Eine Realschulchronologie – „Avanti dilettanti“: FLU-Chef über erneute Wende sprachlos

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Die Standortdebatte für den Neubau der Hellweg-Realschule dominierte viele Wochen die politischen Diskussionen im vorigen Jahr. Die FDP zog massiv gegen die Pläne zu Felde. (Bildquelle FDP Unna)
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Erst Ausbau, dann Neubau dort, wo früher das Freizeitbad war, nun plötzlich Neubau am alten Standort… „,Avanti Dilettanti´ kann man da nur noch sagen.“

Während sich die FDP hochzufrieden in ihrer Skepsis bestätigt sieht, zeigte sich FLU-Fraktionschef Klaus Göldner über die abrupte erneute Kehrtwende in Sachen Hellweg-Realschule noch in einer ersten spontanen Reaktion am Mittwochabend fassungslos.

„Ich bin wirklich selten sprachlos. Aber jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, was in dieser Stadt los ist“, erklärte Göldner.

Klaus Göldner, FLU. (Foto FLU)

„Zuerst sollte die Realschule Massen als Ersatz für die Anne Frank Realschule am derzeitigen Standort ausgebaut werden. Mindestens 90.000 Euro (vermutlich mehr) sind damals in die entsprechende Planung geflossen. Alles ganz toll und alternativlos.

Dann die Wende mit den Neubauplänen auf dem ehemaligen Freizeitbadgelände in Massen, die urplötzlich ohne vorherige Absprache mit der Politik herausgeblasen wurden. Das war jetzt der „Stein der Weisen“. Sicher wurden auch hier wieder viele 1000 Euro Steuergelder in die Planung investiert. Jeder der dagegen sprach, war ein Ketzer. Seither hat sich an den Rahmenbedingungen überhaupt nichts geändert. Und trotzdem jetzt wieder diese Kehrwende, von der vermutlich außer der SPD Fraktion vorher niemand wusste. Ja geht’s noch? „Avanti Dilettanti“ kann man da nur sagen. Mehr fällt mir spontan nicht mehr zu dieser erneuten Kehrtwende ein.“

27 Mio. Euro sind für den Neubau bisher notiert, er sollte auf dem ehemaligen Freibadgelände eine eigene Turnhalle und ein Schwimmbecken bekommen. Diese standortscharfen Pläne kann die Verwaltung jetzt wieder einstampfen, wenn sich die Ratsmehrheit ihrem neuen Vorschlag anschließt. Davon ist sicher auszugehen, denn neben – plötzlich – jetzt der SPD waren zuvor schon erbittert FDP und Grüne gegen eine neue Realschule im Flugzeuglärm – eine in Unna eher seltene grüngelbe Allianz.

Hier in aufsteigender Chronologie die unterschiedlichen Beschlüsse und politischen Forderungen zur Hellweg-Realschule.

20. 11. 2019: Die Verwaltung schlägt im Schulausschuss überraschend eine Abkehr von den (bereits weit gediehenen) Neubauplänen einer Realschule auf dem früheren Freizeitbadgelände vor, zugunsten eines Neubaus am Altstandort. Sie kündigt für den Stadttentwicklungsausschuss am 27. 11. eine Vorstellung der neuen Pläne an. Die SPD schickt abends eine umfassende zustimmende Pressemitteilung.

Flugzeug über Unna. (Archivbild RBU)

19. 11. 2019: Die SPD kündigt eine Unterschriftenaktion gegen die Flughafenexpansion an.

7. 11. 2019: Die Linke stellt den Antrag, die Realschulpläne auf dem Freizeitbadareal auf Eis zu legen. Ihre Begründung: die mögliche Expansionen des Airports mit entsprechend höherer Lärmbelastung dann auch für die Realschüler. – Dass auch über die Sonnenschule, Massens Grundschule, die Flieger dröhnen, ließen die Standortgegner in den hitzigen politischen Diskussionen im vorletzten Sommer nicht als Argument gegen den Neubau gelten: Die Sonnenschule sei nun mal dort, wo sie sei, aber eine ganz neue Schule solle man nun wirklich nicht in der Flugschneise bauen.

16. 3. 2019: Im Rahmen der Stelungnahmen zum Regionalplan Ruhr bekräftigen die Grünen ihr Nein zum Realschulneubau in der Flugschneise.

Die Eissporthalle Unna bei der Besichtigung am 16. 7. 2018. (Archivbild Rundblick)

22. 11. 2018: Die FDP unternimmt den unerwarten Vorstoß, die Eissporthalle abzureißen und die Realschule dort neu zu bauen, also am Ligusterweg/Nähe Hammer Straße. Zustimmungsfähig ist der Vorschlag nicht.

22. 9. 2018: Die FDP ruft zum Widerstand gegen die neue Schule in der Flugschneise auf, geißelt „mangelnde Wertschätzung der Schüler“.

Abriss des Freizeitbades Massen. (Archivbild Rundblick)

4. 7. 2018: Der politische Beschluss zum Realschulneubau auf ehemaligem Freibadgelände fällt. Eilig noch vor den Sommerferien pochen CDU und SPD auf Planungsstart. Ihr Wunsch ist der Verwaltung Befehl. In einer Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses (ASBV) wird das ehrgeizige 27 Mio.-Bauprojekt „Neubau der Hellweg-Realschule“ planungsfertig gemacht. Wegen des strittigen Standorts fällt das Ja nicht einstimmig aus: SPD, CDU und FLU votieren dafür, FDP und Grüne dagegen.

24. 6. 2018: „Flugzeuge, die auf Schulen stürzen“ – die intensive Abneigung der kleineren Fraktionen gegen einen Realschulneubau am Standort „ehemaliges Freizeitbad Massen“ bringt im  Hauptausschuss befremdliche Argumente hervor.

13. 6. 2018: Die CDU, bislang entschieden gegen einen Neubau und statt dessen Verfechter einer Rundumsanierung der HRS am alten Standort, schwenkt um: Ja zum Nebau.

12. 2. 2018: Die CDU will keinen Neubau, befürchtet eine Gesamtschule durch die Hintertür.

10. 2. 2018:  Kostenexplosionen bei Stadthalle und Realschulsanierung: Krisensitzung der CDU an Rosenmontag.

15. 11. 2016: 6,8 Mio. für Unnas Schulen aus dem Programm „Gute Schule NRW“ fließen nach Unna. Die CDU will alles in die Realschule stecken.

15. 11. 2015: Die FLU stellt nach dem Aus für die Anne Frank-Realschule den Antrag, die Hellweg-Realschule schnellstens zu sanieren und erweitern – auch mit Blick auf Zuwanderung.

Anne Frank Realschule Unna, Foto RB

2. 12. 2014: Das Aus für die Anne-Frank-Realschule ist formal beschlossen. Beide Realschulen werfen der Stadt und der Politik Versäumnisse vor.

3. 7. 2014: Die SPD stellt öffentlich fest: Die Anne-Frank-Schule wird nicht zu halten sein. Künftig nur noch eine Realschule für Unna – die Standortfrage müsse offen diskutiert werden.

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