Hündchen auf Straße in Fröndenberg misshandelt: Diese Schritte wurden heute eingeleitet

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Hündchen auf dem Arm eines Menschen / Symbolbild, Quelle Pixabay
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Gellend schrie das Hündchen auf unter den Schlägen des Mannes, der es auf dem Arm hielt. Der es sodann an den Vorderpfoten packte und hängend über die Westicker Straße in Fröndenberg trug.

Wir berichteten gestern Abend über diesen Vorfall, der unter unseren Lesern Fassungslosigkeit und Empörung auslöste. „Holt den Hund da raus!“, forderten nicht wenige entsetzt noch bis zum späten gestrigen Abend in den Kommentaren auf unserer Facebookseite.

„Rausgeholt“ worden ist der Hund nicht. Jedoch wurde heute das Veterinäramt des Kreises Unna eingeschaltet.

Rückblick. Die entsetzte Zeugin Sandra F. (Name zum Schutz der Zeugin geändert) beobachtete (und hörte) den tierquälerischen Vorfall am Montagnachmitag (7. 10.) aus ihrer Wohnung, sie sah, wie der Mann mit dem Hündchen auf dem Arm anschließend in einem Haus an der Westicker Straße verschwand.

Sie rief die Polizei an, die sie ans Fröndenberger Ordnungsamt verwies, welches sich wiederum als nicht zuständig erklärte und Sandra F. den Rat gab, sich ans Kreisveterinäramt zu wenden.

Wieso sie dort am gestrigen Nachmittag niemanden mehr erreichte, lässt sich schlussendlich nicht aufklären, Sandra F. sagt, sie sei von einer sehr hilfsbereiten Dame mehrmals weiterverbunden worden, doch an keinem Apparat sei eine Verbindung zustande gekommen. Kreissprecherin Constanze Rauert sagte uns heute, keine der Mitarbeiterinnen in der Veterinärbehörde sei zu der fraglichen Zeit kontaktiert worden.

Heute Morgen, am Dienstag (8. 10.), kam der Telefonkontakt sogleich zustande. „Super Nachrichten“, meldete sich Sandra F. glücklich am späten Vormittag bei unserer Redaktion. „Ich habe mit dem Veterinäramt gesprochen. Sie gehen der Sache nach. Ich habe dort auch gesagt, dass ich jederzeit eine Aussage machen werde und selbstverständlich Anzeige erstatte.“ Zur Anzeige wegen Tierquälerei gegen den Mann hatte der Fröndenbergerin gestern Abend auch ein Polizeibeamter der Leitstelle Unna geraten, als sie nochmals die Polizei anrief, um zu fragen, ob diese denn nichts machen könnte.

Nein, das kann die Polizei in solchen Fällen nicht, erklärte uns Behördensprecher Bernd Pentrop heute dazu mit persönlichem Bedauern.

Polizeihauptkommissar Bernd Pentrop, Sprecher der Kreispolizei Unna. (Foto KPB Unna)

„Die Aussage, die die Dame gestern Nachmittag bei ihrem kurzen Anruf bei der Polizei bekam, war richtig. Wir sind nur außerhalb der Dienstzeiten der Ordnungsbehörde für solche Fälle von möglicher Tiermisshandlung zuständig – und bei schwerwiegenden Fällen, wenn jemand sein Tier ohne Grund tötet.“ Die Grenze sei zuweilen schwierig zu ziehen.

Insofern habe Sandra F. beim Fröndenberger Ordnungsamt aber augenscheinlich eine falsche Auskunft erhalten, bedauert Pentrop.  „Schlechter Umgang mit Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit. Das Ordnungsamt ist zuständig.“ Tiere, fügt er mit Bedauern hinzu, „genießen bei uns keinen allzu großen Schutz.“

Welche konkreten Schritte das Veterinäramt heute unternommen hat, darf Kreissprecherin Constanze Rauert aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen. Sie schilderte uns auf unsere Bitte hin aber das Verfahren, das in solchen Fällen üblich ist:

Kreissprecherin Constanze Rauert. / Foto Copyright Kreis Unna

„Das ,übliche Verfahren´ist, dass Behörden Informationen aufnehmen (auch einordnen), Hinweisen nachgehen und sich vor Ort umsehen, um zu ermitteln, was von gemachten Auskünften ablegbar/nachweisbar ist. Daraus leitet sich gegebenenfalls notwendiges weiteres Handeln ab.

Ein Tier wegzunehmen ist eine Maßnahme am Ende einer Kette, zu der zuvor Information, Beratung, gegebenenfalls Auflagen oder Kontrollen usw. gehören.

Eine Grundlage für behördliches Handeln ist das Tierschutzgesetz. Hier heißt es in § 16 a:

Die zuständige Behörde trifft die zur Beseitigung festgestellter Verstöße und die zur Verhütung künftiger Verstöße notwendigen Anordnungen. Sie kann insbesondere

1.    Im Einzelfall die zur Erfüllung der Anforderungen des § 2 erforderlichen Maßnahmen anordnen,

2.    ein Tier, das nach dem Gutachten des beamteten Tierarztes mangels Erfüllung der Anforderungen des § 2 erheblich vernachlässigt ist oder schwerwiegende Verhaltensstörungen aufzeigt, dem Halter fortnehmen und so lange auf dessen Kosten anderweitig pfleglich unterbringen, bis eine den Anforderungen des § 2 entsprechende Haltung des Tieres durch den Halter sichergestellt ist; ist eine anderweitige Unterbringung des Tieres nicht möglich oder ist nach Fristsetzung durch die zuständige Behörde eine den Anforderungen des § 2 entsprechende Haltung durch den Halter nicht sicherzustellen, kann die Behörde das Tier veräußern; die Behörde kann das Tier auf Kosten des Halters unter Vermeidung von Schmerzen töten lassen, wenn die Veräußerung des Tieres aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht möglich ist oder das Tier nach dem Urteil des beamteten Tierarztes nur unter nicht behebbaren erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden weiterleben kann… „

Und Sandra F. selbst? Die couragierte 40-Jährige sagte uns nach ihrem Gespräch mit der zuständigen Mitarbeiterin des Veterinäramtes, dass sie im Anschluss daran ein gutes Gefühl mitnahm. „Sie hat mir versichert, sie geht der Sache nach und wird ihm eindringlich die Leviten lesen. Leicht ist es nicht, so etwas nachzuweisen. Aber sie sagte, dass es nach ihrer Erfahrung schon wirkte, demjenigen zu sagen: Es gibt Zeugen, jemand hat das gesehen. Dann hört das in den meisten Fällen auf.“ 

Für die tierliebe Fröndenbergerin steht ohnehin felsenfest: „Sollten wir sowas nochmal sehen, werden wir wieder die gleichen Schritte unternehmen.“

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