Tiefenentspannt in Unna: „Fehlten“ diesem Stadtfest 2019 die Besuchermassen?

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Stressfrei in Unna – nie kam ein Unnaer Stadtfest so luftig und fast gänzlich drängelfrei daher.

Es war wahrhaftig ein denkwürdig entspanntes Schlendern an diesem ersten vollen Septemberwochenende, dem Stammtermin fürs Unnaer Stadtfest. Doch weil der 1. September schon auf den vorangegangen Sonntag gefallen war, war an diesem ungewöhnlich späten Stadtfesttermin vom 6. bis 8. September dann vieles ein bisschen anders.

So leer wie nie zuvor an einem Starttag präsentierte das Stadtfest am Freitagabend. Darüber waren sich Besucher vor Ort, Standbetreiber und Rundblickleser schon in der Nacht zu Samstag in ebensolcher Denkwürdigkeit einig (wir berichteten).

Die völlige Abwesenheit der gewohnten Massen irritierte gehörig, denn das Wetter zeigte sich ziemlich ideal fürs Feiern unter freiem Himmel, nicht übermäßig warm, aber doch trocken und von den Temperaturen her noch bis nach Mitternacht angenehm zweistellig.

An der Musikauswahl konnte es eigentlich auch nicht gelegen haben. Zuspruch zu den  Bands und Einzelkünstlern gab es jedenfalls an allen acht Bühnen, Kritik hörte man praktisch nirgends.

Dass man auf dem Alten Markt an einem Stadtfestfreitagabend aber völlig problemlos bis an den Bühnenrand schlendern kann, bleibt als bisheriges Novum in Erinnerung, ebenso die Erfahrung, mal nicht in einem Pulk von Menschen für sein Bier, seinen Wein Schlange zu stehen, sondern einfach an einen freien Platz an der Theke zu marschieren und zu bestellen.

Tauchte bei der Ursachenforschung für „den leersten Stadtfestfreitag aller Zeiten“ als primäres Moment noch das Fußballländerspiel als mögliches Ausgehhindernis auf (Deutschland gegen die Niederlande gilt als Straßenfeger), so wurde spätestens am Samstagabend klar, dass es daran nicht gelegen haben konnte.

Und auch am Wetter konnte es nicht wirklich gelegen haben, denn das war an Unnaer Stadtfesten schon deutlich schlechter. Zwar ging ausgerechnet zur Prime Time am Samstagabend  ein relativ heftiger Platzregen nieder, doch blieb es bei diesem einen kräftigen Schauer, was verglichen mit den (teilweise schauerlichen) Vorhersagen mehr als glimpflich war.

Die nasskühle Atmosphäre war dann allerdings nicht mehr dazu angetan, noch späteteres Publikum vom heimischen Sofa zu locken, und so blieb auch der traditionell besucherstärktste Stadtfestabend sicht- und fühlbar hinter gewohnten Bildern und gewohntem Erleben zurück: eingeschmiegt in Menschenmengen zwischen Rathausplatz, Altem Markt, Kirchplatz und Massener Straße einherzuwabern und zwischendurch immer mal wieder auf der Stelle zu stehen, weil ein Flaschenhals  ein Stop and Go erfordert.

Nein: Flaschenhälse, sprich Engpässe, gab es diesmal überhaupt nicht, auch weil sich auffallend große Lücken im Besatz auftaten.

Dies fiel vor allem auf der Bahnhofstraße auf, wo man diesmal sogar an der Einmündung zur Morgenstraße, Knotenpunkt in sonstigen Stadtfestjahren, völlig problemlos durchschreiten konnte. Das Kinderkarussell fehlte an der Ecke.

„Die sind dieses Wochenende in Lünen“, erfuhr man am Pizzastand gegenüber, und viel Publikum war offenbar ebenfalls in Lünen bei der Lünsche Mess, womit auch der vermutliche Hauptgrund für die niedrigen Besucherzahlen gefunden war.

Denn neben Lünen mit seiner zugkräftigen Mischung aus Stadtfest und Citykirmes (obendrein noch mit verkaufsoffenem Sonntag) buhlten an diesem Wochenende noch zahlreiche weitere Städte um Publikum: In Neheim fand mit der „Hüstener Kirmes“ eins der größten Volksfeste im Umkreis statt, in Kamen war Hansemarkt (und ebenfalls verkaufsoffener Sonntag), in Bönen „Viva Bönen“. Der Sauerlandpark Hemer bot zwei Open Air-Konzerte von erheblichem Bekanntheitskaliber auf: am Freitag Revolverheld, am Samstag Pur. Hinzu kamen weitere kleinere Veranstaltungen wie die Heerener Knickerkirmes am Sonntag oder das Gemeindefest Liebfrauen in Holzwickede.

Sehr uneinheitlich bilanzierten die Händler dieses seltsam entspannte Stadtfest Unna 2019. Im Weindorf auf dem Kirchplatz schüttelte Winzerin Uschi Conrad am Sonntagnachmttag den Kopf.

„Das war nichts, im Vergleich zu sonst“, stellte sie nüchtern fest, „dabei hatten wir schon Stadtfeste mit viel mehr und lange andauerndem Regen. Aber es waren ja auch viel weniger Stände als sonst, da waren richtig große Lücken diesmal.“

Völlig zufrieden hingegen zeigte sich z. B. Gastronomieanbieter wie Party Men,  zufrieden war auch Annett Kyncl vor ihrem Senfladen an der Massener Straße, dass der sonstige Andrang mitsamt dem damit verbundenen Stress diesmal ausblieb. „Ich mag´s lieber etwas entspannter. Dieses Gedränge und Geschiebe brauch´ich nicht“, sagte die Senfexpertin entschieden und sie sprach damit vielen Besuchern aus der Seele.

Etwas weitläufigere Gedanken über den ungewöhnlich schwachen Zuspruch zum diesjährigen Stadtfest hatten sich seit Freitagabend Slavco und Marja Reminski in ihrer „Weinhütte“ auf dem Alten Markt gemacht.

Vielleicht, meinte der Weinexperte aus Lünern, kamen diesmal einfach viele Dinge zusammen: die schon angesprochene Menge an (attraktiven) Konkurrenzveranstaltungen; das Dauerproblem „Parken in Unna“; und möglicherweise zeige sich auch eine gewisse Übersättigung am immer gleichen Stadtfestkonzept: überwiegend die bekannten Bands mit vorwiegend Covermusik auf acht Bühnen in der Innenstadt verteilt und auf jeder entsprechend zwischendurch längere Pausen, bis es wieder weitergeht.

Statt acht Bühnen nur noch drei bis vier,  dafür auf jeder volles Programm, nonstop ohne Pausen“, empfahl Slavco Reminski. „Auf der Festa Italiana hat das fünf Tage geklappt, wieso dann nicht auch drei Tage?“

Und – da sind sich Reminskis einig – „das Stadtfest braucht mehr Attraktionen für Kinder. Am besten einen Kinderparcours, mit Schminken, Karaoke, ganz viel Action und tollen Angeboten! Und zwar mitten in der Stadt, nicht am Rand des Festes, wo es kaum jemand hinfindet.“ Zumindest der Sonntag mit seinem Kinderflohmarkt, findet das Paar, sollte absolut für Kinder und Familien konzipiert sein.

Fotogalerie vom Stadtfest Unna 2019 – alle Fotos: Rundblick Unna

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