Lange: „Islam und Grundgesetz – wir sehen da kein Problem“ – An Wahrnehmung des Islam als „Bedrohung“ arbeiten

4
1127
Tagungsteilnehmer / Foto Polizei DO
Facebookrss

Nicht „der Islam“ müsse mit dem Grundgesetz vereinbar sein, sondern das Verhalten der Gläubigen – und das sei bei der deutlichen Mehrheit der Muslime in Deutschland der Fall. „Die meisten haben mit Ali und Fatima kein Problem, aber viele nehmen ‚den Islam‘ als Bedrohung wahr. Daran müssen wir arbeiten“, forderte Rechts- und Islamwissenschaftler  Prof. Dr. Mathias Rohe.

Mit dem komplexen Thema „Vielfalt in der Demokratie“ befassten sich am Donnerstag (28.11.) die Polizei Dortmund und das Multikulturelle Forum im Rahmen ihres gemeinsamen Projekts „VielfaltPlus“.

Unter der Fragestellung „Islam und das Grundgesetz – Wo ist das Problem?“ diskutierten NRW-Integrationsstaatsekretärin Serap Güler, Polizeipräsident Gregor Lange, Prof. Dr. Mathias Rohe von der Uni Erlangen-Nürnberg sowie Dr. Dina El Omari von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster über die Voraussetzungen für ein Zusammenleben in Vielfalt.

Besonders beim Islam werde überdurchschnittlich oft darüber diskutiert, ob er mit dem Grundgesetz vereinbar sei, hatte der Rechts- und Islamwissenschaftler Rohe zuvor in seinem Impulsvortrag festgestellt, dabei müsse keine Religion mit dem Grundgesetz vereinbar sein, sondern das Verhalten der Gläubigen – und das sei bei der deutlichen Mehrheit der Muslime in Deutschland der Fall.

„Die meisten haben mit Ali und Fatima kein Problem, aber viele nehmen ‚den Islam‘ als Bedrohung wahr“, daran müsse man arbeiten, forderte Rohe.

„Islam und Grundgesetz – wir sehen da kein Problem“, betonte dann auch Polizeipräsident Gregor Lange in der Podiumsdiskussion, „ganz im Gegenteil: Unser Grundgesetz bietet allen unabhängig von Herkunft, Nationalität, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit eine Heimat in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft.“

Wichtig sei, dass aus Verfassungsanspruch auch Verfassungswirklichkeit werde und Muslime in  Deutschland in ihrer Vielfalt wahrgenommen und akzeptiert würden.

„Unser Einsatz als Polizei gegen islamistischen Extremismus dient dem Schutz der gesamten Gesellschaft – auch der Muslimen, die von dieser Gefahr genauso betroffen sind.“

Für eine erfolgreiche Präventionsarbeit sei insbesondere der Dialog wichtig – wie ihn beispielsweise die Polizei Dortmund mit den muslimischen Gemeinden seit 2014 aktiv praktiziere.

Auch Staatssekretärin Güler betonte, wie wichtig es sei, auch bei Differenzen im Gespräch zu bleiben: „Natürlich müssen wir dort, wo es Probleme gibt, diese auch benennen. Aber Missverständnisse können wir nur im Gespräch miteinander abbauen.“ Güler lobte das auch das gemeinsame Veranstaltungsformat des Multikulturellen Forums mit der Polizei Dortmund, das „ein wichtiges Zeichen“ setze.

Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass in der Öffentlichkeit ein sehr einseitiges und vorurteilsbehaftetes Islambild herrsche – dabei sei der Islam gerade in Europa, in Deutschland so vielfältig wie kaum anderswo. So plädierte auch Islamwissenschaftlerin El Omari für ein differenzierteres Bild des Islam, das neben den aktuell überpräsenten konservativen Auslegungen der Religion auch alternative – zum Beispiel feministische – Lesarten sichtbar mache.

Die Polizei Dortmund stärkt in einem seit 2014 bestehenden Projekt die interkulturellen Kompetenzen ihrer Beamtinnen und Beamten. Sie arbeitet dabei eng mit dem Multikulturellen Forum zusammen.

