Mühle Bremme-Investor lässt Traum von Saturn und Co. platzen – Dafür weitere Drogerie und großes Fitnesscenter

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Luftbild des Mühle Bremme-Geländes. (Foto: Thomas Karczewski)
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Der Traum eines City-Magneten in Form von Saturn, Mediamarkt und Co. ist für die Unnaer ein weiteres Mal ausgeträumt. Dafür erwartet sie ein weiterer Drogeriemarkt und ein weiteres – großes – Fitnesscenter.

Der Investor des Erlebnis- und Einkaufsmarktes auf dem Mühle Bremme-Gelände, Peter El-Dessouki von der Ter Brinke Group, erteilte am Mittwochabend (10. 9.) im Ausschuss für Stadtentwicklung entsprechenden Nachfragen eine klare Absage.

Ein Elektronikmarkt wird nicht zu den Mietern des „Mühlencenters“ gehören, das Ten Brinke auf dem Areal hinter der Post für rund 25 Mio. Euro realisiert.

Definitiv zugesagt hatte der Projektentwickler die Ansiedlung eines Elektronikmarktes nicht, als er die Planungen für das „Mühlencenter“ (so der Arbeitstitel) im März vorigen Jahres zusammen mit Vertretern der Stadtverwaltung und Architekt Michael Deterding präsentierte.

Bei der Vorstellung der Pläne für das „Mühlen-Center“ im März 2018: V. li. Dipl.-Ing. Michael Deterding (Deterding Architektur), Investor Peter El-Dessouki (Ten Brinke), Ute Heinze (WFG), Baudirektor Michael Ott. (Foto: RBU / Thomas Karcewski)

In Aussicht gestellt wurde bei diesem ersten großen Pressetermin ein attraktives, topmodernes Einkaufszentrum „mit hochwertiger Gastronomie, Läden mit Kleidung, Dekoartikeln, Accessoires (keine Möbel)“ und „möglichst  (Unterhaltungs-)Elektronik – die käme ins Obergeschoss“.

Das Erdgeschoss wird wie damals zugesagt ein Edeka-Markt beziehen, einer der ganz neuartigen Generation: offen, licht, bewegte Großflächen – es gibt in ganz Deutschland  bisher erst vier dieser Super-Supermärkte.

Das Obergeschoss hingegen ist nun statt dessen für ein Fitnesscenter vorgesehen, mit 1200 qm Grundfläche wird es nicht klein sein.

Kombiniert damit wird ein nach den nun fortgeschrittenen Plänen des Bocholter Investors ein weiterer Drogeriemarkt (es gibt in Laufweite zum Bremme-Gelände bereits Rossmann und das Drogerie Müller-Kaufhaus auf der Bahnhofstraße, am Ostring im Hellweg-Center außerdem dm).

Bahnhofstraße Unna mit Rossmann und der Drogerie Müller. (Archivbild RB)

Obgleich SPD und CDU im Stadtentwicklungsausschuss bekräftigten, wie sehr sie die Neubelebung der Mühle Bremme-Brache begrüßten, bekannte sich Ralph Bürger (SPD) doch in Anbetracht der zu erwartenden Branchen zu gewissen Bauchschmerzen.

Statt des erhofften Elektronikmarkts nun 1200 qm für ein Fitnesscenter – „wir haben bereits 16 Fitnesscenter in Unna, da habe ich doch gelinde Zweifel…“

Tja, erwiderte Peter El-Dessouke mit unverbindlichem Lächeln, „dann müssten die Leute mal weniger bei Amazon einkaufen, dann bekommen wir auch einen Elektronikmarkt in die Fußgängerzone Unna.“ – „Wieder“, wäre hinzuzusetzen, denn bekanntlich hatte Unnas Fußgängerzone mit Berlet auf der Massener Straße mehrere Jahre lang einen Elektronikanbieter.

Doch das Unternehmen beschloss im Sommer 2015, sich auf den (vielfach größeren) Standort an der Feldstraße neben Zurbrüggen zu konzentrieren.

Der Standort in der City, sagte uns Unternehmenschef Peter Berlet damals, habe die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Als der Elektrofachmarkt 6 Jahre zuvor als kleinerer Feldstraßen-Ableger in der damals neu gebauten Senioren-„City-Residenz“ eröffnete, erhoffte sich das Unternehmen davon eine „Magnetwirkung“ für den Innenstadtbereich.

Sechs Jahre war Berlet an der Massener Straße ansässig, bis im Sommer 2015 die Entscheidung für das Aus fiel. (Foto RB)

Von dieser Magnetwirkung des etablierten Elektromarktes ging seinerzeit auch die Stadtverwaltung aus. Doch sie blieb aus.

Berlet zog sich schließlich aus der Fußgängerzone zurück.

Architekt Michael Deterding untermauerte gegenüber der Politik am Mittwochabend die Notwendigkeit, sich an den Gegebenheiten des Marktes zu orientieren.

