoffentlich eine angemessene Entschädigung für die ganzen Monate bekommen. Denn das Ganze ist Psychoterror.“

An diesem Punkt geht Roland Schäfer unmissverständlich die Eigentümerseite an:

„Wer die Evakuierten hängen lässt, sind doch die Eigentümer selber, die nach konstruktivem Beginn sich auf Blockieren und Taktieren verlegt haben. Seit dem 15. Mai wissen die Eigentümer, was zu tun ist. Jetzt werden wir von Seiten der Stadt die Sache selbst in die Hand nehmen. Sonst wird das nie was mit dem Wiedereinzug.“

Schäfer spricht vom kommenden Dienstag (3. September), an dem die Stadt eine Brandschutzkontrolle mit einem offiziell bestellten Gutachter in den beiden Wohngebäuden vornehmen will. Die Ankündigung zu dieser Brandschutzbegehung kam, auch für die Eigentümer überraschend, kurzfristig am Freitagmittag aus dem Rathaus.

Auf diese klare Schuldzuweisung des Bürgermeisters kommt noch eine fassungslose Reaktion einer anderen Leserin: „Wie kann man als Bürgermeister so über eine sensible Sache reden…?! Bürgernah?!“ Währenddessen bestätigte uns Bianca Beez, die wir am Samstagabend kurz zu dieser Facebookdiskussion mit dem Stadtoberhaupt anschrieben,  dass sie tatsächlich „entstetzt“ darüber sei, was Roland Schäfer hier als Bürgermeister öffentlich äußere.

Sie sei selbst „zum Glück“ keine betroffene Bewohnerin. „Ich finde es aber erschreckend, wie man die Bewohner behandelt und immer wieder vertröstet und ihnen jetzt auch noch den schwarzen Peter zuschieben will.“

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5 KOMMENTARE

  1. Was hat die politische Einstellung dieses Sachverständigen mit seiner beruflichen Qualifikation zu tun? Überhaupt nichts. Dass dieser „Bürgermeister“ den Sachverständigen auf diese Art und Weise diffamiert, ist so typisch und auch so hinterhältig. Die Reaktion von Bürgermeister Schäfer finde ich unerträglich. Aber so sind sie diese Politiker. Nie sind sie für etwas verantwortlich, immer sind es die Anderen. Nie werden sie für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen. Ich denke, er reagiert so weil der öffentliche Druck zunimmt. Ich hoffe nur, die Politik spielt nicht zu dreckig. Dass sie es können, beweisen sie jeden Tag.