Abkehr von Einflugschneise – Stadt Unna will Hellweg-Realschule am alten Standort neu bauen

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Weggewischt sind die bisherigen Standortplanungen für die Hellweg-Realschule - der Neubau soll am Altstandort entstehen. (Symbolfoto / Quelle Pixabay)
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Alles wieder auf Start – jetzt doch keine neue Realschule in der Flughafen-Einflugschneise.

Unnas Stadtverwaltung nimmt von ihren Plänen, denen sich die Ratsmehrheit bereits angeschlossen hatte, überraschend Abstand. Statt eine neue Realschule auf dem früheren Freizeitbadgelände zu bauen (und damit in die Einflugschneise), soll der Neubau am bisherigen Standort entstehen, also an der Königsborner Straße. Der Vorschlag kam in der Schulausschusssitzung.

„Ein überzeugende Idee“, findet die SPD – und schließt sich an. Damit dürfte die Entscheidung für die überraschende Umplanung bereits gefallen sein, denn die Grünen lehnen einen Schulneubau in der Airport-Einflugschneise erbittert ab. Rotgrün hat die Mehrheit im Stadtrat.

Die Genossen vollziehen damit eine Kehrtwende um 180 Grad:

Die SPD war bis dato zusammen mit der CDU treibende Kraft für den Neubau am strittigen Standort gewesen; als GroKo machten beide den Planungsstart am 4. 7. 2018 perfekt, noch vor den Sommerferien in einer Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses.

Mit für den Gesinnungswandel dürfte eine Rolle spielen, dass der Flughafen in Richtung Massen expandieren und die SPD am kommenden Wochenende eine Unterschriftenaktion dagegen starten will. HIER unser Bericht.

SPD-Stadtverbandsvorsitzender und Schulausschussvorsitzender Sebastian Laaser. (Foto RB)

„Die Überlegung der Beigeordneten Kerstin Heidler und Jens Toschläger, die Hellweg-Realschule nicht wie geplant, auf dem Gelände des ehemaligen Massener Freizeitbades, sondern am alten Standort neu zu bauen, wird von der SPD Fraktion begrüßt“, schreibt der schulpolitische Sprecher Sebastian Laaser in einer Pressemitteilung vom Mittwochabend (20. 11.).  „Neue Köpfe bringen neue Ideen, über die bisher nicht nachgedacht worden ist.“

Der jetzige Schulstandort an der Königsborner Straße sei seit Jahrzehnten etabliert, im Stadtteil verankert und beliebt in der Schulgemeinde. Mit Blick auf die Diskussionen rund um das Freizeitbad-Gelände sei der jetzige Schulstandort aber für alle akzeptabel.

Lob gibt es von der SPD auch für das Vorhaben, die neue Schule in einzelnen Bauabschnitten und in Modulbauweise auf den vorhandenen Freiflächen hinter dem jetzigen Schulgebäude zu errichten und die Schülerinnen und Schüler jahrgangsweise in das neue Gebäude umziehen zu lassen.

„Das ist ein richtig gute Idee und bringt am wenigsten Unruhe für den laufenden Unterricht“, so Sebastian Laaser.

Die SPD betont, dass das bereits mit Eltern und Lehrern abgestimmte pädagogische Raumkonzept auch unter den neuen Vorzeichen umgesetzt werden müsse. Hier seien viele gute Vorschläge in ein Konzept geflossen. „Da ist ausgezeichnete Vorarbeit geleistet worden. Wir sind gut beraten, diese nun auch bei den neuen Überlegungen zu nutzen“, so Laaser.

Der technische Beigeordnete Jens Toschläger will die Pläne ausführlich in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr am 27.11.2019 vorstellen. Volker König, ASBV-Vorsitzender, hat dazu auch direkt im Schulausschuss Schulleitung und Schulpflegschaft eingeladen. „Dann können Sie direkt ihre Meinung einbringen.“

Die Planungen sollen  zeitnah vorangebracht, konkretisiert und letztlich auch umgesetzt werden, so Laaser und König. „Politik und Verwaltung stehen gegenüber Schülern, Eltern und Lehrern der Hellweg Realschule im Wort.“

 

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6 KOMMENTARE

  1. Toll, wundert mich was mit der Kehrtwende der SPD ist. Stehen Wahlen bevor? Aber auch dieses mal wieder ein Schnellschuss ohne Sinn und Verstand. So sehr ich natürlich die Abkehr von Standort Kleistrasse befürworte ist natürlich die ehemalige Argumentation das Neubaus zu beachten. Eine Sanierung kommt nicht in Betracht da die Kosten deutlich höher als bei einem Neubau liegen. Und eine Investition mit all den Problemen für den Schulalltag auf dem selbem Gelände überraschender Weise jetzt damit zu Begründen dass der Standort ja etabliert ist sollte vielleicht auch mal überdacht werden. Denn die Realschule war nicht immer dort sondern der damalige Neubau der Grundschule Massen, gedacht für die Kinder aus Massen zu Zeiten als die Kinder noch zur Schule laufen konnten. Insofern ist genauso hirnrissig diesen Standort als ideal zu bezeichnen in einem Wohngebiet mit begrenzten Parkmöglichkeiten für Elterntaxis wo täglich regelmäßig das Chaos herrscht. Vielleicht versuchen unsere Ratsmitglieder gemeinsam mit der „neuerdings Fähnchen im Winde Partei SPD“ über ein gesamtheitliches Schulkonzept für Unna nachzudenken denn die nächste Baustelle Herderstadion ist ja nicht weniger umstritten und noch brisanter bezüglich der Verkehrssituation.

  2. Sorry Leute, aber das muss jetzt zu später Stunde spontan mal raus!

    Ich bin wirklich selten sprachlos. Aber jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, was in dieser Stadt los ist. Zuerst sollte die Realschule Massen als Ersatz für die Anne Frank Realschule am derzeitigen Standort ausgebaut werden. Mindestens 90.000 Euro (vermutlich mehr) sind damals in die entsprechende Planung geflossen. Alles ganz toll und alternativlos. Dann die Wende mit den Neubauplänen auf dem ehemaligen Freizeitbadgelände in Massen, die urplötzlich ohne vorherige Absprache mit der Politik herausgeblasen wurden. Das war jetzt der „Stein der Weisen“. Sicher wurden auch hier wieder viele Tausend Euro Steuergelder in die Planung investiert. Jeder der dagegen sprach, war ein Ketzer. Seither hat sich an den Rahmenbedingungen überhaupt nichts geändert. Und trotzdem jetzt wieder diese Kehrwende, von der vermutlich außer der SPD Fraktion vorher niemand wußte. Ja geht’s noch? „Avanti Dilettanti“ kann man da nur sagen. Mehr fällt mir spontan nicht mehr zu dieser erneuten Kehrtwende ein.
    Klaus Göldner