„Die Innenstädte haben 34 Prozent an Einkaufskraft verloren“, mahnte er, deshalb: kein Elektronikmarkt, sondern die Entscheidung für das Fitnesscenter,  „die Nutzungsmöglichkeiten für diese 1200 qm gestalten wir flexibel.“ Baudirektor Michael Ott warb als Vertreter der Stadt nachdrücklich für diese „sehr taugliche Maßnahme, die man an dieser Stelle umsetzen sollte.“

Werden mit diesem Gebäude denn auch Klimaschutzaspekte umgesetzt?, hakte Grünen-Ratsfrau Ines Nieders-Mollik nach. Die Flächen, schaltete sich Ausschussvorsitzender Bernd Dreisbusch (SPD) ein, würden „nutzerspezifisch“ ausgebaut, auf dem Dach der Büroeinheit sei Photovoltaik möglich.

Das genügte der Grünen nicht, sie fragte konkret nach den Parkplätzen auf dem Dach, wo sich dann die Autos im Sommer wie Backöfen aufheizten. „Da kann man natürlich sagen, dass moderne Autos alle Klimaanlage haben“, bemerkte Nieders-Mollik unverhohlen kritisch.

Michael Deterding schaltete sich zu diesem Punkt ein: Als Unnaer Architekt habe er ja schon viele Gebäude in Unna realisiert. „Ich sehe zu, dass Dächer begrünt werden, wo es möglich ist. Lassen Sie sich positiv überraschen!“

Ralph Bürger. (Foto: SPD Unna)

Für die SPD fasste Ralph Bürger am Ende die positive Grundstimmung gegenüber diesem Projekt zusammen, „ich finde das eine gute Sache.“ Es blieben freilich bei ihm „gewisse Zukunftsängste“ mit Blick auf die Verkehrsfrage.

Rudolf Fröhlich, Fraktionsvorsitzender der CDU Unna. (Foto RB)

CDU-Fraktionschef Fröhlich formulierte seine Erwartungen noch positiver: „Wir bekommen hier ein multifunktionales Einkaufs- und Erlebniscenter, so etwas haben wir hier noch nicht.“ Er setzte mit Blick auf das Verkehrsproblem hinzu: „Wir tun uns nicht leicht damit, dafür eine Ampel für viel Geld zu finanzieren. Aber den Umbau der Kantstraße bezahlt zu 100 Prozent der Investor.“

173.000 Euro kostet die Ampel auf der Viktoriastraße die Stadt, 1,25 Mio. Euro zahlt der Investor für den notwendigen Umbau auf der Kantstraße.

Während die Grünen ihre Ablehnung mit der Prophezeiung unterstrichen, man werde erleben, „wie der Stau länger wird denn je“, sieht Linken-Fraktionssprecherin Petra Weber schon jetzt die Kunden ganz schnell wegbleiben, wenn diese „permanent im Stau schmoren“.

So ist der Stand der Planungen:

Momentan dient eine schmale Straße der Anbindung ans Mühle Bremme-Gelände. Doch wenn aus dem Parkplatz ein Einkaufszentrum wird, muss eine entsprechende Verkehrslösung her. (Archivfoto RBU / Th. Karzewski)

Die wuchtigen Industriegebäude, die seit Jahrzehnten den Mühle Bremme-Komplex prägten, werden abgerissen. Sie weichen einem eleganten zweigeschossigen  Baukörper, dessen ovale Form dem Busbahnhof einen Steinwurf entfernt nachempfunden ist.

Entwurf des Mühlencenters. (Grafik: Investor)

Der lichte, helle Eingangsbereich bietet Sitzmöglichkeiten für Cafés und hochwertige Gastronomie. Einzelne kleinere Läden (Deko, Textilien) ergänzen ein neuartiges Supermarkt-Konzept mit bewegten Großflächen (vergleichbar mit offenem Wohnen ohne Türen): So haben z. B.  Supermarkt und Drogeriemarkt fließende Übergänge auf einer Fläche an Stelle enger Gänge und trennender Türen. Märkte dieses Konzepts gebe es bisher erst vier in ganz Deutschland, sagte Projektleiter El-Dessouki voriges Jahr im März, drei in Düsseldorf, einen in Bottrop. Die Ansiedlung dieses Top-Edekas gilt als sicher. „Wir sind uns einig.“

Sicher sind auch der Drogeriemarkt und das Fitnesscenter, die Unternehmen möchten noch nicht genannt werden, bat der Projektleiter in der Sitzung am Mittwoch um Verständnis. „Sobald die Bautafeln stehen, werden Sie es ja sehen.“ Offen ist damit noch, ob z. B. Rossmann von seinem Standort an der Bahnhofstraße einfach umsiedeln wird ein paar hundert Meter weiter hinter die Post und damit auf der Bahnhofstraße ein neuer Leerstand zu befürchten ist.

Die Parkplätze, 327 an der Zahl, werden auf dem Dach angeordnet und über eine Rampe erreichbar sein. Die Warenanlieferung durch Lkw läuft über eine separate Zufahrt: Sie kommt sich daher nicht mit den Pkw-Kundenverkehren ins Gehege, versichern Stadtplaner, Architekt Michael Deterding und Investor El-Dessouki.

Foto RBU
Die Villa auf dem rückwärtigen Gelände der Mühle Bremme steht unter Denkmalschutz und wird NICHT abgerissen, unterstrich Michael Deterding. Das historische Gebäude soll mittels einer Glasspange mit dem Neubau verbunden werden. Ebenfalls unter Schutz steht der mächtige Baum an der Post, er ist ein Naturdenkmal.
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