„Völlig unerwartet und unerklärlich“: SPD-Fraktionschef Dreisbusch betroffen von Friese-Krachts Austritt

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Bernd Dreisbusch, Vorsitzender der SPD-Fraktion Unna. (Foto: SPD Unna)
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„Das kam für mich vollkommen unerwartet. Und ja, ich finde das außerordentlich bedauerlich!“

Der Austritt der Massener Ratsfrau Gudrun Friese-Kracht aus der SPD-Fraktion am gestrigen Nachmittag (12. 9.) habe ihn „aus heiterem Himmel“ ohne jede Vorwarnung getroffen, unterstrich der Fraktionsvorsitzende Bernd Dreisbusch am Freitagmittag in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Mir ist das, ganz offen gesagt, völlig unerklärlich.“

Dreisbusch übernahm den Fraktionsvorsitz erst Anfang Juli von Volker König. Zu dessen schärfsten Kritikern zählte auch Gudrun Friese-Kracht.

Weder habe sie ihre Enscheidung vorab im Fraktionsvorstand auch nur angedeutet, noch kann Dreisbusch irgendwelche akuten Gründe für diesen weitreichenden Entschluss ausmachen.

Gudrun Friese-Kracht beim CDU-Neujahrsempfang im Januar 2019. (Archivbild RB)

Mit ihrem Ausscheiden aus der größten Unnaer Ratsfraktion, nicht jedoch aus dem Rat hat sich die Sozialdemokratin der stetig wachsenden Gruppe der „Fraktionslosen“ zugesellt. Diese ist mit inzwischen 7 Köpfen bereits so groß wie die Grünen-Fraktion.

Bernd Dreisbusch las diese Neuigkeit ebenso wie alle anderen Hauptausschuss-Mitglieder kurz nach Beginn der Sitzung im Netz. Der Rundblick-Artikel ging um 17.02 Uhr online, auf Wunsch Friese-Krachts, die gebeten hatte, nicht vor 17 Uhr zu berichten. Kurz vor der Sitzung hatte sie ihre Entscheidung postalisch dem Bürgermeister mitgeteilt. Als die Sitzung begann, ging die Neuigkeit wie ein Lauffeuer herum.

Zu Beginn der Ausschusssitzung saß sie noch auf ihrem gewohnten Platz in den SPD-Reihen, verließ ihn kurz danach aber; sinnbildlich und dauerhaft.

Bernd Dreisbusch sagt, es liege ihm fern, „sie umzustimmen“. „Ich würde aber sehr gerne, wenn sie aus ihrem Urlaub zurückgekehrt ist, mit ihr ein Gespräch führen; unter ihren Bedingungen. Einfach, weil ich gerne wissen würde, was falsch gelaufen ist. Ob es Sachentscheidungen gab, die sie nicht mittragen konnte; und ob es vielleicht – auch – an mir lag. Denn momentan fällt mir wirklich kein Grund ein für eine Schritt solcher Tragweite.“ Er freue sich sehr, bot Dreisbusch an, wenn ein solches Gespräch zustande käme.

Gegenüber unserer Redaktion hatte Gudrun Friese-Kracht ihren Austritt gestern Nachmittag knapp mit „anhaltendem Mobbing und Diskreditierungen“ begründet, wegen „dieser alten Geschichte“ (gemeint ist die Causa Risadelli/Kündigung der damaligen Fraktionsgeschäftsführerin Bärbel Risadelli durch den damaligen Fraktionschef Volker König).

Auffällig war, dass Friese-Kracht ihren Übertritt in die Fraktionslosigkeit fast wörtlich so begründete wie die schon im Vorjahr ausgetretene Bärbel Risadelli: Jetzt könne sie endlich ohne Fraktionszwang autark „im Sinne der Bürger entscheiden“.

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