Ärger über Realschul-Wende: FLU bezweifelt 43.000 € „Sowiesokosten“, CDU-Chef sieht sich „als Idiot dastehen“

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Erste Ideenvorstellung für eine neue Hellweg-Realschule am Altstandort Ende November vorigen Jahres: v. li. Technischer Beigeordneter Jens Toschläger, Ausschussvorsitzender Volker König, Baudirektor Michael Ott. (Foto RB)
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Verärgerter Schlagabtausch über die 180-Grad-Wende in Sachen Hellweg-Realschulneubau.

Über die abrupte Abkehr der Unnaer Verwaltung und der SPD vom zuvor leidenschaftlich präferierten Standort „ehemaliges Freizeitbad“ gab es am Mittwochabend, 27. 11.,  im Ausschuss für Stadtentwicklung eine (erste) verärgerte Aussprache.

Nachdem der 1. Beigeordnete Jens Toschläger in einer kurzen Übersicht versichert hatte, die Abkehr vom bisherigen Standort schaffe keine Mehrkosten, es seien lediglich für die bisherige Planung 43.000 Euro „Sowiesokosten“ angefallen, ergriffen die Fraktionsvorsitzenden das Wort.

Die der FLU und der FDP zeigten sich „irritiert“ über die plötzlichen Neubaupläne am angestammten Standort, CDU-Fraktionschef Fröhlich lehnte sich weiter aus dem Fenster. Er sprach von einem „Affront“ und unterstrich zutiefst verärgert seinen Standpunkt vom vergangenen Wochenende gegenüber Rundblick Unna:

Dieses komplett unabgesprochene Einkassieren eines eineinhalb Jahre alten Ratsbeschlusses werte er als nachhaltigen Vertrauensbruch mit der Verwaltung sowie mit der SPD, die offenbar als Einzige vorab von den neuen Plänen gewusst hätte.

Diese neuen Pläne sehen wie berichtet einen Realschulneubau am bisherigen Standort Königsborner Straße vor.

Was die CDU von Anfang an präferiert hätte, erinnerte Fröhlich, doch angeblich sei das ja wegen der Altlasten in dem Gebäude viel zu teuer gewesen, und dann die Probleme einer Großbaustelle im laufenden Schulbetrieb.

Aber nein, es hätte unbedingt dieser Standort in der Einflugschneise sein müssen.

„Wir hatten damit auch unsere Probleme“, unterstrich Fröhlich am Abend in der Sitzung. „Aber man hat uns gebraucht. Über Tage und Wochen hat uns die Verwaltung regelrecht bekniet.“ FLU-Fraktionschef Klaus Göldner erinnerte sich lebhaft auch daran, sprach von „Werbetour“, die die Verwaltung damals (vor zwei Jahren) für eine neue Realschule auf dem Freizeitbadbrache unternommen hätte.

Was seinerzeit als alternativlos dargestellt wurde, werde nun plötzlich mit einem Federstrich vom Tisch gewischt.  Beigeordneter Jens Toschläger verteidigte die gescholtene Verwaltung, indem er Fröhlich sagte, es hätte durchaus ein Gespräch über die neuen Planungen stattgefunden, und zwar mit den Schulausschussvertretern.

Damit brachte er den CDU-Vorsitzenden aber erst restlos auf die Palme: „Ich erwarte, als Fraktionschef informiert zu werden!“, ging er Toschläger lautstark an. „Ich möchte nicht hinterher als Idiot dastehen, das geht mir gehörig auf den Senkel! Und jetzt geh ich eine rauchen!“

Das tat er, während die Diskussion ohne ihn hin und her weiterging.

Michael Tietze (SPD) warf für die Sozialdemokraten verteidigend ein,  dass es doch neue Erkenntnisse gebe inzwischen. Man hätte vorher gedacht, ein Neubau am Altstandort sei nicht möglich, „es stellt sich heraus, dass es jetzt geht. Es bringt doch nichts, Schuldzuweisungen zu machen. Lasst uns doch gemeinsam der Stadt Bestes suchen!“, beschwor er in staatsmännischer Attitüde seine hochgradig verärgeren politischen Mitbewerber.

Es gebe null neue Erkenntnisse, widersprach ihm Klaus Göldner hartnäckig, „auch der  Standort früheres Freizeitbad wurde uns als ideal und beste Lösung für die Schüler verkauft. Nein: Ich wiederhole es, ich bin verwirrt. Ich kann auch nicht glauben, dass das nichts kostet, da sind garantiert Kosten entstanden.“

Volker König (SPD), seit kurzem Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, insistierte,  dass es doch gut sei, „wenn jetzt neue Köppe machen und wir alten Köppe bald weg sind“ (er spielte auf den neuen Technischen Beigeordneten Toschläger an). Er glaube, „dass wir jetzt auf dem richtigen Weg sind.“

Dann wurden vorher aber offenbar gravierende Fehler gemacht, gab ihm Göldner zurück. Worauf ihm König (in jovialem Tenor) erwiderte: Ja dann sei das so. „Wenn Fehler gemacht wurden, nehme ich das auf mich. Ich habe in den letzten vier Jahren so viel auf mich genommen…“

Die nächste Runde der Debatte folgt am Donnerstag, 28. 11., im Haupt- und Finanzausschuss. 

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1 KOMMENTAR

  1. Wenn es nicht so traurig wäre konnte man ja darüber lachen über dieses Kaspertheater das da offensichtlich im Rat statt findet. Ich frage mich welche Dilettanten wir da in den Rat gewählt haben.
    Wenn denn H. Fröhlich heute ausführt dass man damals schon Probleme mit dem Standort hatte frage ich mich warum hat man dafür gestimmt? Keine eigene Meinung oder einfach nur nicht das entsprechende Rückgrat (man kann auch zum Verständnis sagen: keinen Arsch in der Hose) Und wenn denn der „Sonnen“ König meint „gut das die alten Köppe bald weg sind“ hoffe ich doch sehr, seiner gehört ebenfalls dazu.