Vorerst kein Haftgrund gegen „Messerschleifer“ aus Fröndenberg: Hintergründe zur schweren Attacke am Ruhrufer

4
846
Das Ruhrufer im Fröndenberger Himmelmannpark. (Foto RB)
Facebookrss

 

Der am Freitagabend (18. 10.) am Ruhrufer von Messerstichen getroffene 25-jährige Syrer ist weiterhin nicht vernehmungsfähig, für seinen 30-jährigen Landsmann aus Fröndenberg  besteht vorerst kein Haftgrund.

Das sagte uns der Dortmunder Staatsanwaltssprecher Henner Kruse am Dienstagnachmittag (22. 10.) auf Anfrage. Und schilderte weitere Hintergründe.

Demnach ist der schwer verletzte 25-Jährige aus Menden erneut operiert worden. Mit seiner Vernehmung sei daher voraussichtlich erst Anfang kommender Woche zu rechnen, so Kruse.

Der Staatsanwaltssprecher bestätigte unserer Redaktion, dass bis dahin als Grundlage der Ermittlungen ausschließlich die Aussage des Fröndenbergers vorliegt. Der syrische Asylbewerber, der beim hiesigen Patenschaftskreis bekannt ist und in einem hiesigen Döner-Imbiss arbeitet, war noch in der Tatnacht im Fröndenberger Park vorläufig festgenommen worden.

Er hatte selbst den Rettungsdienst angerufen, nachdem er – so weit räumte er seine Beteiligung ein – den Jüngeren mit einem Küchenmesser niedergestochen hatte. Allerdings soll dies aus Notwehr geschehen sein und nicht zielgerichtet gegen seinen Bekannten aus Menden – denn der 30-Jährige will erst gar nicht gewusst haben, wen er da vor sich hatte. 

Henner Kruse gibt die dokumentierten Aussagen des Taterdächtigen wie folgt wieder:

„Die beiden waren ja gut bekannt, offensichtlich sogar befreundet. Im Vorfeld des Aufeinandertreffens am Freitagabend soll es zu einem Streit gekommen sein, dem dann – so die bisherige Aussage des Beschuldigten – der Angriff abends am Ruhrufer folgte.“

Demnach soll der Syrer aus Menden seinem „Freund“ quasi „aufgelauert“ und in den dunklen Park verfolgt haben. Als der Fröndenberger merkte, dass er verfolgt wurde, habe er sich im Schreck gewehrt – mit einem Küchenmesser, das er bei sich hatte, weil er es zuvor an seiner Arbeitsstätte habe schleifen lassen.

„Er sagte aus, dass er öfter seine Messer von zu Hause mit zur Arbeit nimmt, um sie dort scharf zu schleifen“, erläutert der Staatsanwalt. Ob das stimme, sei den Ermittlungen vorbehalten. „Das wird sich in dem Betrieb ja nachprüfen lassen.“

Jedenfalls will der an einer Sehschwäche leidende Fröndenberger erst gemerkt haben, dass er seinen Bekannten vor sich hatte, als dieser schon von mehreren Messerstichen getroffen schwer verletzt vor ihm auf dem Boden lag.

„Daraufhin rief er sofort den Rettungsdienst“, so Kruse. „In der Vernehmung machte er dann eine Art Notwehrlage geltend. Rechtlich ist man damit – wenn überhaupt – bei gefährlicher Körperverletzung.“

Und dafür, erklärt Kruse die rechtlichen Bestimmungen, lagen dann keine ausreichenden Haftgründe für Untersuchungshaft vor: „Fluchtgefahr ist wohl auszuschließen, nachdem er selbst den Rettungsdienst anrief und vor Ort wartete. Er hat einen festen Wohnsitz, eine Arbeitsstelle und eine schwangere Frau.“

Wieso in der ersten Initiativmeldung der Staatsanwaltschaft am Sonntagmorgen (20. 10.) dennoch von einem „versuchten Tötungsdelikt“ und Ermittlungen durch eine Mordkommission die Rede war, obwohl sich der Fröndenberger schon seit Samstagmittag wieder auf freiem Fuß befand, kann Henner Kruse ganz simpel erklären:

Die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft sei bereits am Samstagmorgen zur Dortmunder Polizei geschickt worden mit der Bitte um Veröffentlichung. Doch die Veröffentlichung durch die Polizei folgte erst 24 Stunden später. Da hatte sich die erste Einschätzung vom Freitagabend vor Ort am Ufer der Ruhr bereits wieder überholt.

Die Behauptung (in einem Wickeder Onlinemedium), es handele sich beim Fröndenberger Ruhrufer um einen „Drogenumschlagsplatz“, kann die Kreispolizeibehörde Unna übrigens nicht mit Fakten und Zahlen bestätigen. Weder der Himmelmannpark noch das Ruhrufer seien bei der Kreispolizei als „kriminogene Orte“ bekannt, sagte uns Polizeisprecher Bernd Pentrup heute auf Nachfrage.

Betroffen und außerordentlich überrascht zeigt sich der Patenschaftskreis Fröndenberg von dem schlimmen Vorfall. Den Flüchtlingshelfer/innen ist der beschuldigte Syrer bekannt: Er wohnte früher in Menden (kannte daher wohl auch den 25-Jährigen), der Patenschaftkreis besorgte ihm eine Arbeitsstelle in einem Fröndenberger Unternehmen. Diesen Job schmiss er, arbeitet jetzt im Döner-Imbiss. Seine (sehr junge) Frau sei schwanger. Im Patenschaftskreis kennt man den 30-Jährigen als „sympathisch und unauffällig“.

 

Facebookrss

4 KOMMENTARE

  1. Nun was den Patenschaftskreis Frbg. betrifft sind die Aussagen sowieso irrelevant. Der lag vor 1 Jahr mit seiner Einschätzung eines seiner Schützlinge (Procar) schon mal daneben und hat sich in weiteren Beiträgen als äußerst inkompetent dargestellt.
    Opfer die sich bei einem Angriff und körperlicher Gewalt gewehrt haben und anschließend Probleme hatten die Notwehr nachzuweisen werden ebenfalls erstaunt sein dass allein das Gefühl !!! einer Bedrohung ausreicht zuzustechen und sich verwundert die Augen reiben.
    Nun gibt es sicher Möglichkeiten nach fehlenden Haftgründen zu suchen, muss man aber nicht.
    Dafür scheint aber die Staatsanwaltschaft Dortmund ja wohl prädestiniert zu sein
    Gerade geht ja der Fall durch die Presse dass jemand nicht für die Ermordung seiner Ehefrau mit 70 Messerstichen angeklagt wird sondern nur wegen Totschlags da die Frau ja bereits nach dem 1 Stich bewusstlos war und somit kein weiteres Leiden entstanden ist. Noch Fragen??