„Fridays gegen Altersarmut“ etabliert erste Ortsgruppe im Kreis Unna

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Wenn es am Monatsende zu eng wird: Wegen niedriger Einkommen sind viele Menschen auf Zusatzeinkünfte – wie hier aufs Pfand-Sammeln – angewiesen. (Foto: NGG)
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Gegen Armut im Alter, gegen Pfandflaschensammeln, weil die Rente nicht reicht.

Die Gruppe, die Anfang Oktober ins Netz ging, zählt mittlerweile weit über 60 000 Mitglieder. Nun zeigt fridays gegen Altersarmut, die am 24. Januar zur ersten bundesweiten Mahnwache einlädt,  auch im Kreis Unna Präsenz: In Selm hat sich die erste Ortsgruppe etabliert.

Initiator vor Ort ist Diplom-Verwaltungswirt Ralf Piekenbrock.

„Mit der Rentenreform aus dem Jahr 2005 und der Jahr für Jahr steigenden Besteuerung der Renten, bis sie dann komplett steuerpflichtig sind, hat sich die Situation von Rentnern nochmal verschlechtert.“ Eine der Forderungen von fridays gegen Altersarmut ist es, die Besteuerung der Renten und somit einen Teil der Rentenreform aufzuheben.

Seit Ralf Piekenbrock Anfang 2016 unter Protest aus der CDU austrat und die DEMOKRATISCHEN BÜRGER DEUTSCHLAND gründete, die sich Anfang des Jahres der Familien-Partei- Deutschlands anschloss, setzt er sich für eine komplette Reform unseres Rentensystems ein.

„Die Einführung der Grundrente ist Flickschusterei und ein weiterer Verrat an unseren Rentner,“ sagt er. Dieses Thema gehe alle etwas an, insbesondere der Umgang mit alten und kranken Menschen zeige den Charakter einer Regierung und hier sei noch viel Luft nach oben.

„Andere Länder haben es doch vorgemacht, wie z.B. die Niederlande, wo das Rentensystem auf drei Säulen, aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge hervorragend funktioniert.

Aus diesem Grund und den Möglichkeiten seiner Tätigkeit in Brüssel habe er Heinrich Madsen ins EU-Parlament eingeladen. Hier ist ein roundtable mit dem deutschen EU-Abgeordneten Helmut Geuking, der zudem Mitglied im ständigen Ausschuss für Beschäftigung und Soziales ist, und dem niederländischen EU-Abgeordneten Bert-Jan Ruissen geplant.

„Wir müssen den Kampf gegen Altersarmut europaweit etablieren und koordinieren, ähnlich wie es die Familien-Partei schon mit ihrem Antrag auf das zusätzliche europäische Kindergeld getan hat“, so Piekenbrock.

Aktuell hat sich die Bewegung auch schon in Frankreich etabliert. „Heinrich Madsen hat die Einladung nach Brüssel erfreut angenommen. „Jetzt gilt es möglichst noch vor unserem bundesweiten Aktionstag (Mahnwachen) einen Termin zu finden, um dieses Thema noch mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Einige Zahlen für Selm:

„Viele Menschen aus der älteren Generation schämen sich, darüber zu sprechen, aber die Not ist da.

Von 2010 bis 2017 ist in Selm, bei relativ konstanten Einwohnerzahlen, die Altersarmut kontinuierlich gestiegen. 2017 betrug die Altersarmut in Selm bei 25811 Einwohner 3,2% (Quelle: Bertelsmann-Stiftung).

3, 2% hört sich nicht gerade viel an, ist aber viel zu viel, wenn man bedenkt, dass sich dahinter 826 Einzelschicksale verstecken, wo das vorhandene Geld einfach nicht ausreicht, die Grundbedürfnisse zu finanzieren. (Grundsätzlich soll Altersarmut zum Ausdruck bringen, dass eine Person im Rentenalter durch eine mangelhafte Altersversorgung sich mit finanziellen Problemen herumschlagen muss. Die Einnahmen reichen nicht aus, um den Lebensstandard und täglichen Finanzbedarf, also alle Ausgaben, zu decken.)

Laut Bertelsmann-Stiftung liegt das Durchschnittsalter in Selm bei 45,1 Jahren, das Medianalter bei 48,5 Jahren. Der Altenquotient (ab 65-jährige je 100 Pers. der AG 20-64) liegt bei 35,3%. D.h., das für einen Großteil der Selmer Bevölkerung das Rentenalter nicht allzu weit entfernt ist.

Auch im kommunalen Vergleich macht Selm keine allzu gute Figur. Olfen und Werne z.B. liegen hier deutlich unter den Selmer Werten. Im Übrigen ist es bei der Kinderarmut noch viel extremer. Hier liegt Selm bei 19,7!!!!%, Olfen bei 7,2% und Werne bei 13,6%.

Wenn man sich dann anschaut, was aufgrund der Rentenreform (Besteuerung) auf zukünftige Rentner zukommt, wird sich das Problem noch zuspitzen.“

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