ADFC legt Antrag vor: Teile der Unnaer City für Autoverkehr sperren

0
565
Alltägliches Bild: Stau auf Unnas Verkehrsring hier Südring, Höhe Abzweigung Wasserstraße. (Foto RB)
Facebookrss

Der Radclub ADFC geht für eine Verkehrswende in Unna jetzt in die Offensive. In einem Antrag an den Stadtrat vom heutigen Mittwoch, 13. 11, fordert der Club, Teile der Innenstadt für den Autoverkehr zu sperren – außer für Anwohner, Behinderte, Zulieferer, Busse und Rettungsfahrzeuge.

In ihrer Begründung schreiben die Radverkehrsverfechter:

„Im Rahmen unseres Antrags zur Verkehrswende steht im Mittelpunkt die Vermeidung von Abgasen aus fossilen Verbrennungsprozessen im Straßenverkehr. Außerdem scheint es uns wichtig, die Stadt mehr zu begrünen und den Menschen Platz zum Verweilen, Spielen und für Geselligkeit zurückzugeben.

Der Bereich der Stadt Unna, der vom Verkehrsring eingeschlossen ist, teilt sich in mehrere Quartiere. An den Quartieren Massener Straße/Westring und dem Quartier Hertinger Straße/Flügelstraße/Gürtelstraße liegen Parkhäuser und Tiefgaragen und müssen daher von dem Zufahrtsverbot ausgenommen werden. Dies gilt auch für die Obere-Husemannstraße und Nordring bis zur Tiefgarage am Katholischen Krankenhaus.

Die anderen Bereiche der Innenstadt könnten unseres Erachtens frei bleiben vom Fremdverkehr, so dass hier nur Anwohner, Behinderte, Zulieferer, Busse und Rettungsfahrzeuge ein Zufahrtsrecht hätten. Parkflächen würden damit frei und könnten begrünt oder anderen Zwecken zugeführt werden.

Innenstadtbesucher müssten auf die außen liegenden Tiefgaragen und Parkhäuser ausweichen oder mit Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß die Altstadt erreichen.

Um mehr Menschen zum Umstieg auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes zu bewegen, müssten diese gestärkt und weiter ausgebaut werden.“

Gerade im Nahbereich des Stadtgebiets von Unna (Entfernungen von bis zu 5 km) könnte sehr viel zur Verringerung der klimaschädlichen Abgase getan werden, argumentiert der ADFC.

  1. Das Verbrenner-Auto

Auf Kurzstrecken bis zu 3 km verbrauchen laut AutoBild (Internet) Klein- und Mittelklassewagen etwa 50 – 130% mehr Sprit als vom Hersteller angegeben. In dieser Zeit arbeitet der Katalysator noch nicht mit voller Leistung, weil er noch nicht warm genug ist. Diese Kurzfahrten erzeugen also verhältnismäßig viel klimaschädliche Abgase.

Im Stopp-and-Go-Verkehr bei Staubildung ist ebenfalls der Benzinverbrauch besonders hoch. Staus müssen also unbedingt vermieden werden.

Was die Klimaschädlichkeit angeht, ist also die Reduzierung der Kurzfahrten besonders effektiv. Laut Mobilitätsbefragung des Kreises Unna machen die Fahrten bis 3 km 29% aller Autofahrten im Kreis Unna aus.

  1. Das E-Auto

Das Elektroauto kommt nach seiner Herstellung schon mit einer hohen CO2-Belastung auf die Straße. Erst nach etwa 100.000 km, also etwa 6 Jahren, wird es bezogen auf die Klimaschädlichkeit leicht besser als ein Verbrenner-Auto. Die Umstellung auf Elektroautos erfordert eine große Menge Strom, der ökologisch nur erzeugt werden kann, wenn viele neue Anlagen zur Produktion von erneuerbarem Strom gebaut würden. Den kostbaren Ökostrom auf Kurzstrecken in der Stadt zu verwenden, um ein 1.500 – 2.000 kg schweres Fahrzeug zu bewegen, ist mit Blick auf die Klimakatastrophe nicht zu vertreten.

