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Start Gericht und Justiz Baby mit Hausmüll „entsorgt“: Höheres Strafmaß als von Staatsanwalt gefordert

Baby mit Hausmüll „entsorgt“: Höheres Strafmaß als von Staatsanwalt gefordert

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Symbolbild Justizia / Quelle Pixabay
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Sie brachte ihr Kind heimlich zur Welt, nicht einmal der Partner soll ihre Schwangerschaft bemerkt haben – und dann packte sie das neugeborene Mädchen in einen Müllsack, knotete ihn zu und entsorgte ihn hinter dem Haus.

Ein halbes Jahr nach der fassungslos machendenTat einer jungen Frau aus dem Märkischen Kreis (wir berichteteten) hat die Schwurgerichtskammer Hagen die 31-Jährige zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Damit ging der Richter noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, berichtete am Freitag der WA (Onlineausgabge). Das Gericht hielt die Angeklagte für voll schuldfähig.

Die Verteidigung hatte unter Hinweis auf den psychischen Ausnahmezustand der Frau zur Tatzeit lediglich für zweieinhalb Jahre Gefängnis plädiert, auf die dramatischen Umstände der völlig unerwarteten Alleingeburt nach der ungeplanten (und unerwünschten) Schwangerschaft verwiesen.

Doch die Richter sahen das anders. Als die Frau Anfang 2019 gemerkt hatte, dass sie schwanger war,  informierte sie sich laut Anklage über Möglichkeiten eines Abbruchs, ebenso über Babyklappe oder anonyme Geburt. Diese Alternativen verwarf sie aber.

Vor Gericht schwieg sie zumeist. „Die Kammer sah den Grund für die eingetretene Katastrophe vor allem bei der Angeklagten und weniger in ihrem schwierigen sozialen Umfeld“, berichtet der Gerichtsreporter des WA. Sie habe sie den Tod des Säuglings billigend in Kauf genommen – das winzige Menschenkind wäre „über kurz oder lang in dieser Situation verstorben.“

Rückblick.

Am Nachmittag des 14. Juni wurde die 31-Jährige im Klinikum Hellersen in Lüdenscheid mit Blutungen behandelt. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass sie kurz zuvor ein Kind zur Welt gebracht hatte.

Die sofortige Reaktion der Ärztin lobte die Staatsanwaltschaft als „vorbildlich“: Denn die Medizinerin alarmierte sofort die Polizei.

Die Beamten fuhren zu der Adresse der Frau und fanden den Müllsack mit dem neugeborenen Mädchen. Sie hörten ein leises Wimmern, als sie um das Haus herum suchten.

Das winzige Menschenkind lag dergestalt  ca. drei Stunden in der Mülltüte. Es hätte nicht mehr lange gedauert, bis es an Unterkühlung gestorben oder erstickt wäre.

Die Mutter Sprach in der Vernehmung von „Ängsten“. Zusammen mit ihrem Verlobten hat sie bereits eine einjährige Tochter. Von der gesamten Schwangerschaft merkte der Partner nichts: Selbst als die Wehen einsetzten, glaubte er, seine Verlobte habe sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen.

 

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