Paar aus Bergkamen verirrt sich beim Pilzesammeln im Fröndenberger Wald

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Beim Pilzesammeln im Wäldchen oberhalb Fröndenberg-Bausenhagen komplett verirrt: Christel und Alfons Zglinksi (67, 80) aus Bergkamen. (Foto RB)
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Hänsel und Gretel… hätten Brotkrumen hier geholfen? Eher nicht…

Im Handy-Zeitalter eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, doch das Handy – es lag im Auto. Das Auto wiederum stand irgendwo an einem Wäldchen im weitläufigen ländlichen Fröndenberger Osten. Irgendwo… ja. Bloß: Wo?!

Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald… In diesem Fall waren es Christel und Alfons Zglinski, ein wanderlustiges Seniorenpaar aus Bergkamen, sie 67, er 80 Jahre alt, beide äußerst  rüstig. Und dies, kombiniert mit einem Jagdfieber, das leidenschaflichen Pilzsammlern im herbstlichen Wald nun mal so zu Eigen ist, ging für das sympathischen Paar an diesem strahlend sonnigen Herbstnachmittag des 14. Oktober unselig nach hinten los: Denn vor lauter Eifer auf der Jagd nach frischen Pilzen (die Ausbeute fiel stattlich aus!) verloren Zglinskis irgendwann komplett die Orientierung… und da standen sie dann verloren zwischen einem Feld und einem Wäldchenrand im gefühlten Niemandsland auf der Höhe über Fröndenberg, unweit eines idyllischen winzigen Dorfes, von dem sie in ihrem Leben noch niemals gehört hatten.

Der Zufall wollte es, dass just beim Heraustreten der ratlosen Senioren aus dem Waldstück unterhalb der Priorsheide eben dort eine Radlerin entlangspurtete. Die Fröndenbergerin  stoppte abrupt, als sie die beiden älteren Herrschaften wild ihre Pilzkörbe schwenkend auf sie zurennen sah; dann lauschte sie der Geschichte mit einer Mischung aus Verblüffung und offener Ratlosigkeit: Denn die inzwischen völlig orientierungslosen wandernden Tagestouristen aus dem Nordkreis wussten nur noch, dass sie „auf der großen Straße von Unna nach Werl“ (also vermutlich der B1) abgebogen und ihr Auto dann irgendwo, wo das Wäldchen begann, an der Straße abgestellt hatten.

Aber wo bloß?

Eine Autobahnunterführung war dort in der Nähe, erinnerte sich Alfons Zglinski nach angestrengtem Überlegen, „und da war ein Bauernhof mit zwei großen Gänsen am Eingang.“ Könnte Vinnum sein, überlegte die Radlerin, selbst halbwegs ortskundig. Könnte aber auch die parallele Straße via Siddinghausen sein, und da sie das hilflose Rentnerpaar schlecht auf ihrem Gepäckträger mit in Richtung B1 nehmen konnte, rief sie kurzerhand die Polizei an.

Der Beamte in der Leitstelle Unna hörte sich die Geschichte ebenfalls merklich ungläubig an, überlegte kurz, sagte dann: Natürlich, klar, diesem Ehepaar muss geholfen werden. „Wir schicken einen Streifenwagen. Wo sind Sie denn eigentlich genau?“

Fröndenberg-Bausenhagen, Priorsheide – „Kenn ich“, befand der Beamte. „Da ist doch die Feuerwehr ganz in der Nähe?“ Ist sie. „Also dann schicke ich die Leutchen dorthin“, schlug die Radlerin dem Polizeibeamten aus. Der beschwor sie vorher noch: „Die sollen nicht weglaufen! Es kann einen Augenblick dauern!“ – „Wir laufen nicht weg, keine Sorge!“, beteuerte Christel Zglinksi, also gewandert waren sie für diesen Tag eindeutig genug.

Also auf zur Feuerwache im schönen Bausenhagen, ein guter Treffpunkt, nicht zu verfehlen. „Er hat gesagt: Keine Sorge, ich weiß, wo es zurück geht“, mahnte die Seniorin noch mit vielsagendem Seitenblick zu ihrem Gatten an, bevor sich das äußerst erleichterte Bergkamener Pilzsammlerpaar gegen 17.15 Uhr zu seinem letzten kurzen Marsch mit Zielpunkt Feuerwehr aufmachte. Dort wurden sie nicht lange darauf von einer Unnaer Polizeistreife eingesammelt.

Und wie uns Polizeisprecherin Vera Howanietz noch am selben Abend mitteilen konnte, war die Odyssee denn auch schnell zu einem guten Ende gekommen: Der verschollene Wagen aus Bergkamen habe „gar nicht weit weg gestanden“.

Zur Belohnung nach all den Strapazen gab´s zum Abendessen bei Zglinskis dann hoffentlich eine große, deftige Pilzpfanne!

    • Ergänzend möchte die im Bericht erwähnte Radfahrerin noch eine Anmerkung machen:  „🙋‍♀️ Ich wünsche diesem supernetten Touristenpaar aus der schönen Nordbergstadt das Beste bei weiteren Wald- und Pilzausflügen! Zugleich fand ich es beschämend, dass weder der Autofahrer aus dem Kreis Soest noch die Spaziergängerin mit Hund es für nötig befanden, diesem bemitleidenswerten Seniorenpaar irgendwie praktisch zu helfen. Einfach lakonisch achselzuckend „na dann viel Glück“ zu sagen und weiterzugehen ist beschämend. Wollte ich gerade noch mal loswerden!“
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