„Guck mal, der Mond…“ – Opfer schildert „Messerschleifer“-Attacke“ am Ruhrufer komplett anders

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Himmelmannpark Fröndenberg (Archivbild RB)
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„Diese Geschichte wird immer nebulöser“, erklärt Staatsanwalt Felix Giesenregen gerade heraus. Gemeint ist die Messerattacke am Fröndenberger Ruhrufer am Abend des 18. Oktober.

Nach einer ersten (kurzen) Vernehmung des schwer verletzten Opfers eine Woche nach der blutigen Tat kommt nämlich jetzt wieder eine gänzlich andere Version ins Spiel. Anders als bei der ziemlich bizarr wirkende „Messerschleifer“-Variante des Tatverdächtigen spielt in der Schilderung des Opfers nun auch der Mond eine Rolle. Und von Notwehr sei da keine Spur gewesen – der Angriff soll buchstäblich hinterrücks erfolgt sein.

Rückblick:

Das Opfer der Attacke, ein 25jähriger in Menden wohnender Syrer, war am Tatabend nahe des Ufers der Ruhr im Himmelmannpark  durch zahlreiche Messerstiche schwer verletzt worden. Mutmaßlich auf ihn eingestochen hatte ein mit ihm bekannter Landsmann aus Fröndenberg (30).

Dieser wurde noch am Tatabend vorläufig festgenommen, nachdem er allerdings selbst den Rettungsdienst alarmiert hatte.

Er lief aber gleich am nächsten Vormittag wieder frei herum. Denn bei seiner Vernehmung konfrontierte der syrische Asylbewerber die Ermittler mit einer, so gibt auch Staatsanwalt Giesenregen frei heraus zu, reichlich schräg wirkenden „Messerschleifergeschichte“ mit Notwehr in Affekt:

So sei er an jenem Abend im Park verfolgt worden, habe aus Notwehr auf seinen Verfolger eingestochen und erst gar nicht gemerkt, dass es sich um seinen Bekannten aus Menden handelte – erst dann, als dieser schwer verletzt vor ihm lag. Für diese Version mache der Tatverdächtige eine Sehschwäche geltend, sagte uns vorige Woche Staatsanwaltssprecher Henner Kruse.

Die Frage, wieso er um diese Uhrzeit mit einem Küchenmesser im Park herumlaufe, begründete der 30-Jährige demnach wie folgt: Da er in einem Döner-Imbiss in der Stadt arbeite, nehme er öfter von zu Hause Messer zur Arbeit mit, um sie dort scharf zu schleifen. Sodann nehme er die frisch geschärften Messer wieder mit nach Hause.

Kruses Kollege Felix Giesenregen, der mit dem Fall betraute Staatsanwalt bei der Ermittlungsbehörde in Dortmund,  schilderte unserer Redaktion heute die Ergebnisse der ersten kurzen Vernehmung des schwer verletzten Mendeners, die Ende letzter Woche nun endlich stattfinden konnte. Sie musste dann vorzeitig abgebrochen werden, weil es dem 25-Jährigen nach wie vor sehr schlecht gehe.

„Der Verletzte berichtet eine gänzlich andere Geschichte“, so Giesenregen. So hätte er sich mit seinem Bekannten aus Fröndenberg  im Park getroffen, man habe gesprochen – „es gab irgendeinen Streit, es ist alles noch sehr unklar“, so Giesenregen.

Jedenfalls hätte der Beschuldigte sein Opfer im Verlauf des Gesprächs gebeten, sich umzudrehen, um sich den Mond anzuschauen. Und dann habe der Fröndenberger von hinten zugestochen.

Am heutigen Montag sollte der Schwerverletzte im Krankenhaus ergänzend vernommen werden, das Ergebnis lag der Staatsanwaltschaft am Abend noch nicht vor; wir berichten morgen nach. Man werde jetzt im Weiteren mit Spurensicherungen (unter anderem an der Tatwaffe), Auswertungen der Handys etc. versuchen, Klarheit in diesen nebulösen Fall zu bringen.

Der tatverdächtige Syrer ist dem Fröndenberger Patenschaftskreis als unauffällig und sympathisch bekannt. Er hat Arbeit (in besagtem Imbiss) und eine schwangere Frau.

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