Unnas „Postbuche“ muss gefällt werden – der Kreis erklärt, warum

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Die "Postbuche" im Sommer. / Foto: Ursula Sloboda-Bett
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Die wunderschöne uralte Buche vor der Unnaer Post muss am Samstagmorgen (23. 11.)  gefällt werden  – auf diese Nachricht reagierten gestern zahlreiche Leserinnen und Leser tief betroffen,  bestürzt und wütend.

Was macht die Fällung dieses herrlichen Naturdenkmals unausweichlich? 

Dazu übermittelte uns Kreissprecherin Constanze Rauert heute Nachmittag eine umfangreiche Stellungnahme des zuständigen Fachbereichs,  hier im Wortlaut wiedergegeben.

„Bei der Blutbuche vor der Post in Unna handelt es sich um ein Naturdenkmal. Der Baum ist über 100 Jahre alt, etwa 21 Meter hoch, hat einen Kronendurchmesser von rund 17 m und (in 1 Meter Höhe) einen Stammumfang von etwa vier Metern.

Der Entscheidung, den Baum zu fällen, geht eine lange Krankengeschichte voraus.

Im Zuge einer vom Kreis Unna beauftragten Kronenpflege am Naturdenkmal wurden im Dezember 2016 erste Rindennekrosen und Rindenabplatzungen auf der Südseite des Stammes festgestellt.

Außerdem musste auf der Südseite das meiste Totholz aus der Krone entfernt werden. Bereits bei vorhergegangenen Baumkontrollen war Schleimfluss an wenigen, kleinen Stellen aufgefallen, damals gab es aber noch keine weiteren Symptome.

Im Herbst 2017 wurden dann großflächige Rindennekrosen und –abplatzungen festgestellt. Ein Befall durch Schadpilze (Brandkrustenpilz und andere) wurde festgestellt.

Die Diagnose lautete: „Buchenkomplexkrankheit“. Der Baum wurde als abgängig eingestuft und die Baumkontrollen verstärkt.

Im Sommer 2019 wurde eine weitere Baumpflegemaßnahme erforderlich. Dabei wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit ein trockener Starkast und weiteres Totholz über der Zuwegung zur Post aus der Baumkrone entfernt. Der Eigentümer wurde vom Kreis über den Zustand des Baumes informiert.

Wie gerade erwähnt, leidet der Baum unter der Buchenkomplexkrankheit. Die wird in der Literatur wie folgt beschrieben:

„Ein prädisponierendes Klimaereignis führt zu einem vermehrten Befall durch die kleine Wollschildlaus. Diese überträgt Nektria-Pilze, die die Rinde infizieren und Schleimfluss hervorrufen. Später kommt es in rasch zunehmendem Umfang zu Rindennekrosen und Rindenabplatzungen. Weitere Schadorganismen (z.B. Käfer, Pilzarten, Viren) erobern den Baum und führen innerhalb weniger Jahre zum Absterben.“

Die Blutbuche vor der Post prägt das Stadtbild seit langer Zeit. Die Erkrankung des Baumes ist jedoch bereits so weit fortgeschritten, dass die Standfestigkeit stark gemindert ist. Angesichts des Standortes in der belebten Fußgängerzone / vor der Post ist es aus Sicherheitsgründen nicht länger verantwortbar, den Baum weiter stehen zu lassen.

Daher hat der Kreis Unna schweren Herzens eine Freigabe für das Fällen des Baumes erteilt.

Der Kreis wird außerdem an der gleichen Stelle wieder einen Baum pflanzen und dafür auch die Kosten übernehmen.“

 

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