Eislaufen auf Plastik: Grüne ernten Proteststurm und fachliche Konter

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Die Eissporthalle Unna bei der Besichtigung am 16. 7. 2018. (Archivbild Rundblick)
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Mit ihrer Forderung, bei der Reaktivierung der Unnaer Eissporthalle sogenanntes Kunststoffeis zu prüfen und die Halle zugleich zu verkleinern, haben sich die Unnaer Grünen am Samstag einen Proteststurm eingehandelt.

In den sozialen Medien liefen (und laufen) die Protestler Sturm gegen den Vorschlag, der, so die zornige Kritik, von keinerlei Sachkenntnis getrübt sei. Denn mit der Aussicht, auf Kunststoffplatten „Eis“zu laufen, sei ein erfolgreicher Wiederbetrieb der Halle von vornherein zum Scheitern verurteilt, kritisierten Kenner aus der Eissportszene und Unterstützer der Bürgerinitiative „UNNA.braucht.EIS“, die Aufgabe und Abriss der Halle per Bürgerentscheid verhindert hat.

Die Grünen-Fraktion fordert in ihrem Antrag für den Stadtentwicklungsausschuss am kommenden Mittwoch (9. 10.), die preiswerte und aus ihrer Sicht klimafreundlichere Alternative „Eislaufen auf Kunststoffplatten“ prüfen zu lassen und im Zuge dessen die Halle zu verkleinern, da Profi-Eissport nicht zwingend in Unna betrieben werden müsse.

Fachlicher Widerspruch zum Vorstoß „Eislaufen auf Plastik“ (den die Grünen nicht zum ersten Mal unternehmen) kam schon vor den Sommerferien vom Landes-Eishockeyverband NRW. Er wies in einer Stellungnahme an „UNNA.braucht.EIS“ darauf hin, dass sich in Deutschland (und auch in ganz Europa) die Anforderungen an die Eisflächen nach dem Regelbuch des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) richten.

Diese Vorgaben würden verbindlich vom DEB als Spitzenverband und folglich auch von EHV NRW übernommen und gelten somit uneingeschränkt. In Regel 8, Punkt II sei festgelegt, dass das Eis aus „Wasser und Chemikalien mit konstanter Beschaffenheit auf der gesamten Fläche hergestellt sein muss.“

Und weiter: „Sie muss angemessen gekühlt werden, entweder durch ein zuverlässiges Kühlsystem, welches dauerhaft die Temperatur sichert, oder durch natürliche Bedingungen“.

Plastikeis sei somit für den Spielbetrieb nicht zulässig, die Forderung der Grünen auch deshalb nicht nachvollziehbar, da der Abrieb – der bei der Nutzung von Kunsteis entsteht – schädliche Partikel produziert.

„Hinzu kommt, dass eine Eisfläche 30 × 60 Meter groß ist“, ergänzt die BI. „Die gewünschten Kunststoffplatten müssten auch mehrmals pro Jahr gewechselt werden und wären dann wahrscheinlich Sondermüll.“

Die Eishalle war unter Umweltgesichtspunkten auch Thema beim Globalen Klimastreik jüngst in Unna:

Klima-Aktivisten machen mobil gegen Eishalle im Sommer und pro Klimanotstand in Unna

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3 KOMMENTARE

  1. Mittlerweile lese und höre ich nur noch von grotesken Forderungen und Vorschlägen. Natürlich ist Klimaschutz eine lebenswichtige Sache und natürlich muss man die Verschmutzung der Welt reduzieren, aber das, was mittlerweile vorgetragen wird, ist in vielen Belangen purer Schwachsinn! Es wundert mich, dass noch niemand die sofortige Schlachtung aller Kühe und Schweine weltweit verlangt hat, denn es ist Fakt, dass die Masse der Tiere eine immens hohe Konzentration an Methan verursacht. Man muss, denke ich, mit den Füßen auf dem Boden bleiben und man darf nicht aus den Augen verlieren, dass eine gewisse Lebensqualität und -art immer eine Belastung der Umwelt zur Folge hatte, hat und haben wird. Eine Null-Emission kann es nicht geben! Verwunderlich ist für mich die Tatsache, dass vor geraumer Zeit das nicht vorhandene Angebot an Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche einen großen Aufschrei nach sich zog, nun aber eben dieses Angebot (ich beziehe mich dabei auf die Eishalle, für die sich die Mehrheit der Bürger ausgesprochen hat) als frevelhafter Umweltzerstörer dargestellt wird. Was folgt danach? Alle Schwimmbäder schließen, weil sich Chlor im Wasser befindet, das in den Wasser-Kreislauf gelangen könnte? Und dann? Desinfektion des Wassers mit Oma´s biologisch abbaubaren Hausmitteln? Was mich am allermeisten aufregt, ist der Umstand, dass wir in diesem Land alles hinterfragen und am liebsten jede auch nur denkbar mögliche Belastung eliminieren wollen, ohne über mögliche Langzeitfolgen (finanziell, wirtschaftlich und sozial) nachzudenken. Koste es was es wolle! Der große Rest der Welt aber (USA, China, Russland pp.) schert sich einen Dreck darum und errichtet sogar noch neue Kohlekraftwerke. Noch einmal: Umweltschutz ist absolut richtig und wichtig! Man darf aber nicht die Augen davor verschließen, dass ein Staat global wettbewerbsfähig sein muss und dadurch gewisse Veränderungen / Neuerungen nicht sofort oder nicht in großem Umfang vornehmen kann. Hinzu kommt, dass radikale Schnitte auch für den Schlechtverdiener bezahlbar sein müssen – die Schere ist diesbezüglich in der Gesellschaft heute schon extrem auseinander gedriftet.

    • Nun, Theodor. Vieles von dem was sie schreiben kann man eigentlich nur verstehen wenn der Weitblick nicht nur vom Augapfel bis zur Nasenspitze reicht und man auf dem Weg geradeaus keine Genickstarre hat und somit zur Seite schauen kann um einen Eindruck auf das Gesamte zu haben. Was bitte erwarten sie also von Leuten die statt Alternativen nur Protest zu bieten haben. Verbote oder nicht überdachte Spinnereien bieten und trotzdem immer und überall in den Medien eben diese zum Besten geben dürfen.