Notfalls Klage gegen Flughafenexpansion – „Aber auch eigenes Verhalten kritisch hinterfragen“

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Diskussion vor und mit viel interessiertem Publikum. (Foto SPD Unna)
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Die angestrebte Verlängerung der Start- und Landebahn auf 2000 Meter in Richtung Osten bedeute eine zusätzliche Belastung für Unna – die drohende Ausweitung der Betriebszeiten genauso.

So zitiert die SPD Bürgermeister Werner Kolter. Er machte auf der Informationsveranstaltung zu den Ausbauplänen des Flughafens Dortmund am Freitagabend (29. 11.) deutlich, dass gleich zwei Vorhaben der Flughafenbetreiber mit der Lebensqualität der Menschen vor Ort nicht vereinbar seien.

„Da läuft ein Prozess, den wir in Unna zu Recht als Salami-Taktik bezeichnen und den wir mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten aufhalten müssen.“

Der SPD-Stadtverband hatte zum Info-Abend ins Zentrum für Information und Bildung in der Lindenbrauerei eingeladen. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger waren nach Angaben der SPD gekommen – darunter viele aus den besonders betroffenen Ortsteilen Königsborn und Massen, aber auch aus der Innenstadt, Mühlhausen-Uelzen und Lünern.

Sie alle, so heißt es in der Pressemitteilung zur Veranstaltung, „fürchten, dass die Zahl der Flugbewegungen und der Lärmpegel mit den größeren Maschinen, die der Flughafen künftig einsetzen will, sowie der Aufweichung des Nachtflugverbots weiter zunehmen. ,Nur gemeinsam sind wir stark´, erntete Horst Weckelmann mit seinem Aufruf breiten Applaus. Der Massener hat zehn Jahre direkt in der Einflugschneise gelebt, bevor er weggezogen ist. ,Fluglärm macht krank´, sagt er aus eigener Erfahrung.“

Parteichef Sebastian Laaser unterstrich, dass es sich bei dem Info-Abend keinesfalls um eine Parteiveranstaltung, sondern um den Auftakt zu einem breiten Bündnis gegen die Pläne der Flughafen-Betreiber handele. „Zeichen setzt man am besten gemeinsam!“, wünscht er sich die Bündelung möglichst vieler Kräfte „gegen die neuen Pläne und vor allem für den Schutz der Menschen und der Umwelt.“

Am Podium v. li. Bürgermeister Kolter, SPD-Parteichef Sebastian Laaser, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Fluglärm und ehemalige grüne Landtagsabgeordnete Mario Krüger und Pfarrer i.R. Jürgen Düsberg. (Foto SPD)

Auf dem Podium stand für Fragen zur Verfügung: Unnas Bürgermeister,  der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Fluglärm und ehemalige grüne Landtagsabgeordnete Mario Krüger und Pfarrer i.R. Jürgen Düsberg. Gekommen waren zudem Vertreter anderer Parteien, Vereine und Organisationen. „Warum muss der Flughafen eigentlich immer nur in Richtung Unna wachsen“, fragte CDU-Ratsherr Rolf-Dieter Beyersdorf. –

Kolter und Krüger betonten, dass man beim juristischen Kampf gegen die Flughafenpläne im engen Austausch sei. „Wir beobachten das Geschehen sehr genau und bereiten uns bestmöglich auf den Klageweg vor“, versicherten sie auch mit Blick auf die Erstellung notwendiger Gutachten.

Noch sind die Anträge für die Verlängerung der Start- und Landebahn in Richtung Unna nicht eingereicht. Sehr konkret spürbar sind bereits die erweiterten Betriebszeiten, die die Bezirksregierung Münster im August vergangenen Jahres genehmigt hat. Die Stadt Unna wehrt sich weiterhin gegen die zusätzlichen Flugbewegungen zur Nachtzeit, die durch die Ausnahmeregelungen möglich geworden sind.

Flugzeug über Unna. (Archivbild RBU)

Auch eigenes Verhalten kritisch hinterfragen:

Worin sich alle Beteiligten am Freitagabend einig waren:Wer sich gegen die Belastungen wehrt, die der Flugverkehr für die Menschen vor Ort bedeutet, sollte auch sein eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen.

„Muss der Flug übers Wochenende nach Mallorca oder der Städtetrip nach München per Flieger wirklich sein? Darüber sollte jeder nachdenken und ruhig auch die Diskussion mit Familie und Freunden zu diesem Thema suchen“,

forderte Jürgen Düsberg auf.

Er nahm damit Bezug auf Zahlen, die zur Nutzerstruktur dies Dortmunder Flughafens von Mario Krüger genannt wurden:

  • Nur ein geringer Teil der Fluggäste sind danach Geschäftsleute – obwohl Flughafenbefürworter gerne die Bedeutung des Airports für den heimischen Wirtschaftsstandort hervorheben.
  • Die größte Gruppe bilden vielmehr Beschäftigte aus Osteuropa, die ihre Familien in der Heimat besuchen,
  • sowie Touristen.
  • Rund 75 Prozent aller Flüge werden von der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air durchgeführt.

Sebastian Laaser brachte weitere Zahlen in die Diskussion ein: „2018 haben die startenden Flieger rund 20.000 Tonnen CO2 und 40.000 Tonnen klimaschädliche Gase herausgeblasen. Wir wissen nicht erst seit Fridays for Future, dass das Gift für Mensch und Umwelt ist.“

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