Unnas Rat soll heute „Klimanotstand“ ausrufen – zwei Tage vor der herbstlichen Autoschau

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Werbung für Autoschau und verkaufsoffenen Sonntag auf dem Plakat des City-Werberings an der Morgenstraße. (Foto RB)
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Das Zusammentreffen wirkt zumindest etwas widersinnig:

Heute Nachmittag (26. 9.) soll der Stadtrat für Unna den „Klimanotstand“ erklären – zwei Tage später verwandelt sich die Innenstadt vom Rathausplatz bis hinauf zur Massener Straße in einen riesigen Parkplatz, denn an diesem Wochenende ist herbstliche Autoschau in Unna. Das scheint (noch) nicht wirklich zusammenzupassen.

Das Stadtmarketing notiert zur Autoschau:

„Fest etabliert im Programm der Großveranstaltungen in der Unnaer City hat sich die Autoschau. Traditionell zur Herbstschau präsentieren Unnas Autohändler die neuesten und schönsten Modelle. Quer durch die Stadt, vom Rathaus bis zur Lindenbrauerei, zieht sich dann wieder eine der größten Autoausstellungen der Region. Fachsimpeln, Preise vergleichen und schon mal zur Probe in die Sitze des Traumautos schmiegen – alles ist auf der Unnaer Autoschau möglich. Die Oldtimer-Rallye sorgt für noch mehr Abwechslung fürs Auge.“

Den Klimanotstand beantragt hat der Bürger Claus Palm, vehement unterstützt von den Grünen. Was das Ziel ist, erläutert Palm in seinem Antrag so:

Was hätte ein Notstandsbeschluss für konkrete Folgen?

Grundsätzlich erwächst aus einem erklärten Klimanotstand die Pflicht für die Verwaltung, alle Anträge auf ihre Klima-Relevanz zu prüfen. Klimafreundliche Lösungen sind zu bevorzugen.

Am Beispiel des kreisweiten Klimanotstandes hat das die antragstellende SPD so erklärt:

„Künftig muss in jeder Beschlussvorlage beschrieben werden, welche Auswirkungen auf das Klima im konkreten Fall zu erwarten sind – egal ob es um die Sanierung eines Gebäudes, den kreiseigenen Fuhrpark oder die Planung einer Straße geht. Natürlich wird es dabei auch Zielkonflikte geben – spätestens bei den Finanzen.“

Klar zu erkennen ist, dass den Verwaltungen daraus Mehrarbeit erwächst. Die Folge:

  • Es dauert künftig entweder länger, bis Vorgänge bearbeitet sind,
  • und/oder es müssen mehr Mitarbeiter eingestellt werden.
  • Zur Erinnerung: Unna befindet sich in der Haushaltssperre.

 

Unterm Strich: Es wird für die Haushalte und damit die Bürger teurer. Abstriche bei anderen Vorhaben sind zu erwarten und/oder die notwendige Generierung von Mehreinnahmen durch z. B. Steueranhebungen.

Gedankenspiele –  wenn Unnas Politik heute den Klimanotstand beschließt und es damit ernst meint. DANN…

  • … müssten die vielen geplanten „flächenfressenden“ Bauvorhaben streng genommen wieder ganz neu auf ihre Klimaauswirkung bewertet werden (bedeutet Zeit- und Geldaufwand) – z. B. die Neubebauung am Hertinger Tor mit neuer Grundschule und neuer Kita;  oder der Realschulneubau in Massen.
Die Standortdebatte für den Neubau der Hellweg-Realschule dominierte viele Wochen im vorigen Jahr. (Bildquelle FDP Unna)
  • … eine neue Schule in der Einflugschneise des Airports wäre in einem erklärten „Klimanotstand“ ohnehin kaum denkbar (was durchaus einigen Ratsfraktionen entgegenkäme (Grüne, FDP).

  • …. wären energie-intensive  Feste wie die Festa Italiana zu hinterfragen, bei der 5 Abende/Nächte Tausende bunter Lämpchen glühen. Auch wenn es LED ist – klimafreundlich ist anders.
  • … müssten auch alle anderen energieaufwändigen Festivitäten auf den Prüfstand, z. B. das Stadtfest, die Kirmesse…
Alltägliches Bild: Stau vom Ring via Kantstraße zum Kreisel. (Archivbild RB)
  • … dann wäre die gesamte Unnaer Verkehrspolitik mit einem im Vergleich zu anderen Städten deutlich höheren KfZ-Anteil gründlichst zu hinterfragen und möglichst zu korrigieren.
Seit dem 26. März stehen die Schilder entlang der Friedrich-Ebert-Straße. (Foto RB)
  • … könnten Gegner der umstrittenen Tempo 30-Anweisungen auf Hauptverkehrsstraßen auf die Idee kommen, diese hinsichtlich ihrer Immissionsauswirkungen anzufechten bzw. entsprechende Gutachten zu fordern.
Autoschau in der Innenstadt Unna. (Archivbild RB)
  • … last not least: Dann wäre bei den bisher zweimal jährlichen Autoschauen in der Innenstadt Wert darauf zu legen, dass ausschließlich oder wenigstens deutlich überrepräsentiert umwelt- und klimafreundliche Modelle gezeigt werden.

– to be continued…

 

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