E-Autos benötigen den gleichen Platz wie herkömmliche KFZ und werden den Lebensraum von Mensch und Natur genauso besetzen. Da Elektroautos schwerer sind als Verbrenner, werden sie unsere Straßen mehr in Mitleidenschaft ziehen. Die Kosten für die Reparaturen von Brücken und Straßen werden eher zu- als abnehmen.

Außerdem wird es Jahre dauern, bis die Flotte der KFZ auf Elektroantrieb umgestellt ist. Das wird dem Klima aktuell zunächst mal nicht viel helfen.

  1. Das Fahrrad

Um die Innenstadt von Unna zu erreichen, ist das Fahrrad eine gute Alternative zum Auto. Man kommt direkt an sein Ziel und braucht keinen Parkplatz zu suchen.

„84% der Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad und verfügen somit über eine große räumliche und zeitliche Flexibilität, denn mit dem Rad sind nahezu alle innerstädtischen Orte leicht zu erreichen. Zwei Drittel der Haushalte (65%) besitzen sogar mindestens zwei Räder. Im Kreis Unna liegt der mittlere Fahrradbestand mit 2,1 Fahrrädern je Haushalt über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 2,0 bzw. deutlich über dem für NRW mit 1,9 Fahrrädern pro Haushalt.“ (aus: Mobilitätsbefragung 2013 des Kreises Unna, S. 31)

Das Fahrrad ist im innerstädtischen Bereich auf einer Strecke von 3 – 5 km allemal schneller als das Auto, besonders dann, wenn gute Verbindungen mit Vorfahrtsrecht existieren. Außerdem steht dieses Fahrzeug den meisten Menschen, auch unter 18-jährigen, heute schon zur Verfügung. Es verursacht keine Schadstoffe, braucht wenig Platz und zerstört nicht die Oberfläche von Straßen.

Die Beliebtheit von Wochenendausflügen und Urlauben mit dem Fahrrad und die steigende Zahl von E-Fahrrädern (etwa 6.500.000 in Deutschland und rund 4.500 in Unna) zeigt, wie populär das Radfahren in der Bevölkerung ist. Andere Städte zeigen, dass sehr viele Menschen bereit sind auf das Rad umzusteigen, wenn die Bedingungen gut sind.

  1. Das E-Fahrrad

Elektrofahrräder erweitern nochmals den Aktionsradius. Auch auf Strecken von 5 – 10 km erreicht man mit ihnen Ziele in der Innenstadt etwa zeitgleich zum KFZ. Nach der Mobilitätsbefragung des Kreises Unna von 2013 sind 45 % aller Autofahrten unter 5 km, 59 % unter 8 km und sogar 64 % unter 10 km.

  1. Der Bus

Schon heute gibt es Buslinien, die durch die Innenstadt von Unna verkehren und diese mit den Ortsteilen verbinden. Gäbe es hier noch Verbesserungen in den Taktzeiten und beim Preis, wäre der ÖPNV ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Altstadt von Unna bequem und gut zu erreichen.

Die Sperrung von Teilen der Innenstadt und damit die Befreiung von Parkplätzen vom Autoverkehr gäbe die Möglichkeit, diese neu zu gestalten, brächte mehr Ruhe und bessere Luft in unsere Altstadt.

Dieser Antrag versteht sich als Anstoß, darüber nachzudenken und zu untersuchen, ob und inwieweit der Autoverkehr in der Innenstadt verringert werden kann und welche Vorteile für Mensch und Klima sich daraus ergeben könnten.

Wie schon berichtet, hat der ADFC zur Verkehrswende auch verschiedene Kurzfilme erstellt. Der zur autofreien Innenstadt ist zu finden bei Youtube unter dem Stichwort „Verkehrswende für Unna, 4. Innenstadt autofrei“.

Facebookrss