100 % „Familienkirmes“ – Doch Fröndenbergs „Fliege“ fehlte der Einkaufssonntag

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Hoch hinaus für die Kleinen geht es beim Trampolinspringen auf der Fliegenkirmes. (Foto RB)
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Das kleine Fröndenberg hat zugegeben keinen großen Shopping-Malls zu bieten. Trotzdem ziehen die verkaufsoffenen Sonntage immer viel Publikum ins Städtchen. Umso herber war die Enttäuschung bei vielen Besuchern und vor allem den Kirmeshändlern darüber, dass die Geschäfte am diesjährigen Kirmessonntag geschlossen blieben.

Die Werbegemeinschaft hatte auf diesen traditionellen verkaufsoffenen Sonntag am Wochenende der Fliegenkirmes diesmal verzichtet. Statt dessen soll Anfang Oktober zum Bauernmarkt geöffnet werden.

Kopfschütteln über den Verzicht auf den vekaufsoffenen Sonntag bei Hubert Sallamon vom Fröndenberg-Markting. (Foto RB)

Hubert Sallamon vom Fröndenberger Stadtmarketing, den wir am Kirmessonntag auf dem Marktplatz trafen, wollte die Entscheidung der Werbegemeinschaft offiziell nicht kommentieren, ließ jedoch keinen Zweifel daran, wie sehr er sich darüber ärgerte.

Denn die Stadt Fröndenberg hat die Möglichkeit, vier verkaufsoffene Sonntage zu veranstalten: Mit dem Verzicht ausgerechnet auf den Fliegenkirmessonntag beschränken sich die Geschäftsleute freiwillig auf nur noch drei: zum Frühlingsmarkt, zum Bauernmarkt und zum Christkindlmarkt vor Weihnachten.

Nun, das  sei die freie Entscheidung der Geschäftsleute, kommentierte Sallamon verärgert. Aber dann müsse man sich auch nicht über die Folgen für die Innenstadt wundern.

Los war daher am Sonntag trotz des herrlichen Wetters merklich weniger als sonst an Fliegenkirmes-Sonntagen.

Die Kirmes insgesamt hat sich, nach Jahren der Kritik an ihrer überschaubaren Größe, nunmehr als eben kleine, überschaubare Familienkirmes etabliert, bilanzierte Hubert Sallamon den Eindruck, den man schon am Freitag gewinnen konnte. Das Publikum bestand tatsächlich nahezu ausschließlich aus Familien mit Kindern, die auf den Kinderfahrgeschäften, beim Entenangeln und Bällewerfen sowie auf dem großem Trampolin ihren Spaß hatten und die ihre Eltern ohne Sorge um Sicherheit auch mal einfach unbeaufsicht über die kleine „Kirmesmeile“ toben lassen konnten.

Dies auch noch zu später Stunde nach 22 Uhr im Anschluss an das Eröffnungs-Feuerwerk im Himmelmannpark, das – auch dies gehört inzwischen zur Fliegenkirmes-Tradition – auch diesmal eine Viertelstunde zu früh anfing.

Der Trampolinbetreiber, der auch zugleich die blauweiße Rutschburg mitgebracht hatte, bemängelte ein wenig seine Standortverlagerung vom Marktplatz hinüber zur Winschotener Straße (vor Rossmann). „Auf dem Marktplatz hatte er im letzten Jahr mehr Zulauf“, berichtete Sallamon von seinem Gespräch mit dem Betreiber.

Jedoch hatte sich das Stadtmarketing für den Marktplatz diesmal ein neues kleinteiligeres Konzept überlegt: Der 12 Meter lange Bällewurfwagen „Knödel-Gaudi“, in diesem Jahr erstmals dabei, wirkte zusammen mit dem Getränkepavillon vor dem Markgrafen als Raumteiler und schuf um die Linde herum einen durchaus ansprechenden und gut angenommenen Verweilort. Leider nicht am Samstag, der unter anderem am BVB-Heimspiel litt.

Schausteller Tom Plagmann aus Norddeutschland (mit Hubert Sallamon vom Marketing): „Ihr habt ein dankbares Publikum in Fröndenberg!“ (Foto RB)

Für den hemdsärmeligen „Knödel-Gaudi“-Betreiber Tom Plagmann war dieses erstmalige Fröndenberg-Experiment dennoch durchaus positiv. „Man darf halt von einer so kleinen Stadt nicht zu viel erwarten“, meinte der stämmige Hanseat pragmatisch. Er persönlich könne nciht klagen. „Ihr habt hier ein dankbares Publikum“, lobte der Schausteller aus Norddeutschland den Zuspruch zu seinem „Knödel“-(sprich bunte-Bälle-)Wurfvergnügen, welches er allerdings auch professionell schaustellermäßig mit anspornenden Rufen und entsprechender Musik zu promoten wusste.

Leider ganz anders fiel die Bilanz am großen Eiswagen des Eiscafé Arens aus: Nach drei enttäuschenden Jahren bei der Fliegenkirmes, im vorigen Jahr auf dem Marktplatz und diesmal gegenüber der Pizzeria La Rucola, „werden wir wohl im nächsten Jahr nicht wiederkommen“, sagte die Betreiberin, „es war einfach absolut enttäuscht. Das Wetter ist top, und trotzdem kommen keine Leute. Sehr schade, es ist eine nette Kleinstadt.“

Die nette Kleinstadt will ihre kleine Kirmes fortan dauerhaft und bewusst als überschaubare Kleinstadtkirmes konzipieren, sagt Hubert Sallonon. Von einer Rückkehr zu den legendären Zeiten der „Fliege“, in denen sich der Trubel über die gesamte Alleestraße erstreckte, solle man sich nicht nur gedanklich, sondern vielleicht auch mit einem neuen Namen endgültig verabschieden, gibt er als Anregung einfach mal weiter.

Die Fliegenkirmes endet am heutigen Montag – bei leider jetzt kühlem, nieseligem Wetter – mit dem vergünstigten Familientag.

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