Der Veranstaltung „Vielfalt in der Demokratie“ folgten rund 100 Teilnehmende, überwiegend Polizeibeamte, aber auch Vertreter muslimischer Gemeinden oder Mitarbeitende von Kommunen, die im Anschluss die Gelegenheit nutzten, mit den Podiumsgästen – durchaus auch kontrovers – ins Gespräch über ein Kopftuchverbot für unter 14-jährige, Diskriminierungserfahrungen oder Nachbarschaftsstreit bei Moscheegemeinden zu kommen.

Polizeipräsident Lange zeigte sich im Anschluss an die Veranstaltung zufrieden: „Der intensive Austausch zeigt, dass wir vielen Polizeibeamten heute dieses vorurteilsbelastete Thema näherbringen konnten.“

Auch der Geschäftsführer des Multikulturellen Forums, Kenan Küçük, zog ein positives Fazit, mahnte aber kontinuierliche Arbeit am Thema an: „Religiöse Vielfalt ist in Deutschland längst gelebter Alltag. Dies muss sich auch in unseren Institutionen widerspiegeln. Ich wünsche mir Polizistinnen und Polizisten aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die dem Schutz aller in Deutschland lebenden Minderheiten verpflichtet sind und ihren Dienst mit hohem Sachverstand, aber auch sozial und interkulturell kompetent ausüben. Diese Fähigkeiten sind in einer Einwanderungsgesellschaft unverzichtbar. Genau hier setzt unser Projekt ‚VielfaltPlus‘ an und stärkt die Kompetenzen des Personals in Kommunal- und Arbeitsverwaltungen, bei der Polizei und im Justizvollzug.“

Schlusssatz der Polizei:

„Die Veranstaltung war zugleich ein sichtbares Bekenntnis zu unserem Grundgesetz, das in über 70 Jahren zu Frieden und Freiheit in Deutschland beigetragen hat. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich vor Stellwänden persönlich zu unserer Verfassung zu bekennen.“

Facebookrss

4 KOMMENTARE

  1. Weiß nicht ob die Zeit in der man mit Ali und Fatima kein Problem hatte langsam verschwindet.
    Und das aus einem Grund der sicher in der Studie des Familienministerium von Montag abzulesen ist.
    Wenn denn noch der NRW-Integrationsstaatsekretärin Serap Güler der Meinung ist „Islam und das Grundgesetz – Wo ist das Problem?“ dann sollte er doch einfach mal bei der Islamkennerin und Soziologin Necla Kelek nachlesen.
    Denn mit dem Grundgesetz ist sicher nicht vereinbar: Zitat Kelek „Solange ich als Muslim nicht denken darf, ist dieses System Islam keine Religion“,„Es gibt ja so etwas wie ein Denkverbot mitten in einer freien Gesellschaft, mitten in einer freien Wissenschaft in Deutschland mittlerweile, so wie es sie in einem islamischen Land gibt“. Weiter sagt sie konkret: „die Gesellschaft muss begreifen: Der Islam ist nicht einfach eine spirituelle Religion, gleichgesetzt mit der katholischen oder evangelischen Kirche, sondern der Islam kann als ein Gesellschaftssystem gelebt werden.“
    Und wenn sich die Podiumsgäste einig darin sind, dass in der Öffentlichkeit ein sehr einseitiges und vorurteilsbehaftetes Islambild herrsche., so frage ich mich :wo kommt es denn so plötzlich und verstärkt her, wird denn die Meinung nicht täglich bestärkt durch das Verhalten, die integrationsunwilligkeit mit Ghettobildung und Forderungen in allen Bereichen die allein Muslimische Glaubensgrundsätze berücksichtigen?

  2. Sicher, es gibt Ehrenmorde, Steinigungen von Ehebrecherinnen, Säureattentate auf Frauen, FGM, Zwangsehen, Kinderehen, Herrschaft des Mannes über die Frau, Dschihad gegen „Ungläubige“, Kopfabtrennen vorzugsweise von Touristinnen und zahlreiche Attentate durch Islamisten.
    Aber diese brutalstmöglichen Menschenrechtsverletzungen haben mit dem Islam nichts zu tun, sondern sind kulturell bedingt. Niemand muss den Islam als Bedrohung empfinden!